Heiße Momente auf dem Eis – Diese Hockey-Serie aus Kanada bricht momentan sämtliche Tabus und ist ein weiterer Meilenstein in der Repräsentation von LGTBQ+ Beziehungen in Film und Fernsehen. Basierend auf einer erfolgreichen Buch-Reihe von Rachel Reid erzählt „Heated Rivalry“ die Geschichte zweier rivalisierender Hockey-Spieler, die sich auf eine leidenschaftliche Affäre einlassen und sich dabei ineinander verlieben. Seit 6.2.2026 auf HBO Max, neue Folgen erscheinen wöchentlich.
Serien-Kritik von Natascha Jurácsik
Shane Hollander (Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie) sind seit ihrer Rookie-Season Erzrivalen auf dem Eis. Doch unter dem scheinbaren Hass verbirgt sich etwas anderes – eine fast unausweichliche Anziehung, die aber beide ihre Karrieren, und sogar ihre Familien, kosten könnte. Im Laufe mehrerer Jahre entwickelt sich die leidenschaftliche Beziehung der beiden zu etwas wesentlich Profunderem als reine Lust, doch können sie ihre Zuneigung wirklich vertiefen, ohne Opfer ihrer jeweiligen Umstände zu werden?
„Heated Rivalry“ zeigt überzeugend schwule Sex-Szenen
Staatlich geförderte Projekte haben in Kanada – ähnlich wie in Deutschland – einen eher negativen Ruf und erfreuen sich selten großer Beliebtheit, weder bei Fans noch bei Kritikern. Umso erstaunlicher ist der internationale Erfolg von „Heated Rivalry“ – ein Grund hierfür ist definitiv die Produktionsqualität, denn optisch lässt sich leicht erkennen, dass sehr viel Mühe in die Serie investiert wurde, trotz eines überschaubaren Budgets. Die Sets und Inszenierungen wirken realistisch und natürlich, was durch solide Kameraführung und einige recht hochwertige Einstellungen ergänzt wird.
Auch die zwei Hauptdarsteller leisten offensichtlich ihr Bestes: Williams und Storrie scheinen ein eingespieltes Duett zu sein, die Chemie zwischen ihnen ist in jeder gemeinsamen Szene spürbar und die Nuancen zwischen hitzköpfiger Rivalität und sexueller Anziehung wirkt authentisch und fesselnd. Die vieldiskutierten Sex-Szenen sind besonders überzeugend, die ihre sehr vertraut wirkende Performance mit detaillierter Choreografie unterstützt wird, wodurch diese Momente eindeutig das Highlight von „Heated Rivalry“ sind.
Ein entschiedener Großteil der Beziehung zwischen den beiden Figuren offenbart sich dem Zuschauer in eben diesen Augenblicken, wodurch sie, anders als die meisten anderen Sex-Szenen in Film und Fernsehen, tatsächlich relevant für die Geschichte und sehr gut gemacht sind. Die Tatsache, dass es sich hierbei um eine homosexuelle Beziehung handelt, gibt dem Projekt automatisch einen zusätzlichen Kult-Status und öffnet weitere Türen für mehr unzensierte Repräsentation.
…doch der Rest hat nur wenig zu bieten
Das ist auch bitter nötig, denn neben der gelungenen Intimität hat „Heated Rivalry“ leider nicht viel zu bieten. Wer eine ausgeklügelte Handlung gewohnt ist, kommt hier wohl etwas zu kurz, denn neben der zwar unoriginellen, aber dennoch unterhaltsamen Dynamik zwischen Shane und Ilya passiert herzlich wenig. Die Geschichte ist eintönig und hervorsehbar, die anderen Charaktere eindimensional und sämtliches Geschehen außerhalb des Schlafzimmers mehr oder minder belanglos oder schlicht uninteressant. Es hilft nicht, dass die meisten Dialoge, die nicht zwischen dem Hauptpaar stattfinden, unorganisch, steif und teils sogar etwas lächerlich klingen.
Hinzukommen große Zeitsprünge, die zahlreich und scheinbar willkürlich verteilt werden, wodurch die Handlung von „Heated Rivalry“ mehrere Jahre umfasst, ohne dass sich das Publikum auch nur die Namen aller relevanter Akteure merken konnte. Zu diesem hektischen Tempo und unausgereiften Ton trägt auch das amateurhafte Editing bei, was den Fluss der Geschichte immer wieder abrupt unterbricht und zwischen einzelnen Momenten hin und her springt, als würde die Show vor der nächsten Sex-Szene einfach nur Plot-Punkte abarbeiten. Auch wenn es in „Heated Rivalry“ eben hauptsächlich um die Leidenschaft zwischen Shane und Ilya geht, hätte es definitiv geholfen, den Figuren und ihrer Umgebung etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, indem man sie besser ausarbeitet und mehr Tiefe verleiht.

Kulturelle Stereotypen
Zusätzlich wird „Heated Rivalry“ von einem karikativem, stereotypischem Blick auf Osteuropa geplagt, der beinah schon satirisch ist. Hier hätte man ebenfalls die Chance gehabt, einzelnen Charakteren und ihren Verhältnissen zueinander etwas mehr Substanz zu verleihen – stattdessen bemüht sich der texanische Schauspieler Connor Storrie um einen russischen Akzent, der zwar nicht ganz schlecht, aber weit von gut ist.
Da die Herkunft seiner Rolle nur relevant ist, um schwierigen, konservativen Familienverhältnisse und Homophobie zu thematisieren, könnte man Ilya auch einfach zu einem Texaner umschreiben – die wichtigen Aspekte wären somit gedeckt und Storrie könnte aufhören, Ivan Drago aus „Rocky IV“ als Inspiration zu nutzen.
Fazit
Revolutionäre Schlafzimmerszenen – „Heated Rivalry“ ist definitiv ein Meilenstein in der Darstellung von homosexuellen Beziehungen und choreographierten Intimitätsszenen. Ein charmantes Drama, dessen Hauptfiguren durch ihre Chemie für Unterhaltung sorgt. Leider blieb wohl keine Energie mehr für alles andere übrig und somit ziehen Dialoge, Editing und eine unausgereifte Handlung die sonstige Qualität der Serie etwas nach unten.
Bewertung
(64/100)
„Heated Rivalry“, Serie, seit 6.2.2026 auf HBO Max.
Bilder: (c) HBO Max
