Matt Reeves hat beschlossen, sein eigenes “Inception” zu drehen. Im neuen Batman geht es wieder einmal darum, dass Bruce Wayne plötzlich beschließt, sich mit einer schwarze Rüstung zu verkleiden und Verbrecher zu erschrecken. Doch keiner weiß etwas von ihm, nicht einmal die Gangster. Sie glauben immer noch nicht an die Existenz des mystischen Geistes, der eine Maske trägt. Die Reaktion der Polizisten auf den Helden ist ein wenig anders, sie sind vorsichtiger geworden, aber einige scheuen sich nicht, ihn als einen verkleideten Clown zu bezeichnen. Batman kümmert sich jedoch nicht darum, denn er hat immer noch seinen treuen Assistenten (Jim Gordon), und der unersetzliche Alfred dient weiterhin dem letzten Vertreter der Waynes.

Man kann über Todd Phillips‘ „Joker“ sagen, was man will, aber er hat etwas sehr Wichtiges für Superheldenfilme geleistet – er hat die Grenze zwischen attraktiven Blockbustern und Kunstkino verwischt. Matt Reeves‘ „Batman“ ist denselben Weg gegangen. Der neue Ordnungshüter  im schwarzen Mantel ist dabei, die Bösewichte von Gothams Bürgersteigen zu fegen wie Scorseses „Taxi Driver“, das Timing und die Detektivgeschichte ähneln Finchers „Zodiac“, und die Atmosphäre erinnert stark an „Casablanca“, allerdings mit Explosionen und einer Maskerade. Ein solch feuriger Cocktail bildet den Auftakt zum Neustart des DC-Universums und schlägt eine neue Seite in der Geschichte der Comicverfilmung auf. Die quälend lange Laufzeit (die nach Scorseses Maßstäben als erster Akt betrachtet werden könnte) wird durch die verworrene Detektivgeschichte gut gerechtfertigt: nach allen Regeln des Noir-Kinos – niemand eilt irgendwo hin. Das Voice-over, das nach den altmodischen Gesetzen des goldenen Hollywoods eingefügt wurde, sorgt für Sentimentalität, aber nicht so blamierend wie bei Snyder, sondern eher als ein Symbol der Nostalgie.

Die Behauptung, dass Pattinson der bisher beste Batman auf der Leinwand sei, mag vielen den Schlaf rauben, aber es ist dennoch eine Behauptung, die man akzeptieren sollte, denn er hat die Aufgabe nicht nur erfüllt, sondern die Erwartungen sogar übertroffen. Der Schauspieler hat versprochen, dass er, wenn der Film scheitert, in der Pornoindustrie weiterarbeiten wird, aber anscheinend wird daraus nichts. Reeves‘ Bruce Wayne ist ein traumatisierter Junge, der versucht, alles wie sein verstorbener Vater zu machen. Im Vertrauen auf seine Unfehlbarkeit setzt Bruce alles daran, die Korruption und die Gauner der Stadt zu bekämpfen, doch die Kriminalitätsrate steigt weiter an. Pattinsons Bruce Wayne ist ein verletzlicher, hinterfragender, lebendiger junger Mann, der etwas von der für die Figur üblichen überbordenden Männlichkeit herausnimmt. Es ist auch der erste Batman, der das dunkle Make-up um seine Augen nicht versteckt. Bei seinen Vorgängern verschwand es seltsamerweise immer mit dem Abnehmen der Maske. 

Colin Farrell spielt buchstäblich den Robert De Niro als Pinguin. Nur Matt Reeves weiß, warum es Stunden dauerte, den irischen Schauspieler in sein amerikanisches Gegenstück mit Brooklyn-Akzent zu verwandeln, obwohl die ganze Kostümparty erfolgreich war. Der Pinguin ist ein charismatischer Gangster, der sich perfekt in die Noir-Geschichte einfügt.

Die Besetzung des Films ist insgesamt sehr gelungen, denn die gleiche Zoe Kravitz, die zuvor Catwoman in „Lego: Batman“ verkörperte, erwies sich als unverzichtbar und zieht die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich. Catwoman taucht in dem Film gar nicht so kurz auf, wie man zunächst denken könnte. Sie wird zu einer wichtigen Verbündeten von Batman, aber auch nicht sofort und erst nach ein paar Fehltritten. Was Paul Dano betrifft, so scheint es sein Schicksal zu sein, die irrsten Verrückten zu spielen. Es ist eine überzeugende Kulisse, in der wir erkennen, dass er das Waisenkind im Schloss hasste, das alle bemitleideten, obwohl die anderen elternlosen Kinder in verlassenen Gebäuden verrotteten. Während des gesamten Films stiftet er Batman so gekonnt zu den Handlungen an, die er brauchte. Das Charisma des Hauptbösewichts ist bemerkenswert, und Paul Dano zeigt, wie gefährlich er wirken kann. Wie in den Comics ist der Bösewicht Batman immer ein paar Schritte voraus.

Aber wie siehts mit den anderen kultigen bösen Kerlen des Universums aus?

Es gibt Gerüchte über andere DC-Bösewichte, die im Internet auftauchen. The Direct und We Got This Covered schrieben 2020, dass Reeves große Pläne für den Joker hat. Gerüchten zufolge wird er in einem möglichen zweiten und dritten Film als Actionheld auftreten.

Möglicherweise werden in künftigen Verfilmungen auch ikonische Bösewichte wie Two-Face (Harvey Dent) auftreten, der ehemalige Staatsanwalt von Gotham City. Oder die bereits beliebte Harley Quinn, die verrückte Antagonistin von Batman, die vor allem als Freundin und Partnerin des Jokers bekannt ist und seit kurzem eine Solokarriere als Verbrecherin macht. Die Liste der ikonischen Bösewichte in Gotham ist die umfangreichste und lebendigste in allen Comic-Universen, so dass wir uns auf interessante Interpretationen freuen können, sowohl der Charaktere, die wir bereits weithin bekannt sind, als auch derjenigen, die bisher wenig beachtet wurden.

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