Clowns sind seltsam. Sollten sie mit ihrer tollpatschigen Art doch eigentlich Freude in die Leben von Jung und Alt bringen, sind sie mittlerweile ebenso ein nicht wegzudenkender Faktor im Horrorgenre. Die Mischung aus fröhlich buntem Auftreten und zumeist wortlosen Grimassen ängstigt viele, Filme und Serien machen sich dies regelmäßig zu Nutze.

von Cliff Lina

Neben bekannteren Größen wie Stitches oder Pennywise hat sich seit 2013 ein neuer Vertreter in die Herzen und Albträume seiner Fans geschlichen, respektive gemordet. Seinen Anfang fand Art in „All Hallow’s Eve“, vier Jahre später gelangte er mit „Terrifier“ zu weitreichender Bekanntheit. Kein Wunder, stellt er seine Kollegen in puncto Brutalität doch nochmal in den Schatten und feiert nun, fünf weitere Jahre später, seine umjubelte Auferstehung. Berichte über kotzende Kinobesucher lassen Böses erahnen, sind sie zumeist ein sicheres Indiz für Mittelmäßigkeit. Doch „Terrifier 2“ ist anders. Der Reihe nach.

Inhaltich knüpft die Fortsetzung quasi direkt an Teil 1 an, setzt jedoch ein Jahr später ein. Offiziell für tot befunden, konnte man 2017 schon sehen, dass Art seinen Selbstmordversuch überlebt hat und bereit ist seinen body count weiter in die Höhe zu treiben. Wo viele seine erneute Präsenz als blanke Nachahmung abtun, sind sich Sienna und Jonathan schnell sicher, dass auch am diesjährigen Halloween-Abend Gefahr vom schweigsamen Komiker ausgeht, der sich ungehindert auf eine neuerliche Schlachtplatte vorbereiten kann. Relativ genretypisch erleben wir also zwei Teenager, denen kein Glauben geschenkt wird – bis das Unheil seinen Lauf nimmt und Art nicht nur Luftküsse, sondern auch allerhand Körperteile durch die Gegend fliegen lässt.

Der Grad der Gewalt ist dabei immens, soviel sei an dieser Stelle gesagt. Sicherlich tragen die praktischen und oft gewollt überzeichneten Effekte dazu bei, dass Tötungen und Verstümmelungen jeglicher Art so absurd brutal aussehen, dass es schon fast wieder komödiantisch rüberkommt, aber „Terrifier 2“ macht keine Gefangenen und lotet die Grenzen des Erträglichen grinsend aus. Wem schon nach vielen Süßigkeiten übel wird, darf durchaus Respekt vor diversen Szenen haben. Verglichen mit dem ersten Teil schraubt Regisseur Damien Leone aber nicht nur an der Explizität, sondern generell an der Qualität seines Gesamtkunstwerks. Schauspielerisch rufen Lauren LaVera in der Rolle der toughen Highschool Schönheit und Elliott Fullam als verängstigter Bruder ordentliche Leistungen ab, die man so nicht zwingend erwarten konnte. Angesichts der sehr ausladenden Laufzeit eine willkommene Kompensation, auch wenn der Fokus natürlich und unmissverständlich auf Gore, Spaß und Grenzüberschreitung liegt. Stilistisch bewegt sich der Film immer wieder zwischen Nostalgie und Moderne, verbunden durch gewalttätige Eskalation, die mit ähnlichen Werken den Boden aufwischt.

Was „Terrifier 2“, beziehungsweise die Figur des Art besonders eindrucksvoll macht, ist der oft unvermittelte Umschwung in seinem Verhalten. Wo andere Slasher einen durchweg bösen Charakter ohne jegliche Divergenz kreieren – man denke an Michael Myers oder Jason Vorhees – kann Art der Clown zumindest Gefühlsregungen zeigen, oder vorgaukeln. Damit tendiert er eher in die Richtung eines Freddy Krüger, der ebenfalls einen Hauch Sarkasmus und schwarzen Humor in sich trägt. Auch Art macht sich bewusst über seine Opfer lustig, wühlt schelmisch lächelnd in den Eingeweiden seiner Gegenüber und ergänzt das nun um ihn aufgebaute Franchise um eine bizarre Ebene, die das Gesehene auflockert und gleichzeitig noch wahnwiziger werden lässt. Ob gewollt oder nicht, irgendwie wirkt der Protagonist dabei wie ein verzerrtes Abbild unserer Gesellschaft, die oftmals auch nur stupide in die Leere lächelt um den Schein zu wahren, in Wirklichkeit jedoch ausrasten möchte. Ein im positiven Sinne verrückter Film, bei dem abzuwarten bleibt, ob der bereits angekündigte Teil 3 nochmal einen Schritt nach vorne machen kann.

Fazit

Alles andere als zum kotzen: das Marketing von „Terrifier 2“ schrammt nur haarscharf an der Lächerlichkeit vorbei, der Film an sich ist aber tatsächlich die logische und qualitativ verbesserte Entwicklung des Vorgängers. Insbesondere Splatter Freunde werden reihenweise feuchte Höschen bekommen, doch auch insgesamt beweist Damien Leone ein Gespür für unterhaltsame Horrorkunst. Eine halbe Stunde weniger Laufzeit hätte aber keinen umgebracht.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

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