Der Oktober wird von Freunden des Grusels, Schocks und Schauders gern als „ihr“ Monat gefeiert, was auch damit zu tun hat, dass das Lieblingsfest aller Horror-Fans, Halloween, den Monat beschließt. Regelmäßig zirkulieren in „Sozialen“ Medien Watch-Listen, unter Filmfans haben sich Horroktober-Challenges etabliert: Jeden Tag 1 Horrorfilm, 31 Tage lang, ohne Erbarmen.

Bereits in der Vergangenheit hat Film plus Kritik immer wieder versucht, mit Horror-Geheimtipps den Hunger der Horror-Gemeinte zu stillen, hier einige Links:

Schocktober-Special Teil 1 – von Menschenfressern und Melancholie

Schocktober-Special Teil 2 – von Heimsuchungen und Haien

Horror-Perlen – 25 Filmtipps zu Halloween

Das ist ja Horror! – 5 Geheimtipps, die jeder Horrorfan kennen sollte

Auch heuer sollen 5 kleine, aber feine Geheimtipps präsentiert werden, die sich abseits des Mainstream bewegen und trotzdem ein wohlig-schauriges Seherlebnis garantieren. Viel Spaß!

von Christian Klosz

Old Man

Ein alter Mann (Stephen Lang) wacht auf. Alleine, in einer abgelegenen Berghütte. Er müht sich aus dem Bett, schlurft durch sein dröges Dasein, das einzig diese heruntergekommene Hütte ist. Es klopft an der Tür. Davor steht ein junger Mann, der angibt, sich verirrt und die Hütte als heilbringenden Ort letzter Hoffnung ausgemacht zu haben. Der old man ist misstrauisch, mustert den jungen, fragt, prüft, provoziert, testet ihn. Dann kommen sie ins Gespräch über Leben, Liebe und Leid, das immer klarere Parallelen zwischen den beiden nach außen so unterschiedlichen Gestalten offenbart. – Dies ist die Ausgangslage des Psycho-Thrillers „Old Man“, produziert von der US-Genreschmiede RLJE. Was auf den ersten Blick wie ein minimalistischer Haunted House-Thriller aussieht, entpuppt sich schnell als ungewöhnliches und eigenständiges Kammerspiel, inklusive doppelten Boden und einer existentialistische (Meta-)Ebene ein, die den zum Ende hin verworrenen Plot auflöst. Verfügbar als VOD. -> Kritik

Birth/Rebirth

Mit dem Horror-Thriller „Birth/Rebirth“ legt Regisseurin Laura Moss ein moderndes Update des Frankenstein-Stoffes vor: Eine alleinerziehende Mutter (Judy Reyes, „Scrubs“) verliert ihre 6-jährige Tochter durch eine plötzliche Krankheit. Eine schrullige Pathologin (Marin Ireland), die in ihrer Freizeit Gott spielt und Tote durch medizinische Experimente wieder zum Leben erwecken will schnappt sich den Körper des Mädchens. Die Mutter kommt ihr auf die Spur, in der Hoffnung, ihre Tochter wiederzusehen hilft sie der Pathologin bei ihrem Vorhaben, und siehe da: Die Kleine kann wirklich wiederbelebt werden. Doch wie immer, wenn Menschen Gott spielen wollen, geraten die Dinge außer Kontrolle. – „Birth/Rebirth“ ist ein grundsolider Horror-Thriller, der bekannte Motive des Genres weiterdenkt und updatet. Der Film setzt nicht auf banale und primitive Schockeffekte, sondern bezieht seinen Horror aus dem beängstigenden Sujet: Wer anspruchsvollen Horror mag, ist hier genau richtig. Verfügbar als VOD. -> Kritik

(c) Focus Features

House of Darkness

Ein Mann (Justin Long) und eine Frau (Kate Bosworth) verlassen gemeinsam eine Bar, in der sie sich eben getroffen haben. Er bietet an, sie nach Hause zu bringen, das zwischenmenschliche Knistern wird lauter. Nach ihrer eindeutigen Einladung begleitet er sie in das Ehrfurcht gebietende Anwesen, das einer Burg gleicht und ihr Zuhause ist. Frivole Gespräche führen zu mehr Alkohol, zu Küssen und schließlich zu sexuellen Avancen ihrerseits, bis wie aus dem Nichts ihre Schwester (Gia Crovatin) auftaucht. Als ihm zum ersten Mal das Gefühl kommt, dass hier irgendetwas nicht stimmen könnte, ist es schon zu spät: Er ist bereits in der Höhle der Löwinnen gefangen. – Neil LaBute legt mit „House of Darkness“ einen gerissenen, ironischen Horror-Thriller vor, der auch als (post)moderne Dracula-Adaption durchgehen kann auf auf eine wohldosierte, gediegene Inszenierung und ansprechende Dialoge setzt. Der an sich recht simple Plot ist Vorwand für einen amüsanten, zynischen Blick auf Geschlechterrollen und -interaktionen. Ein nihilistischer Incel-Fiebertraum, der zwischen Faszination und Abscheu für das weibliche Geschlecht schwankt. Verfügbar als VOD. -> Kritik

house of darkness
(c) Plaion Pictures

Who invited them

Adam und Margo kaufen ein neues, teures Haus in einer Nobelgegend. Obwohl Margo nicht ganz wohl bei der Sache fühlt, plant Adam eine große Einweihungsparty, um mit Freunden und Kollegen zu feiern und die neuen Nachbarn kennenzulernen. Als ebensolche stellt sich ein unbekanntes Paar vor, das sich selbst eingeladen hat. Bei Gesprächen und einer Menge Alkohol wird der Abend auf die Nacht ausgedehnt, als der Rest der Gäste schon gegangen ist. Doch sind die Besucher wirklich die, als die sie sich ausgeben? – Wohlig-schaurige, kurzweilige Mischung aus Home-Invasion-Thriller und schwarzer Horrorkomödie mit Ryan Hansen, Melissa Tang, Timothy Granaderos und Perry Mattfeld in den Hauptrollen, produziert von Shudder. Verfügbar als VOD

The Cellar

Keira (Elisha Cuthbert, „24“) und Brian ziehen mit ihren Kindern in ein altes Herrenhaus. Als in der ersten Nacht im neuen Zuhause sind die Kinder allein sind und als der Strom ausfällt, geht die Tochter zum Sicherungskasten in den Keller. Dort verschwindet sie auf unerklärliche Weise. Kurz darauf entdecken die Eltern mysteriöse Formeln und Symbole im Haus, die sie mithilfe eines Mathematikers entziffern, in der Hoffnung damit ihre Tochter wiederzufinden. Doch dahinter verbirgt sich ein diabolisches Geheimnis, das mit dem Haus verbunden ist. – Erneut RLJE, diesmal in Ko-Produktion mit Shudder: Ein grundsolider Horrorfilm, eine gekonnte Mischung aus Supernatural Horror und Haunted House, der zwar das Rad nicht neu erfindet, aber altbekannte Genre-Formeln gekonnt adaptiert. Verfügbar auf Prime Video (Abo) und als VOD.

Titelbild: KI-generiert