Als hätte die Welt keine anderen Probleme: Seit Tagen hält eine etwas absurd anmutende Debatte Deutschland (und in gewissem Ausmaß auch Österreich und die Schweiz) in Atem – darf man Winnetou-Filme und -Bücher weiter zeigen, verkaufen, ansehen und lesen?

Entbrannt war die Debatte angesichts einer Winnetou-Kinderbuch-Veröffentlichung im Ravensburger Verlag (gemeinsam mit einem neuen Kinderfilm im Kino). Der Vorwurf: Die Geschichten um den von Karl May geschaffenen Helden wären nicht mehr zeitgemäß, es handle sich um „kulturelle Aneignung“ und Rassismus. Ravensburger machte einen Rückzieher und will das Buch (und andere Winnetou-Bücher) nun doch nicht veröffentlichen, Teile der Öffentlichkeit diskutieren seit Tagen, wie mit den Werken nun umzugehen sei.

Für Erhitzung der Debatte sorgte die BILD-Meldung, dass die ARD künftig keine Winnetou-Filme mehr im Programm zeigen wolle. Das ist faktisch zwar richtig, seitens des Senders wies man allerdings darauf hin, dass dies andere Gründe habe: Man werde in Zukunft keine Winnetou-Filme mehr ausstrahlen. Die Lizenzen dafür seien aber sowieso schon im Jahr 2020 ausgelaufen und werden nun auch nicht mehr verlängert. Andere Sender wie ZDF oder RTL wollen die Filme aber weiterhin ausstrahlen.

Ravensburger bleibt mit seiner Absicht, Karl May – Bücher in Zukunft nicht mehr veröffentlichen zu wollen, alleine: Andere Verleihe halten daran fest. Eckhard Friedrich auf der Zinne, der Chef des Bildschriftenverlags, sagt dazu: „Diese Anti-Bewegung ist absurd, haben doch gerade die Romane von Karl May dazu geführt, dass man sich in Deutschland intensiv mit der Kultur der indigenen Bevölkerung (Indianer) beschäftigt hat.“

Christian Feest, Ethnologe und führender Experte auf dem Gebiet der Indigenen Nordamerikas, meint zu der Debatte übrigens: „Ich halte die Reaktion von Ravensburger für absurd“. (ck)

(Anm.: In einer vorigen Version des Artikels war fälschlicherweise behauptet worden, dass die ARD die Winnetou-Filme in Folge der Ravensburger-Debatte aus dem Programm nimmt. Das ist nicht korrekt.)

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Das Problem mit den „woken“ Filmen

Bildquelle: (c) Lothar Spurzem, Verwendung unter Creative Commons-Lizenz; auf dem Bild: Szene mit Pierre Brice als Winnetou in Elspe