Einige Tage, nachdem das Drama „Ich. bin. so glücklich.“ bei Netflix erschien, hagelte es im Netz Kritik. Der Grund: Eine fehlende Triggerwarnung. Der Trailer zum Film ließ zwar zunächst darauf schließen, dass es hier um einen Psychothriller und eine Hauptfigur mit einer traumatischen Vergangenheit handelt, worum es sich bei ebenjenem Trauma handelt, wurde allerdings ausgeklammert. Einzig und allein ein kleiner Hinweis am Bildschirmrand zu Beginn des Filmes weist darauf hin, dass „Ich. bin. so glücklich.“ sich mit Themen wie sexueller Gewalt und Bedrohung befasst. Szenen, die mehrere Vergewaltigungen wie auch ein School Shooting zeigen, trafen einen Teil des Publikums somit unvorbereitet. Einige Netflix-Nutzerinnen und Nutzer fordern nun eine auffälligere, explizite Triggerwarnung. Und eine solche sei auch hier ausgesprochen.

von Lena Wasserburger

„Ich. bin. so. glücklich.“ ist kein Thriller, wie er im Buche steht, wenn der Film überhaupt als Thriller bezeichnet werden kann. Der Trailer war diesbezüglich tatsächlich ein wenig irreführend. Es handelt sich bei diesem Film vielmehr um ein Drama. Die Geschichte basiert auf einem Roman namens „Luckiest Girl Alive“ von Jessica Knoll, die auch das Drehbuch für den Film schrieb. Mila Kunis spielt Ani FaNelli, eine Frau, die scheinbar ein perfektes Leben führt. Sie trägt teure Kleidung, hat einen guten Job, den nächsten Karrieresprung bereits in Aussicht und heiratet in einigen Wochen ihren gut aussehenden, reichen Verlobten. Doch dann wird Ani von ihrer Vergangenheit eingeholt und ein schreckliches Geheimnis, das sie seit ihrer Schulzeit verfolgt, droht, Anis perfekte Welt zum Einsturz zu bringen.

„Ich. bin. so. glücklich.“ ist nicht subtil. Der Film hat eine Message und scheut sich nicht eine In-your-face-Strategie anzuwenden, um diese zu vermitteln. Ebendiese Strategie dürfte einigen Personen sauer aufstoßen, handelt es sich hier doch normalerweise um Themen, bei denen äußerste Vorsicht geboten ist. Eine zusätzliche Triggerwarnung wäre sicher angebracht, um zu verhindern, dass Menschen, die Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht haben, überrumpelt oder gar an ihr Trauma erinnert werden. Dies ist allerdings keine Kritik am Film selbst, der eine brutale Realität auch als ebensolche darstellt und nicht durch subtile Andeutungen und Metaphern versteckt. Es soll hier nichts beschönigt werden.

Umso verwirrender ist deswegen der Ton des Films. Mal erinnert der Film eher an eine schwarze Komödie, dann wieder an ein deprimierendes Drama. Die Stimmungsschwankungen sollen hier wohl Anis verschiedene Bewältigungsmechanismen im Umgang mit ihrem Trauma darstellen, verhindern allerdings, dass sich „Ich. bin. so. glücklich.“ wie ein zusammenhängender Film anfühlt. Die Geschichte wird in zwei unterschiedlichen Timelines erzählt und leider wird keiner der beiden genug Zeit gewidmet. Der Film möchte eine tiefe Auseinandersetzung mit PTSD und Trauma sein, schafft es dabei allerdings nicht über Oberflächenniveau hinaus. Es bräuchte mehr Zeit, um den Hauptcharakter kennenzulernen, um ihre Erfahrungen und Entwicklung wirklich zu begreifen. Es wäre vielleicht sinnvoller gewesen, die Story in einer Miniserie umzusetzen. So kratzt der Film nur an seinem möglichen Potential, anstatt es tatsächlich zu nutzen.

Technisch gesehen ist „Ich. bin. so. glücklich.“ nicht herausragend. Die Einstellungen, Farbwahl und Bildzusammenstellung erinnern an jede Netflix-RomCom der vergangenen Jahre. Ausgenommen davon sind jene Szenen, die Ani in ihrer Schulzeit zeigen, denen ein gräulicher Filter verpasst wurde. Gewollt oder nicht, diese technischen Entscheidungen reißen doch immer wieder aus der Geschichte heraus. Ähnliches gilt in punkto Kameraführung. Ab und zu ist das Bild nämlich schon fast unangenehm verwackelt, was wiederum von der eigentlichen Szene ablenkt. Mila Kunis‘ Performance als Ani hat Höhen und Tiefen, ist aber über weite Strecken durchaus überzeugend.

Fazit

Es bleibt mit „Ich. bin. so. glücklich.“ also ein Film, der vieles versucht, sich aber ein wenig übernimmt und eine wichtige Story in ein Drama verpackt, das dem eigentlichen Gewicht der Handlung nicht gerecht wird. Das Format einer Miniserie hätte vermutlich mehr Platz geboten, um die Geschichte überzeugend zu erzählen.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(65/100)

Bilder: (c) Netflix