In die Riege später Sequels reiht sich seit 25.3. (auf Disney+) auch „Scrubs“ ein, offiziell als Staffel 10 gezählt: Im Revival von Bill Lawrences Kult-Serie kehrt „J.D.“ Dorian an seine alte Wirkungsstätte ins „Sacred Heart“ zurück, allerdings in neuer Funktion. Die Serie macht einiges richtig, offenbart aber auch Probleme vieler aktueller Krankenhaus-Serien.

Serien-Kritik von Christian Klosz

„Scrubs“ Staffel 10: Zwischen Nostalgie und fiktionalisierter Gegenwart

Das Comeback von „Scrubs“ ist aus gleich 2 Gründen beachtlich: Zum einen ist das „Revival“ nur eines von derzeit vielen, späten Film- und Serien-Sequels, die die Nostalgiewelle reiten und das Publikum aus unserer krisenhaften Gegenwart in eine bessere Vergangenheit transportieren möchten, die ihrerseits in die Gegenwart transportiert wird. „King of the Hill“ machte das – recht erfolgreich – bereits 2025 vor, heuer stehen gleich mehrere solcher Formate an: Darunter „Malcom Mittendrin“ (ab 10.4.), „Buffy“ (Herbst) und „Baywatch“ (2026/2027).

Zum anderen ist es ein weiteres Format von Bill Lawrence, den die Arbeitswut gepackt zu haben scheint und dessen aktuelle Serien man auf einer Hand bald nicht mehr abzählen kann. Da gibt es die neue, 4. Staffel von „Ted Lasso“, die sich in Produktion befindet. „Bad Monkey“, die eine 2. Staffel bekommt. „Shrinking“, deren 3. Staffel kürzlich angelaufen war (alle bei AppleTV+). Seit kurzem läuft außerdem „Rooster“ mit Steve Carrell bei HBOMax. Und nun eben auch das „Scrubs“-Revival.

Rückkehr ins „Sacred Heart“

„Scrubs“ gehörte in den 00-er-Jahren zu den beliebtesten und besten Sitcoms, auch weil sie dieses klassische Genre der US-amerikanischen TV-Unterhaltung auf ein neues Niveau hob: Man setzte auf „Single Camera Shots“ in realistischem Setting (statt auf Studiodrehs) und verzichtete auf Lacher im Background. Als Dramedy mixte „Scrubs“ Heiteres mit Ernstem, albernen Humor mit durchaus Tiefgründigem.

In der Neuauflage kehrt „J.D.“ John Dorian (Zach Braff) an seine alte Arbeitsstätte, das Sacred Heart Hospital, zurück, das er vor etwa 15 Jahren verlassen hatte. Während er inzwischen als Privatarzt für gut Situierte gut verdient, aber mit medizinisch eher banalen Dingen zu tun hat, arbeiten sein bester Freund Chris Turk (Donald Faison), seine inzwischen-Ex Elliot Reid (Sarah Chalke) und sein Mentor Dr. Cox (John C. McGinley) immer noch dort.

J.D.s Kurzvisite bei einer Privatpatientin, die im Sacred Heart gelandet ist, wird nicht nur zum Wiedersehen mit Bekannten, sondern sollte auch seine Karriereplanung ordentlich auf den Kopf stellen: Denn Dr. Cox, inzwischen der Chefarzt des Hospitals, hat Dorian als seinen Nachfolger auserkoren. Und so wird dessen Visite in seiner alten Umgebung zu einem Daueraufenthalt, mit alten und neuen Gesichtern, aber in einer gänzlich neuen Aufgabe.

Zwischen Sensibilität und Ignoranz

Diese berufliche Rückkehr des Protagonisten an seine alte Wirkungsstätte wirkt etwas forciert, wird zu schnell abgehandelt und kommt so unrealistisch rüber. Hier wurde die Dramaturgie dem Zweck untergeordnet, um ein echtes Revival glaubhaft zu machen, muss der Held der Geschichte wieder in seine alte Umgebung verpflanzt werden, und dabei wollten die Autoren wohl keine Zeit verlieren.

