American Football boomt, gerade in Deutschland, aber auch weltweit, da bietet es sich für Filmemacher, die Filme in erster Linie zwecks Geldmachen machen, an, die amerikanischste aller Sportarten in den Mittelpunkt ihres Schaffens zu stellen. Adam Sandler hat das Sujet seines nächsten Films im Rahmen des Multi-Millionen-Dollar-Deals seiner Produktionsfirma Happy Madison mit Netflix also klug gewählt, die Top-Platzierung in den Netflix-Streaming-Charts ist wenig überraschend und das Release-Datum mitten in der NFL-Playoff-Season wohl kein Zufall. Ob die Qualität von „Home Team“ mit der cleveren finanziellen Kalkulation mithalten kann, ist eine andere Frage.

von Christian Klosz

„Home Team“ erzählt die wahre Geschichte von Coach Sean Payton, der nach dem Superbowl-Gewinn mit seinen New Orleans Saints 2006 im Rahmen des „Bountygate“-Skandals 2012 ein Jahr suspendiert wurde. Den Saints wurde vorgeworfen, „Kopfgelder“ auf die Verletzung gegnerischer Spieler ausgesetzt zu haben, Payton soll davon gewusst haben. Während seines unfreiwilligen „Urlaubs“ reist Payton in seine alte Heimat in Texas, um dort das Highschool-Team seines Sohnes zu coachen. Im Rahmen seiner vorerst nur als „Zeitvertreib“ gedachten Tätigkeit bringt der NFL-Coach nicht nur das dahinsiechende Football-Team zurück auf die Siegerstraße, auch kommen sich die voneinander gleichermaßen entfremdeten Vater und Sohn näher und Payton lernt, dass Gewinnen um jeden Preis nicht alles im Leben ist.

Wer bei „Home Team“ ein tiefschürfendes Drama erwartet, ist hier ohnehin falsch und hat wohl noch nie einen von Adam Sandler produzierten Film gesehen. Diese filmische Gattung zeichnet sich durch ein besonderes Gespür für schlechten Geschmack aus, einen Hang zum Klamauk, politische Unkorrektheit – aber auch einen gewissen Unterhaltungswert und „Herz“, wie man so schön sagt. Einiges davon bietet auch „Home Team“, wobei es an den wichtigsten Zutaten fehlt, die einen unterdurchschnittlichen Film manchmal über das Mittelmaß hieven können.

Die Schwächen des Films überschatten die durchaus vorhandenen, positiven Aspekte, wehalb am Ende ein eher ernüchternder Gesamteindruck bleibt. Vor allem sind es seltsame und abstoßende Drehbuch-Ideen, die „Home Team“ verderben: Warum muss gerade eine Kotz-Orgie der Spieler Paytons Team zum Sieg verhelfen? Das ist sogar für Happy Madison-Verhältnisse zu infantil. Auch andere Aspekte des Skripts wurden eher nachlässig behandelt und die „Message“ des Films, wenn man so will, ist bereits nach 10 Minuten absehbar. Positiv hervorheben kann man einige schräge Gags und Einfälle, die allen Sandler-Filmen eigen sind und die Rolle von Gary Valentine (Kevin James‘ Bruder) als schrulliger, übergewichtiger Co-Trainer des Teams, der immer wieder für Lacher sorgt.

Bleibt der Blick auf die Hauptfigur und die Frage, warum gerade Kevin James für die Rolle des Sean Payton gecastet wurde – neben der Tatsache, dass er und Sandler Freunde sind -, denn Ähnlichkeit haben die beiden wirklich keine. Insofern lässt sich kaum feststellen, ob James seinem realen Vorbild nun „gerecht“ wird, da man rein optisch nie auf die Idee käme, die beiden zu vergleichen. Immerhin spielt er seinen Part recht solide und gehört damit zu den besseren Mimen des an Qualitätsdarstellern eher armen Ensembles.

Fazit:

Ein „Muss“ für Football-Fans, die ideale Vorbereitung auf den Superbowl? „Home Team“ kalkuliert richtig, macht aber rein filmisch einiges falsch und bleibt so am Ende nicht mehr als eine unterdurchschnittliche, belanglose Sport-Komödie, die man nach kurzer Zeit wieder vergessen hat. Daran ändern auch Cameos von Bill Cowher oder Sean Payton himself wenig. „Home Team“ ist seit 28.1. auf Netflix zu sehen.

Bewertung:

Bewertung: 4 von 10.

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Bilder: (c) Netflix