Es ist so weit. Nach mehreren Gastauftritten in diversen anderen Kapiteln des MCU bekommt Benedict Cumberbatchs Doctor Strange nach sechs Jahren seine erste richtige Fortsetzung. Mit dabei im Schlepptau: Sam Raimi, der ja vor allem durch seine frühen Horrorfilme und die ersten Spider-Man Filme bekannt sein dürfte. Das Ergebnis: “a mixed bag”, wie es so schön heißt.

von Christoph Brodnjak

Wie man zu diesem Film im Endeffekt steht, hängt im Grunde vom eigenen Zugang ab. Sieht man ihn als direkte Fortsetzung des ersten Films? Als weiteres Kapitel des MCU? Als einen Sam Raimi Film? Oder gar als den “ersten Horrorfilm des MCU”, wie es zumindest zu Beginn im Marketing hieß? Aber der Reihe nach.

Ohne auf den Plot zu sehr einzugehen, da das gerade bei diesen Filmen oftmals eine heikle Geschichte ist, zu viel zu erzählen, ist der Titel quasi Programm: Portale tun sich auf, Monster werden bekämpft, fremde Dimensionen werden bereist. Das Superhelden-Publikum wurde an derlei Konzepte ja mittlerweile schon gewöhnt, denkt man beispielsweise an „Spider-Man: Into the Spiderverse“ (2018) oder eben erst letztens „Spider-Man: No Way Home“ (2021). Wieder mit dabei sind Benedict Wong, Rachel McAdams und Elizabeth Olson. Den Neuzugang spielt Xochitl Gomez als “America Chavez”. Ein paar andere bekannte Gesichter tauchen auch hier und da auf, aber da lässt man sich doch lieber überraschen.

Zurück zur zuvor aufgeworfenen Frage: Es handelt sich bei „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ ganz klar um ein weiteres Kapitel innerhalb des MCUs. Des einen Freud ist des anderen Leid. Denn gerade in der ersten halben Stunde, bis der Plot so wirklich ins Rollen kommt, fühlt man sich doch etwas allein auf weiter Flur, wenn man nicht jeden einzelnen Eintrag der letzten Jahre erst kürzlich gesehen hat. Ein direkter Sprung vom ersten Doctor Strange zu dessen Fortsetzung wäre vermutlich völlig unverständlich. Aber das sollte eigentlich mittlerweile auch jedem klar sein, wie das MCU funktioniert. Ein bisschen schade ist es schon, wenn man vielleicht nur Fan dieses einzelnen Charakters ist. Aber sobald die eigentliche Geschichte so wirklich los geht, stört dieser Aspekt durchaus weniger und man kann sich wieder auf das Spektakel konzentrieren.

Und unterhaltsam ist dieses Spektakel allemal. Zwar sind die Kaleidoskop-artigen Bilder, die den ersten Film beherrschten, kaum mehr vertreten, dennoch sticht „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ aus dem typischen Marvel Look etwas hervor. Was sicher zum Teil dem Regisseur Sam Raimi zu verdanken ist, der ist ja gerade für seine Kameraführung bekannt. Allzu viel kreative Freiheit darf man sich natürlich nicht erwarten, die Zügel hält immer noch Kevin Feige fest in der Hand. Fans der originalen Spiderman-Filme dürfen sich aber trotzdem auf etwas mehr Dynamik in der Kameraführung und den Übergängen einstellen. Gerade gegen Ende scheinen immer mehr Fingerabdrücke des Regisseurs durch. Es bleibt aber natürlich immer noch ein MCU Film, mit seiner Mischung aus Action und Schmäh, mit sehr vereinzelten Ansätzen von Horror-ähnlichen Momenten.

Neben der Ästhetik eröffnet aber vor allem das Konzept der Vielzahl an Dimensionen viele kreative und spielerische Möglichkeiten, mit bekannten und neuen Charakteren und Situationen zu spielen. Das wird auch den ganzen Film über auf befriedigende Weise ausgenutzt. Wobei manche Sequenzen mehr gelingen als andere: Viele Elemente sind für sich genommen sehr unterhaltsam, fügen sich aber schlussendlich zu einem eher unebenen Ganzen zusammen.

Fazit

Obwohl viele Teile durchaus unterhalten und Spaß machen, tritt man „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ ein bisschen mit gemischten Gefühlen entgegen. Für Fans von Sam Raimi vielleicht etwas zu zahm und leicht verwirrend für jene, die nicht so tief in der MCU Materie stecken. Es ist ein ständiges Hin-und-Her zwischen genialen und eher grenzwertigen Momenten. Spaß liefert Doctor Strange aber allemal. Fans des typischen MCU-Stils werden diesen Film sicherlich mögen, die anderen vermutlich eben nicht. Gegner des MCU wird er kaum bekehren, aber auch niemanden vergraulen. Seit 5.5. im Kino.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(60/100)

Bilder: ©Marvel Studios 2022.