Ein waschechter „Highway to Hell“ – André Øvredals neuer Film „Passenger“ widmet sich dem Schrecken der offenen Straße und versucht dem Heimsuchungs-Genre eine originelle Note zu verleihen. Allerdings scheitert das Projekt an der eigenen Prämisse und an einem missratenen Drehbuch, mit dem die Autoren Zachary Donahue und T. W. Burgess vor einen Baum gefahren sind. Ab 28. Mai im Kino.
Kritik von Natascha Jurácsik
Tyler (Jacob Scipio) und Maddie (Lou Llobell) packen all ihr Hab und Gut in einen umgebauten Van und entscheiden sich vorerst für ein Leben als Nomaden. Als sie an einer abgelegenen Landstraße mitten im Wald einen Unfall beobachten, bleiben sie stehen, um dem Fahrer zu helfen – doch die Konsequenzen für ihren Altruismus werden schnell ernst, denn ein Dämon macht die Straßen unsicher und hat sich an ihre Fersen geheftet.
„Passenger“: Nur knapp am Frontalcrash vorbei
Wer sich bei der Prämisse von „Passenger“ etwas in Richtung „Christine“ vorstellt, liegt leider daneben. Das eigentliche ‚Haunted-Highway‘-Motiv, das im Film verwendet wird, ist wesentlich simpler, wenn auch recht konfus: Eine dämonische Heimsuchung, die aussieht wie ein Vagabund und die Fähigkeit hat, das Raum-Zeit-Kontinuum seinem infernalen Willen zu unterwerfen, diese Macht jedoch nutzt, um seinen Opfern nicht mehr Schaden zuzufügen als Müdigkeit hinterm Steuer es könnte. Natürlich ist der Gedanke an schreckliche Autounfälle und sonstige Gefahren, die die weiten Straßen Nordamerikas bergen angsteinflößend, aber übernatürlichen Kräfte scheinen hierbei etwas überflüssig – oder vielleicht doch originell?
Nach einem gelungenen Opening stellen die Autoren schnell unter Beweis, dass Letzteres nicht zutrifft. Die Handlung von „Passenger“ ist vorhersehbar und hakt ein Klischee des Heimsuchungs-Genres ab nach dem anderen. Die ominöse, paranoide Atmosphäre wird in ruhigeren Momenten immer wieder von der Erkenntnis unterbrochen, dass die innere Logik der Geschichte kaum Sinn ergibt. Hinzu kommen schlechte, unnatürlich wirkende Dialoge reich bestückt an ungeschickten Expositions-Dumps, die nur zur Einseitigkeit der Figuren beitragen, statt sie zu beheben.
Ein lachhaftes Finale
Die wenigen, visuell interessanten Schreck-Momente kommen überwiegend in der ersten Hälfte des Films vor und verlieren auch schnell an Wirkung, da sie Großteils von formelartigen, unkreativen Jump-Scares umgeben sind, deren schemenhaften Aufbau das Publikum ziemlich schnell durchschaut. Regisseur Øvredal versucht zumindest optisch etwas rauszuholen, indem er langsame Kameraschwenke einsetzt, um Spannung aufzubauen, doch diese gibt er mitten im zweiten Akt auf.
Der letzte Akt schein somit fast wie aus einem anderen Film, sowohl was das Skript als auch die Kameraführung angeht und wirkt, als wäre allen Beteiligten die Zeit ausgegangen. Das Ergebnis ist ein lachhaftes Finale, das selbst nicht mehr so richtig weiß, worum es jetzt eigentlich geht.
Dabei hätte das Projekt auf allen Ebenen Potential gehabt. Bei dem Versuch trotz offensichtlicher Inspiration nicht zu sehr an den Kult-Klassiker „It Follows“ zu erinnern, gehen der Story sämtliche narrativen Stärken flöten, was durch einen tollpatschigen, inkonsequent durchgezogenen religiösen Ansatz kompensiert werden soll, der allerdings weder ästhetisch noch inhaltlich gut zum ‚Haunted-Highway‘-Motiv passt – und am Ende ja doch nur wieder in einer alten, verlassenen Kirche endet. Zusätzlich nutzt Øvredal die Sweeping-Shots, die er auch in anderen Filmen wie „The Autopsy of Jane Doe“ einsetzt, in keiner Szene voll aus, um kreative Aufnahmen zu schaffen; stattdessen verzögert er hiermit nur den plötzlich auf die Leinwand katapultierten, dämonischen Vagabund, begleitet von einem ohrenbetäubenden Orchester, was dann schlussendlich den Zuschauer vergeblich das Fürchten lehren soll.
Fazit
Eher Autopanne als Wettrennen um Leben und Tod – „Passenger“ versucht ein schwaches Drehbuch zu überspielen, indem eine Handvoll Horror-Klischees an die Leinwand geklatscht werden in der Hoffnung, dass etwas beim Publikum hängen bleibt. Mit einem gelungenen Anfang, einem annehmbaren Mittelteil und einem schwachen Ende kann der Film nicht halten, was die Prämisse verspricht: Kreativität.
Bewertung
(45/100)
„Passenger“ (2026): Ab 28.5.2026 im Kino.
Bild: (c) Paramount
