Premiere bei der Berlinale 2025, kein breiter Kinostart, aber jetzt im Heimkino: Jan-Ole Gersters Holiday-Thriller „Islands“ erscheint am 19.9.2025 auf BluRay und DVD und ist bereits jetzt als VOD verfügbar. Ein echter Heimkino-Tipp, der die Schattenseiten eines zwanglosen Aussteiger-Lebens in bester Hitchcock-Manier ergründet.

Kritik von Christian Klosz

Tom (Sam Riley) ist Tennislehrer in einem All Inclusive-Resort in Fuerteventura, ein Job, der dem Single alle möglichen Freiheiten bietet: Zwischen den Sessions trinkt er Alkohol, am Abend feiert er im Club, lässt sich von Touristinnen abschleppen und taucht am nächsten Morgen verkatert am Tennisplatz auf. Ein zwangloses Leben ohne Verpflichtungen, aber auch ohne Ziel und Sinn.

„Islands“: Leben ohne Zwang und Sinn

Eines Tages taucht die gutaussehende Anne (Stacy Martin) bei ihm auf und fragt, ob Tom ihrem Sohn außertourliche Tenniseinheiten geben kann, er stimmt zu. In der Folge freundet er sich auch mit Annes Mann Dave (Jack Farthing) an und er spielt den Tourist-Guide für die Familie, zeigt ihnen „seine“ Insel. Währenddessen beginnt es zwischen Tom und Anne zu „knistern“.

Nach einem Rundtrip – und einem Streit zwischen Anne und Dave, in deren Beziehung es zu kriseln scheint – überredet Dave Tom, mit ihm den Club zu besuchen und sich zu betrinken. Eher widerwillig stimmt Tom zu, am nächsten Morgen wacht er wieder einmal verkatert auf einer Strandliege auf. Da ruft Anne an: Dave ist verschwunden, er kam nie nach Hause. Doch auch Tom kann keine Auskunft geben. Die Polizei beginnt zu ermitteln, im Raum steht Selbstmord. Oder Mord, durch Anne. Während sie die Hauptverdächtige der Polizei ist, kommen Tom und sie sich näher und er übernimmt in Daves Abwesenheit die Rolle des „Ersatzvaters“.

Zwischen Träumen, Alpträumen und Wirklichkeit

Regisseur Jan-Ole Gersters („Oh Boy“) stilsicher inszenierter Krimi, den man auch „Vacation Noir“ nennen könnte, ist zu Beginn ein melancholisches Porträt eines „Drifters“, der in den Tag hinein lebt, spätestens nach einer Stunde wandelt sich „Islands“ aber zum Psycho-Drama, das in seinem subtilen Spannungsaufbau (und beim Soundtrack) Anleihen an Hitchcock und den klassischen Noir-Thrillern der 40er und 50er nimmt. Der Film wird insgesamt von einer mysteriösen Aura getragen, bei der vieles im Verborgenen und rätselhaft bleibt, nicht zuletzt der Protagonist.

Der führt zwar oberflächlich ein „Traumleben“, für das er von seinen neuen Bekanntschaften beneidet wird, die sich mit den Zwängen des Familienlebens nie wirklich abfinden konnten. Trotz (oder wegen?) seiner Existenz wirkt aber auch Tom nicht wirklich glücklich, seine innere Leere betäubt er mit Alkohol. Neue Perspektiven, die sich für kurze Zeit nach Daves Verschwinden auftun, lösen sich gegen Ende wieder im Nichts auf, Tom bleibt ein ewig Gestrandeter, der seiner existenziellen Lethargie durch Suchen begegnen will, ohne zu wissen, wonach er eigentlich sucht. „Islands“ ist so auch ein Film über unerfüllte Sehnsüchte, Träume und Lebensentwürfe, über Hedonismus und eine im Wüstensand festgefahrene, tragische Existenz, die nur von außen paradiesisch wirkt.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(85/100)

„Islands“ ist jetzt als Video on Demand verfügbar und erscheint am 19.9.2025 auf BluRay und DVD.

Bild: (c)  2025 augenschein Filmproduktion / LEONINE Studios – Foto: Juan Sarmiento G