Die Fußball-WM steht vor der Tür, für die österreichischen Fans gibt es jedoch leider wenig zum Mitfiebern. Das österreichische Nationalteam konnte sich nicht für den großen Wettkampf in Katar qualifizieren – keine große Überraschung, wenn man die Leistungen der Mannschaft bei der letzten Quali kennt.

Zur Aufmunterung wollen wir uns allerdings einem kleinen, filmischen Highlight widmen, das weniger Aufmerksamkeit erlangt hat, als es eigentlich verdient hätte. Es geht um die Mockumentary „Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister“. Die Satire-Doku erschien im Rahmen der Fußball-EM 2008, die in Österreich und der Schweiz ausgetragen wurde. Wer Lust hat, über eine fiktive Erfolgsgeschichte zu schmunzeln und die Prominenz des österreichischen Fußballs zu sehen, der darf den Film auf keinen Fall verpassen.

Österreich gewinnt die EM – zumindest im Film!

Im Vergleich zu anderen Nationalteams ist die österreichische Mannschaft ein Underdog. Zwar findet man heute Talente von Weltklasse wie David Alaba und Marko Arnautovic im Team, zur EM 2008 sah die Aufstellung allerdings noch ganz anders aus. Damals durfte die Mannschaft als Gastgeberland die Qualifikation überspringen und sich direkt mit den ganz Großen messen. Aus dieser Prämisse entstand die Idee für eine lustige Mockumentary, die bis heute relevant geblieben ist. Sie beschäftigt sich mit der Frage: Was wäre passiert, wenn Österreich ganz überraschend die EM gewonnen hätte? Dazu wurde ein fiktiver Spieler vorgestellt, der die entscheidenden Tore für das Team schießen sollte: der Stürmer Peter Hruska vom FC Bayern München.

Österreichische Prominenz am Bildschirm

Die Regie zum Film führte ein absolutes Ass der österreichischen Filmlandschaft, nämlich David Schalko, der damals bereits mit „Der Aufschneider“ oder „Braunschlag“ Erfolge feiern konnte. Dabei steht seine skurrile Art des Geschichtenerzählens immer im Vordergrund. Kürzlich arbeitete Schalko an einem Projekt über die Ibiza-Affäre mit Jan Böhmermann (inzwischen veröffentlicht). Das Drehbuch zum Film stammt aus der Feder von Fred Schreiber, der für seine Arbeit bei der „Sendung ohne Namen“ und „Willkommen Österreich“ bekannt ist. Für die Mockumentary wurden teilweise reale Szenen aus Interviews und Beiträgen eingespielt, allerdings auch viele Ausschnitte nachgestellt. Mitgewirkt haben dabei verschiedenste Menschen aus der österreichischen (Fußball-)Prominenz, darunter Politiker Josef Pröll, der ehemalige Teamchef Josef Hickersberger und der ehemalige Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes Friedrich Stickler. Natürlich waren auch Sportkommentatoren und -analytiker wie Herbert Prohaska und Rainer Pariasek mit von der Partie. Mit einem Soundtrack von Heinz aus Wien wird die lustige Satire-Doku perfekt abgerundet. „Das Wunder von Wien“ wurde 2009 mit einer Romy für beste Dokumentation ausgezeichnet und kann auf YouTube kostenlos gestreamt werden und ist auch auf Flimmit verfügbar.

Überraschungssiege sorgen für Begeisterung

„Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister“ kam aus verschiedenen Gründen gut beim Publikum an. Zum einen wurde die Prämisse des Films als besonders kurios empfunden – schließlich war das österreichische Team damals nicht gerade eines der besten in Europa – zum anderen lieben die Zuseher einen Underdog, der sich beweisen kann. Dieses Phänomen kann auch immer wieder im realen Sport beobachtet werden. Während der Film von einer Situation ausgeht, die so niemals stattgefunden hat, gibt es doch immer wieder große Überraschungssiege in der Fußballgeschichte, die niemand so erwartet hätte. Genau diese Matches machen den Sport so spannend, denn sie beweisen, dass nichts sicher ist – nicht einmal der Sieg eines großen Favoriten. So gewann z. B. das dänische Nationalteam die Europameisterschaft von 1992 oder Leicester City die englische Premier League in der Saison 2015/16. Beide wurden damals als absolute Außenseiter gesehen. Erfolgreiche Teams scheinen sich immer wieder auf ihren Erfolgen auszuruhen und nehmen damit dem Wettkampf die Spannung. Dies kann z. B. derzeit in der deutschen Bundesliga beobachtet werden. Der FC Bayern München hat in den letzten 10 Jahren jede einzelne Saison für sich entscheiden können. Mittlerweile langweilen sich dadurch viele der Fans bereits, denn ein unbesiegbarer Gegner lässt wenig Raum für Überraschungen.

„Der Film Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister“ beschäftigt sich mit einer spannenden Frage: Was passiert mit einem Land, wenn es ganz überraschend einen international verfolgten Wettkampf wie die Fußball-EM gewinnt? Dabei ist eine Mockumentary entstanden, in der bekannte Stars der Fußballszene so tun, als hätte sich die österreichische Nationalmannschaft bis an die Spitze gekämpft. Zahlreiche Lacher sind dabei garantiert.

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