Seit Monaten trommelt Netflix den Beginn der 2. Staffel ihrer erfolgreichsten Serie aller Zeiten: „Squid Game“, der globale Megaerfolg aus 2021, geht in die zweite Runde, der Staffelstart wurde auf den 26.12. gelegt und damit marketingtechnisch ideal platziert. Warum „Squid Game 2“ dennoch eine kleine Enttäuschung ist, verrät Euch unsere Serien-Kritik.

von Christian Klosz

„Squid Game“ Staffel 2: Serien-Kritik

Die 2. Staffel beginnt 3 Jahre nach dem Ende der ersten: Der damalige Sieger Gi-hun genießt sein schuldenfreies Leben aber nicht in vollen Zügen, sondern hat sich in einem abgelegenen Hotel verbarrikadiert, wo er den Verantwortlichen für die zynischen Spiele um Leben und Tod Rache geschworen hat. Seit 2 Jahren suchen er und vom ihm angeheuerte Helferlinge in den U-Bahnen der Stadt nach dem Trickspieler, der neue Teilnehmer ködert. Schließlich werden sie fündig, doch für Gi-hun ist die einzige Möglichkeit, in die Nähe der Squid Game-Insel – und damit der Urheber – zu kommen, erneut an seiner Spielerunde teilzunehmen. Getrieben von Wut, Hass und Idealismus nimmt er das Risiko in Kauf.

Spürbar ist in Staffel 2 von „Squid Game“, dass Schöpfer, Autor und Regisseur Hwang Dong-hyuk seine sozialkritische Serien-Saga an sich nur für eine Staffel und als Mini-Serie konzipiert hatte – und von Netflix quasi dazu gedrängt wurde, weitere Staffeln zu entwickeln. Dementsprechend wirkt manches zu „gezwungen“, wie eine Kopie und Wiederholung von bereits Gesehenem.

Auch der Schnitt lässt zu wünschen übrig, viele Handlungsstränge, gerade zu Beginn, ufern zu weit aus und verlieren sich dann im erzählerischen Nichts. Manche der 7 Episoden hätte man gut und gerne um 10 bis 15 Minuten kürzen können.

Nach recht zähem Anfang, der an die Geschichte aus Staffel 1 anknüpft, gibt es dann doch neue Spiele, an denen Gi-hun erneut als zentraler Spieler teilnimmt. Positiv hervorzuheben sind die neuen Charaktere, die Staffel 2 beleben: Insbesondere der manische Rapper „Thanos“, die „Mama“ und gute Seele der Gruppe Jang Geum-ja und die Transsexuelle Cho Hyun-ju, die früher als Mann gelebt hat und Soldat war, überzeugen. Die Spiele selbst weichen teils von den bereits bekannten ab, können aber nur bedingt überzeugen. Am Interessantesten sind die Dramen, die sich zwischen den Wettkämpfen abspielen, die Konflikte, Gruppenbildungen und die sozialen Dynamiken.

Gegen Ende von „Squid Game 2“ kommt dann doch noch einmal Tempo in die Sache, es kommt zum finalen Shootout-Showdown, es gibt ausgedehnte Gemetzel, als die Spieler rund um Gu-hun den Aufstand proben: „Squid Game“ ist und bleibt im Kern eine popkulturell aufbereitete, anti-kapitalistische und gesellschaftskritische Erzählung, die diesmal persönliche Gier, Egoismus und moralischen Werteverlust noch eindeutiger anprangert als Staffel 1. Der Cliffhanger am Ende entlässt das Publikum in Ungewissheit, die in Staffel 3, die bereits abgedreht ist, 2025 aufgelöst werden soll.

Fazit

Kein Kollateralschaden, aber „Squid Game 2“ wirkt an vielen Ecken unrund und holprig, ist teilweise zu zäh und sperrig und kann sich nicht entscheiden, ob es eine Fortführung der Geschichte aus Teil 1 sein will oder eine Wiederholung mit neuem Personal. So ist es irgendwie beides – und damit nicht Fleisch, nicht Fisch. Neue Charaktere, weiterhin relevante Sozialkritik und die morbide „Squid Game-Magie“ machen die neue Staffel ansehnlich, aber man hatte sich doch mehr erwartet.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(69/100)

-> Die 5 Gründe für den Erfolg von „Squid Game“

Bild: (c) Netflix