In „Club Zero“ zeichnet Regisseurin Jessica Hausner („Amour Four“, „Lourdes“) ein erschreckendes Bild von Manipulation und Indoktrination. Ähnlich wie beim absoluten Klassiker dieses Themenkomplexes „Die Welle“ sind Hausners Subjekte leichtgläubige SchülerInnen einer Eliteschule, die hier im Zeichen vom Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und Fitness zu extremem Verhalten gebracht werden können.
von Cedric Baumann
Als Manipulatorin und Sekten-Anführerin fungiert in „Club Zero“ Ms. Novak (Mia Wasikowska, „Stoker“), die als Ernährungsberaterin an besagte Eliteschule kommt und über Monate hinweg ihren kleinen Kreis an SchülerInnen sowie die Schulleiterin über geschickte Taktiken zu „bewusstem Essen“ anleitet. Dieses bewusste Essen stellt sich bald als Anleitung zur Magersucht heraus, allerdings erst, als es für die meisten SchülerInnen bereits zu spät ist.
Besonders gekonnt beleuchtet Hausner hierbei die Motivationen der einzelnen SchülerInnen, die alle aus unterschiedlichen Gründen Einstieg in die „Sekte“ finden, und unterstreicht deren Indoktrination mit einem Mantra-artigen Soundtrack, der fast schon hypnotisierend wirkt. Außerdem brilliert Mia Wasikowska in ihrer Rolle als kühle und berechnende Lehrerin und stellt diese gerade menschlich genug dar, um anfangs selbst die Zuschauenden von ihren vermeintlich guten Intentionen zu überzeugen. Positiv hervorzuheben sind Luke Barker (Fred) und Samuel D. Anderson (Ben), zwei Schauspieler ohne vorherige Filmerfahrung, die es hier schaffen, ein sehr emotionales Thema auf bewegende Art und Weise zu spielen.
„Club Zero“ bewegt sich stets auf einer Linie zwischen psychologischem Thriller und schwarzer Komödie und erinnert dabei in seiner Gesellschaftskritik schon fast an „Triangle of Sadness“, besonders in den Szenen, in denen die Eltern der Privat-SchülerInnen sich in ihren Villen über Konsumverhalten und Umweltbewusstsein auslassen.
Woran „Club Zero“ letztendlich scheitert, ist die Konsequenzen aus der geschickt eingefädelten Manipulation zu ziehen. Wie beim schon erwähnten Vorbild „Die Welle“ spürt man im Laufe des Filmes eine starke Eskalation des Verhaltens, die nicht mehr aufzuhalten scheint. Anders als bei „Die Welle“ sind hier allerdings die Möglichkeiten für eine Entladung des Konfliktes beschränkt, handelt es sich bei „Club Zero“ immerhin nicht um eine Analogie für Faschismus, die in Gewalt ausartet, sondern um ein stilleres Leiden, dass nur im Körper stattfindet und nicht leicht darzustellen ist. Die Möglichkeit, noch drastischere Folgen der Magersucht darzustellen, bestand zwar, Hausner entschied sich hier aber für einen subtileren Ausgang ohne viel Schockfaktor, den „Club Zero“ aber durchaus vertragen hätte. So endet der Film leider überraschend antiklimaktisch und nichtssagend, eine große Enttäuschung angesichts des genialen Aufbaus, der mehr versprochen hat.
Fazit
„Club Zero“ startet mit einer faszinierenden Sicht auf die Entwicklung von toxischen Gruppendynamiken und erforscht, wie einfach eine Person in einer Machtposition vor allem Jüngere für ihre Zwecke manipulieren kann. Im Laufe des Filmes scheint diese Situation immer mehr zu eskalieren, wobei nie die Einzelschicksale außer Acht gelassen werden und einzelne Motivationen stets nachvollziehbar bleiben. Leider wird das Sprengpotential der etablierten Situationen nie ganz ausgeschöpft und „Club Zero“ endet eher stumpf, ohne viel Neues auszusagen. Kein Muss für LiebhaberInnen von psychologischen Dramen, aber dennoch zu empfehlen.
Wertung
(65/100)
„Club Zero“ ist seit 28.3. im Kino zu sehen (D).
Bild: © coop99
