Ab 18.1. als VOD-Kauftitel, ab 25.1. auch als VOD-Leihtitel verfügbar
Die britische Filmbranche ist für schräge Genrekomödien und interessante Indie-Produktionen bekannt und vor allem im Horrorgenre entstanden dort schon geniale Parodien wie Edgar Wrights Cornetto-Trilogie („Shaun oft he Dead“, „Hot Fuzz“, „The Worlds End“). Die diese Woche als digitaler Heimkino-Release erscheinende Mockumentary „When the screaming starts“ von Conor Borou lockt durch ähnlich spannende Ideen, versagt aber leider völlig bei deren Umsetzung.
von Cedric Baumann
Mockumentary-Fans werden sich dabei von der Zusammenfassung noch mehr als angesprochen fühlen: Der erfolglose Dokumentarfilmer Norman meint im aufstrebenden Serienkiller Aidan sein perfektes Subjekt gefunden zu haben und begleitet diesen auf dem Weg zu seinem ersten Mord. Auf diesem begegnen wir unter anderem seiner voyeuristischen Freundin und diversen sadistischen Mitgliedern einer neu gegründeten Sekte.
Anfangs funktioniert diese Mischung in „When the screaming starts“ sogar noch einigermaßen und der peinlich berührte Wannabe-Killer Aidan komplementiert den trockenen Humor des Filmemachers Norman ideal. Spätestens ab der Einführung seiner eigenen Manson-Family wird allerdings klar, dass keiner der Charaktere je mehr Tiefe zu bieten haben wird, als der erste Eindruck von ihnen vermuten lässt. Und sich auch der Humor auf stumpfe Vorurteile beschränkt: So beispielsweise der Yogi Masoud, der nur zufällig Teil der Family wird, da er kein Englisch versteht, ein Konflikt aus dem nie mehr gemacht wird als billige Gags über Kommunikationsschwierigkeiten.
Auch der Gangster Jack oder die „gruseligen“ Zwillinge Veronika und Viktoria entkommen nie ihrer faden Ein-Dimensionalität und so geht „When the screaming starts“ schon nach dem ersten Akt die Luft aus. Auch ein halbherziger Plot-Twist im letzten Teil kann die zum Stilstand gekommene Handlung leider nicht mehr in Fahrt bringen und was eine nette Idee für einen Film hätte seien können, erweckt nur brutale Gleichgültigkeit. Dazu kommt die absichtlich schlechte Kameraführung des Mockumentary-Stils und die (wahrscheinlich) ebenso absichtlich schlechte Darstellung der sozial unfähigen Figuren.
Vor allem das verschwendete Potential ist es, was bei „When the screaming starts“ besonders verärgert. So hat das Setting in einer Untergrund-Gesellschaft mit blutigen Ritualen und einem verwirrten Dokumentarfilmer ja bereits in Taika Waititis genialem „What we do in the Shadows“ (2014) überzeugt. Eine Übersetzung von Vampiren auf Serienmörder schien nicht besonders schwer zu sein; ein Anschein, der mehr als trügt.
Fazit:
Es ist letztendlich die Zielgruppe der Horror- oder Serienkiller-Fans, die sich hier besonders schnell langweilen wird: Genreklischees neu zu verpacken und uninteressant zu erzählen, dafür gibt es leider schon viele Negativbeispiele.
Wer allerdings noch keine Berührung mit dem Mockumentary-Format gehabt haben sollte oder wer selbst die langatmigsten Horror-Komödien genießt, solange etwas Blut gezeigt wird, kommt hier eventuell doch auf seine Kosten.
Bewertung:
(34/100)
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Bild: (c) Tiberius Film
