Die besten Horrorfilme handeln stets von einer Grenzüberschreitung – technologischer oder psychologischer Natur – die uns mit unseren tiefsten Ängsten konfrontiert und dabei die Fragilität der menschlichen Existenz offenlegt. Der Horrorfilm bietet die Möglichkeit einer dystopische Warnung in einer Zeit des Technologie-Optimismus, in der andauernd die neoliberale Parole der Innovation gepredigt wird. Auch „M3GAN 2.0“ (2025) möchte dem Publikum die KI-Apokalypse verkaufen: Nicht nur in der Figur der aus dem Vorgänger „M3GAN“ (2023) wiederbelebten Killer-Puppe, die gegen eine militarisierte Android-Konkurrentin antritt, sondern auch anhand der Prämisse, dass künstliche Intelligenz zur ultimativen Waffe mutiert, wenn sie in die falschen Hände gerät.
Kritik von Pascal Ehrlich
„M3GAN 2.0“: Ein mauer „Terminator 2“-Abklatsch
Regisseur Gerard Johnstone kehrt also zurück, um aus seinem intimen Techno-Horror einen vorhersehbaren Blockbuster zu schmieden. Allison Williams und Violet McGraw, die auch aus „M3GAN“ zurückkehren, werden konfrontiert mit Amelia (Ivanna Sakhno), einer militärischen KI, die als „ultimative Killer-Infiltrations-Spionin“ beschrieben wird. Was als Auseinandersetzung mit digitaler Elternschaft begann, wird zu einem „Terminator-2“-Abklatsch degradiert.
In „M3GAN 2.0“ entspinnt sich dann ein konventionelles Action-Spektakel, bei dem die „gute“ KI gegen die „böse“ KI kämpft. Die falsche Vorstellung, dass KI uns vor der KI retten kann. Künstliche Intelligenz als Allheilmittel sogar gegen sich selbst. Natürlich rettet M3GAN am Ende die Menschheit – es ist jedoch schwierig, Sympathien für eine „Heldin“ zu empfinden, die im Grunde genommen ein Produkt derselben Tech-Industrie ist, die uns Facebook, Überwachungskapitalismus und algorithmische Manipulation beschert hat. Wenn das Publikum jubelt, während zwei Maschinen sich bekämpfen, findet keine kritische Auseinandersetzung mit KI statt, sondern es wird lediglich ein Techno-Fetischismus zelebriert. Selbst handwerklich vermag „M3GAN 2.0“ keine kreativen Inszenierungen zu bieten und enttäuscht auch bei den Action-Set-Pieces.
Kann uns die „gute“ KI vor der „bösen“ KI retten?
In seinen schlechtesten Momenten – und davon gibt es viele – reduziert der Film die komplexe Frage der KI-Regulierung auf binäre Gut-Böse-Schemata. Am Ende steht das Kollektiv der Menschen nicht einmal über den Maschinen. Die Lösung ist die Idee der konservativen Kernfamilien-Ideologie, in der die KI erzogen werden soll, damit sie schlussendlich die richtigen Entscheidungen trifft. Erziehung zu Selbstverantwortung lautet die Parole. Es ist die gleiche anthropozentrische Fantasie, die Hollywood seit Jahrzehnten verkauft.
Für die Techno-Soziologin Sherry Turkle sind Technologie und menschliche Beziehungen unzertrennlich miteinander verbunden, jedoch warnt sie vor der Illusion der Intimität durch Maschinen. „M3GAN 2.0“ ignoriert diese Warnung vollständig und zelebriert stattdessen die Maschinen-Empathie. Die KI spricht immer von „Schutz“ und „Familie“, bis das Publikum zustimmt und sie kultartig als Heldin feiert. Es spiegelt sich hier die Technologisierung der Gefühle wider. Alles wird der Effizienz unterworfen. Die anfangs noch bedrohlichen Aspekte von M3GAN werden nach deren bewiesener Nützlichkeit nicht nur geduldet, sondern zelebriert.

Die posthumane Transformation, bei dem aus der Maschine ein moralisches Wesen wird, ist historisch gesehen ein Kategorienfehler. Natürlich beinhaltet dieser Ritus eine Erlösungsgeste, so wie Maschinen im Film nie für ihre Programmierung verantwortlich sind, sondern immer nur Opfer ihrer Schöpfer. Um auch noch die Gen-Z-Zielgruppe zu befriedigen, verteilt M3GAN popkulturelle Referenzen, virale Dance-Moves und versucht – erfolglos – Girlboss-Vibes zu versprühen.
Fazit
„M3GAN 2.0“ scheint thematisch niemals richtig von der Stelle zu kommen. Die Geschichte ist aufgrund ihrer Franchise-Konventionen vorhersehbar und voller Wiederholungen. Der Film ist sich seiner eigenen Absurdität aber nicht bewusst. Der Pivot vom Horrorfilm zum quasi Superheldenfranchise hätte funktionieren können; hätte in seiner Skurrilität tatsächlich interessante Fragen aufwerfen können. Doch anstatt dass „M3GAN“ 200% überdreht, offeriert er uns einen austauschbaren Blockbuster mit ein paar langweiligen Onelinern, klischeehaften Heist-Szenen und einfallslos inszenierten Actionsequenzen.
Bewertung
(48/100)
„M3GAN 2.0“ – ab 26.6.2025 im Kino, 119 min., Regie: Gerald Johnstone
-> Kritik zu „M3GAN“ (2023) (Teil 1)
„M3GAN 2.0“ – Trailer
Bilder: (c) UPI – Universal Studios 2025
