Die Definition von Schönheit hat sich im Laufe der Jahrhunderte unzählige Male verändert. Was sich allerdings nicht verändert hat, oder noch nicht entscheidend verringert hat, ist der gesellschaftliche Druck, der auf Frauen ausgeübt wird. Ob es sich nun um unrealistische Schönheitsideale handelt oder um veraltete Rollenbilder, es existiert eine sehr spezifische Idee davon, was als „wunderschön“ und gesellschaftlich akzeptiert gilt. Bewegungen, wie die Body-Positivity-Bewegung, die ebenjene Strukturen aufbrechen wollen, haben in dieser Hinsicht zwar vielleicht Fortschritte gemacht, doch letztendlich besteht heutzutage in punkto äußeres Erscheinungsbild nach wie vor das Ziel, einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Einem Ideal, das zu erreichen in den meisten Fällen kaum möglich ist. Karoline Herfurth erzählt in „Wunderschön“ die Geschichten von Frauen in verschiedenen Altersgruppen, Lebenssituationen und äußeren Erscheinungsbildern. Zunächst scheint sie nichts zu verbinden, abgesehen von der Tatsache, dass sie alle mit ihrem Leben oder ihren Körpern unglücklich sind.

von Lena Wasserburger

Model Julie (Emilia Schüle) verfällt dem Schlankheitswahn, die Schülerin Leyla (Dilara Aylin Ziem) findet sich zu dick, die zweifache Mutter Sonja (Karoline Herfurth) fühlt sich nach ihren Schwangerschaften in ihrem Körper nicht mehr wohl und möchte eigentlich gerne wieder anfangen zu arbeiten, doch ihr Ehemann ist gerade befördert worden und hat kaum Zeit für Kinderbetreuung und Haushalt. Vicky (Nora Tschirner) hält indessen nichts von Beziehungen und weicht den Annäherungsversuchen ihres Arbeitskollegen aus, während Frauke (Martina Gedeck) die Beziehung zu ihrem Mann wiederbeleben will. Was zuerst nach mehreren, voneinander unabhängige Geschichten aussieht, entwickelt sich im Laufe des Films zu einem Zusammenspiel aus miteinander verbundenen Familien- und Freundschaftsbeziehungen.

„Wunderschön“ hat sich mit seinen multiplen Handlungssträngen viel vorgenommen. Es verwundert also nicht, dass einigen Charakteren von Zeit zu Zeit mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als anderen. Das bedeutet auch, dass manche Handlungsstränge mehr Zeit haben, sich zu entwickeln, während andere Abschnitte der Geschichte schnell zum Punkt kommen müssen. Es wirkt also insgesamt etwas überladen und wahrscheinlich hätte der Film davon profitiert, zumindest eine Plotline zu eliminieren. Andererseits ist es schön, zu sehen, dass wirklich jede Generation von Frau zu Wort kommen darf.

Dass der Film aktuelle Themen anspricht, steht außer Frage. Lobenswert ist allerdings, dass Herfurth es geschafft hat, wirklich viele wichtige Aspekte der Themen „Body Image“ und Gleichberechtigung in die Geschichte einzubauen und dem Film eine Message zu verleihen, die weder anklagend noch belehrend ist. Doch obwohl „Wunderschön“ ganz offensichtlich Gesellschaftskritik übt, ist er primär eine Wohlfühlkomödie. Während der „Wohlfühl“-Aspekt klar hervorsticht und den Film insgesamt sehr sympathisch macht, ist es oft der „Komödien“-Teil, der ein wenig hinkt. Ein Problemfaktor sind hier manchmal die Dialoge, die sehr spritzig und dynamisch klingen sollen, es aber nicht immer sind. Der Soundtrack verfehlt ebenfalls seine Wirkung. Die Auswahl an Charthits, die alle paar Minuten erklingt, lässt den Film zwar modern wirken, lenkt nach einer Weile aber eher von der Handlung ab.

Fazit

Insgesamt ist „Wunderschön“ ein technisch und inhaltlich solide gestalteter Film. Die schauspielerische Leistung des Ensembles ist überwiegend überzeugend und die Geschichte an sich hat etwas sehr Liebenswertes an sich. Dass der Film sich gegen Ende doch einiger altbekannter Klischees bedient und die Geschichten einiger Charaktere zu einem schnellen, aber immer glücklichen Ende bringt, wirkt zwar ein wenig einfallslos, trägt aber andererseits auch wieder zum Wohlfühlfaktor des Films bei. Gut möglich, dass es schlicht und einfach Herfurths Ziel war, dass sich das Publikum wohlfühlt. Falls dem so sein sollte, hat sie es jedenfalls erreicht. Seit 3.2. im Kino.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

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Bilder: (c) Warner Bros.