Mit „Play Dead“ erschien am 15.1.2026 Carlos Goitias neuer Film für das Heimkino. Goitia wurde in Horrorfankreisen durch „Asylum: Twisted Horror and Fantasy Tales“ (2020) bekannt. Vermarktet als Survival-Horror und mit einer Laufzeit von nur 72 Minuten setzt der Film ganz auf einen kurzweiligen Filmabend. Hält er dieses Versprechen auch?

Kritik von Christian Oehmigen

Alison erwacht in einem dunklen Keller. Neben ihr liegen vier weitere junge Frauen scheinbar leblos. Eine tiefe Fleischwunde lässt vermuten, dass auch Alison tot sein müsste. Sie versucht mit ihrem Handy die Außenwelt zu erreichen, doch der Empfang reißt ständig ab, bis der Akku leer ist.

Plötzlich geht das Licht an, und eine Gestalt kommt langsam und bestimmt die Treppe herunter. Schnell wird klar: Der Mann ist der Entführer und Mörder. Um nicht entdeckt zu werden, legt Alison sich in die Position zurück, in der sie erwacht ist, und stellt sich tot. Der stumme Mann nimmt eine Frau nach der anderen mit nach oben. Für Alison beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um nicht erkannt zu werden und einen Ausweg zu finden.

„Play Dead“: Ein Single Location-Thriller ohne Spannung

„Play Dead“ beginnt durchaus atmosphärisch; der Zuschauer wird direkt ins Geschehen hineingeworfen und muss sich zunächst zusammen mit der Hauptfigur Alison (gespielt von Paula Brasca) zurechtfinden. Auf eine Vorgeschichte wird ganz verzichtet, doch schnell wird klar, dass alle Frauen entführt und ermordet wurden.

Der Film kann durchaus als Single-Location-Thriller durchgehen, da er für den Großteil der Laufzeit in diesem Keller spielt. Erst am Ende wird die Kulisse geändert. Was durchaus eine spannende Prämisse sein kann, spielt der Film allerdings nur bedingt aus. Es läuft alles nach demselben Schema ab:

Alison versucht zu entkommen → Licht an → Mann steigt die Treppe herunter → Alison beeilt sich, wieder totzustellen → Mann nimmt eine Frau, und alles wieder von vorn. Richtige Spannung kommt da nicht auf, auch wenn die Filmemacher noch einige Elemente eingefügt haben, die hier unerwähnt bleiben sollen.

Die Hauptdarstellerin und das Drehbuchproblem

Paula Brasca versucht ihr Bestes, den Film zu tragen; das gelingt ihr zum Großteil. Da der Zuschauer frustriert ist, stellt dies vielmehr ein Drehbuchproblem dar. Brasca muss die meiste Zeit nonverbal agieren; das klappt auch in den intensiven Momenten. Ihre Mimik vermittelt die Todesangst glaubhaft. Leider lässt die wiederkehrende Struktur wenig Raum für Entfaltung. Auch Verletzungen, die später in „Play Dead“ keine Rolle mehr spielen, sprechen nicht für die ohnehin schon sehr dünne Geschichte und sorgen eher für unfreiwillige Erheiterung als für das Mitfühlen mit Alison. Das zeigt, dass ohne ein solides Drehbuch auch gute schauspielerische Fähigkeiten wirkungslos bleiben.

Ein austauschbarer Antagonist

Auch beim Widersacher wird dem Zuschauer nichts Neues geboten. Da hat man keine Risiken auf sich genommen und sich von Bewährtem inspirieren lassen. Der stumme, kräftige Peiniger wird von Damien Castillo gespielt, einem professionellen Wrestler. Sein Gesicht sieht man nie, nur seine Augen verraten, wie es in ihm aussieht. Der Rest des Gesichts wird von einer Maske bedeckt, die sehr stark an Leatherface aus dem Texas-Chainsaw-Massacre-Franchise erinnert und wahrscheinlich auch die Inspiration dafür ist.

Castillo bringt als Wrestler die nötige physische Präsenz mit; seine Statur und seine schweren Bewegungen erzeugen durchaus Bedrohung. Jedoch fehlt seinem Charakter jegliche Tiefe, sodass er somit austauschbar und eindimensional bleibt. Zwar wird am Ende hin etwas klarer, was sein Motiv ist, jedoch bleibt er bis zum Schluss ohne jegliche eigene Identität.

Wenig Lichtblicke

Bemerkenswert ist, dass „Play Dead“ größtenteils ohne Dialoge auskommt, was eine gute Abwechslung zum Trend in vielen rezenten Filmen darstellt, alles zu erklären. Auch die Filmmusik passt weitestgehend zur Atmosphäre im Keller, ohne sich zu sehr aufzudrängen.

Die FSK-16-Freigabe ist völlig in Ordnung, da auf Brutalität bis auf wenige Szenen weitestgehend verzichtet wird, dafür wird mit meist vorhersehbaren Jumpscares gearbeitet. Auch hier zeigt sich, dass „Play Dead“ vor allem auf ein jüngeres, im Genre unerfahrenes Publikum abzielt. Genre-Fans hingegen könnten sich schnell langweilen oder von den Figurenentscheidungen enttäuscht sein. Lediglich am Ende überrascht ein Twist, doch insgesamt bleibt es bei bewährten Mustern.

Notiz am Rande: Die Laufzeit von 72 Minuten ist irreführend, da der Film insgesamt 12 Minuten Vor- und Nachspann sowie schleichend langsame Endcredits enthält. „Play Dead“, wie hier präsentiert, hätte als 30-minütiger Kurzfilm wohl deutlich besser funktioniert.

Fazit

„Play Dead – Die Todgeweihte“ ist nur bedingt zu empfehlen. Wer neu im Genre ist, könnte hier kurzweilige Unterhaltung finden, doch für erfahrene Horror-Fans bietet der Film weder Innovation noch Spannung und dürfte eher enttäuschen. Es fehlt an Originalität in der Story und im Widersacher, ebenso an Identifikationspotenzial mit dem Hauptcharakter. Grobe Schnitzer im Drehbuch lassen den Film eher unfreiwillig komisch erscheinen. Lediglich die dichte Atmosphäre und der passende Score können überzeugen. Ein weiterer, (zu) vorhersehbarer Survivor-Thriller.

Bewertung

Bewertung: 4 von 10.

(44/100)

„Play Dead – Die Todgeweihte“: Seit 15.1.2026 im Heimkino als VOD und auf Disc.

Bild: (c) Busch Media Group