Ein Indie-Genre-Streifen aus Neuseeland mit echter Star-Power: Regisseur James Ashcroft holt sich Hilfe aus Hollywood und lässt Geoffrey Rush („Pirates of the Caribbean“, „Shakespeare in Love“, „The King’s Speech“) und John Lithgow („Konklave“, „The Crown“) den zentralen Konflikt seines psychologischen Horrorfilms austragen. Das Resultat ist ein verstörendes Bild von Tyrannei in einem eher ungewöhnlichen Setting. „The Rule of Jenny Pen“ erscheint am 26.3.2026 im Heimkino auf DVD, BluRay und als VOD.

Kritik von Natascha Jurácsik

Richter Stefan Mortensen (Geoffrey Rush) erleidet mitten in einem Prozess einen Schlaganfall und wird anschließend in ein Pflegeheim gebracht, wo er allerdings nicht lange bleiben will und sich somit auch keine Mühe gibt, Bekanntschaften zu schließen. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als er Ziel von Dave Crealy (John Lithgow) wird, der sich tagsüber als verwirrter alter Mann ausgibt und nachts die anderen Residenten terrorisiert. Obwohl Mortensen sich nicht einschüchtern lässt, wird ihm schnell klar, dass sein Stolz und Sinn für Gerechtigkeit allein nicht reichen werden, um das Problem zu lösen. Er versucht, seinen Zimmergenossen Tony (George Henare) auf seine Seite zu bringen.

„The Rule of Jenny Pen“ erzählt von Terror im Pflegeheim

Vom Regisseur beschrieben als den „Aufstieg eines Diktators an einem ungewöhnlichen Ort“, widmet sich „The Rule of Jenny Pen“ der Auseinandersetzung zwischen zwei Figuren, die beide ihre eigene Hilflosigkeit im Angesicht des Älterwerdens vehement ablehnen und dabei eine Situation darstellen, die vom Schulhof bis hin zu politischen Regimen reicht: Das Zusammenspiel von Macht, Verzweiflung und Gewalt wird hierbei in ein Setting versetzt, welches meist eher in Feel-Good-Komödien oder schnulzigen Dramen verwendet wird.

Doch „The Rule of Jenny Pen“ erkennt das düstere Potential des Ortes Pflegeheim und lenkt den Fokus des Publikums auf ein Thema, mit dem sich nur die wenigsten konfrontieren möchten: Was passiert, wenn die eigene Selbstständigkeit den Gebrechen des Körpers und Geistes zum Opfer fällt? Und inwiefern muss man die daraus entstehende Passivität akzeptieren? Rush und Lithgow widmen sich diesen Fragen in ihrer Performance bis ins kleinste Detail und machen ihre jeweiligen Figuren zu greifbaren, dreidimensionalen Charakteren, in deren Kampf sich der Zuschauer verliert.

Rush verkörpert meisterhaft einen misanthropischen Workaholic, der sich langsam, aber sicher seiner physischen und psychologischen Grenzen bewusst wird und akzeptieren muss, dass er sich mit seinen neuen Lebensumständen arrangieren muss, ohne dabei sich selbst aufzugeben. Lithgow stellt für Rush den perfekten Antagonisten dar: Ein Mann, der es gewohnt ist die Schwäche anderer auszunutzen, um seinen eigenen Gottkomplex zu befriedigen und dabei seine eigene Senilität nur spielt. Crealy ist so eine erschreckend realistische Darstellung eines Tyrannen.

Weitere Heimkino-Tipps und -Kritiken

Regisseur Ashcroft setzt die bedrückende Atmosphäre mit der Kamera gekonnt in Szene. Vor allem Farben spielen hier eine wichtige narrative Rolle: Tagsüber erscheint das Heim in ausgewaschenen Grau- und Sepiatönen, das Licht ist meist flach und unspektakulär, als wäre der Himmel konstant von tristen Wolken bedeckt, die sich weigern zu regnen. Nachts allerdings breiten sich von allen Seiten finstere Schatten aus, die den gewohnten Fluren und Zimmern eine beklemmende Ästhetik verleihen, als würde hinter jeder halboffenen Tür Gefahr lauern. Albtraumartige Visionen von Jenny Pen, einer Handpuppe, die als Instrument für Crealys Terror dient, erscheinen immer wieder in rot-getränkten Einstellungen und verstärken das Gefühl der Ausweglosigkeit – das Publikum ist ihr, wie auch die Figuren, ausgeliefert.

Leider reichen weder die schauspielerischen Meisterleistungen noch die gelungene Kameraführung aus, um die Spannung durchgehend aufrecht zu erhalten. Basierend auf einer Kurzgeschichte von Owen Marshall gibt „The Rule of Jenny Pen“ zwar viel her, was die psychologische Tiefe der Charaktere angeht, ist mit fast zwei Stunden jedoch eindeutig zu lang. Gepaart mit einem eher kriechenden Handlungstempo und einem Ende, das sowohl für die Figuren als auch die Zuschauer hätte kathartischer sein müssen, wird sich der ein oder andere wohl etwas langweilen.

Fazit

Ein stimmungsvoller Einblick in den psychologischen Mechanismus der Tyrannei – „The Rule of Jenny Pen“ entfaltet seine komplexe Geschichte zwar etwas schleppend, kompensiert dies jedoch mit Originalität und einer zutiefst einnehmenden Beziehung der zwei Hauptfiguren. Genre-Fans, die sich besonders für psychologische Thriller interessieren, werden diesem Film viel abgewinnen können – trotz Mangel an Spannung.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(69/100)

„The Rule of Jenny Pen“ wurde im Rahmen des Slash ½ gesehen. Das Kurzfestival fand von 8. bis 10.5.2025 in Wien statt. Am 26.3.2026 erscheint der Film nun erstmals regulär.

Bild: (c) Slash Festival