Eine Frage, die bei derartigen Formaten, die alte dramaturgische Dynamiken und bekannte Figuren in die Gegenwart versetzen immer aufkommt, ist: Wie gelingt diese „Zeitreise“? Wie akkurat werden diese Gegenwart und ihre Herausforderungen abgebildet? Die Antwort muss in Bezug auf Staffel 10 von „Scrubs“ ambivalent ausfallen.

Gesellschaftspolitisch-kulturelle Aspekte wie politisch korrekte Sprachregelungen, Sexismus und Diskriminierung am Arbeitsplatz werden humorvoll, sensibel und mit Ironie abgehandelt und adressiert: Umgangsformen werden als relativ und als Produkte ihrer Zeit gefasst, die nicht ultimativ gut oder schlecht wären und die (nötige) Anpassung an neue (etwa durch Dr. Cox oder „den Todd“, der auch wieder dabei ist) wird als fortlaufender, dynamischer beidseitiger Verständigungsprozess betrachtet.

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Ein Abbild medizinischen Analphabetismus‘

Bei der Abbildung (post-)Covid-bedingter Public Health-Maßnahmen, die im Medizinwesen heute Normalität sind oder zumindest sein sollten, versagt „Scrubs“ aber weitgehend, wie übrigens die meisten neuen Krankenhaus-Serien: Das Thema wird hier zu Beginn von Folge 1 alibimäßig abgehandelt und danach ignoriert. Da sieht man an allen Ecken und Enden Handdesinfektionsspender mit der sinngemäßen Aufschrift „Use to prevent the spread of viruses“, die meisten Viren werden blöderweise allerdings über den Luftweg übertragen.

Und auch ein paar Patienten mit Masken sieht man zu Beginn. Das ist so offensichtlich, dass sich die „Scrubs“-Macher zumindest dessen bewusst zu sein schienen, dass Hygienefragen in einer zeitgemäßen Krankenhausserie adressiert werden sollten. Geschehen tut das halt leider auf falsche Art und Weise. Andererseits: „Scrubs“ bildet hier wohl auch nur den in der Gesellschaft (und selbst unter Ärzten) weit verbreiteten medizinischen Analphabetismus ab.

Gegen diese Kritik könnte man natürlich einwenden, dass manches (Ärzte mit Masken) aus dramaturgischen Gründen hinderlich wäre. Trotzdem könnten und sollten neue Formate anno 2026 mit dem Thema klüger und kreativer umgehen, wenn selbst „M.A.S.H.“ vor Jahrzehnten da bereits weiter war, was dann auch äußerst bezeichnend ist.

Neurosen und Unsicherheiten bleiben

Blickt man nun auf die Handlung an sich, auf die Figuren, den Humor, andere zentrale Themen, knüpft „Scrubs“ nahtlos dort an, wo die Serie vor gut 15 Jahren endete: Die Figuren sind älter, haben dadurch manch andere Probleme und Alltagssorgen. Sie haben sich weiterentwickelt, aber doch immer noch mit ähnlichen Unsicherheiten und Neurosen zu kämpfen, die diese Serie immer so liebe- und humorvoll darstellte. Und das gelingt auch in Staffel 10 von „Scrubs“, vor allem weil diese Figurenfortschreibung stets organisch und authentisch wirkt. Auch die neuen Charaktere werden gut in die Handlung integriert.

scrubs staffel 10 2026 reboot
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Fazit

Das „Scrubs“-Revival versucht nicht krampfhaft, neu und „hip“ zu sein, verliert sich aber auch nicht in nostalgischem Kitsch a la „früher war ja alles besser“. Es geht ums Überleben im Alltag, im Berufs- und Privatleben, manchmal ist allein schon das eine Heldenleistung, wie uns diese Serie in kleinen Lektionen vermittelt. Das macht auch 2026 immer noch Spaß, ist unterhaltsam und kurzweilig, selbst wenn die medizinischen Aspekte und die Realitäten einer (post-)Covid-Welt, gerade im Gesundheitswesen, um einiges besser und sensibler dargestellt werden hätten können und sollen. Trotzdem: „Scrubs“ anno 2026 gehört definitiv zu den gelungenen Revivals und Serien-Neuauflagen. Vielleicht macht man es in Staffel 11 (noch) besser?

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(79/100)

„Scrubs“ – Revival (offiziell Staffel 10): Seit 25.3.2026 auf Disney+.

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Bilder: (c) 2025 Disney