Der Sommer ´13 war zwar mit viel Sonne und Hitze gesegnet, aber nicht unbedingt mit guten Filmen: Potentiell interessante Filme wie Derek Cianfrances „The Place Beyond the Pines“ oder Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ erwiesen sich als weniger hervorragend als erwartet, und das Duo Gore Verbinski/Johnny Depp („Longe Ranger“) hat offenbar auch sein Ablaufdatum; Filmschaffende wie Steven Spielberg und George Lucas konstatieren darüber hinaus bereits unmittelbar bevorstehende, große Umbrüche in der Film-Branche.

Der Mangel an guten Filmen im Sommer mag zwar keine Überraschung sein, die Hitze und das schöne Wetter mögen einen die Enttäuschung darüber schnell vergessen lassen – dennoch ist es schön, wenn eine kleine Produktion völlig unerwartet für Furore sorgt – und das auch noch völlig zurecht.

Der „Überraschungshit“ des Sommers heisst „The Conjuring“, und ist eine weitere Genre-Frischzellenkultur von „Saw“-Regisseur James Wan.

Ed und Lorraine Warren (Patrick Wilson und Vera Farmiga) sind ein Dämonologen-Ehepaar, das sich professionell mit unerklärlichen, paranormalen Phänomenen beschäftigt, und sein Wissen darüber soweit strukturiert hat, um an Universitäten Vorlesungen darüber halten zu können. Nach einer dieser Vorlesungen werden die beiden von Carolyn Perron (Lili Taylor) aufgesucht, die mit ihrem Mann und ihren 4 Töchtern gerade in ein neues, renovierbedürftiges Haus gezogen war, in dem es offenbar spukt: Türen schlagen, Wände klopfen, der Schlaf der Kinder wird auf beängstigende Weise gestört, und allerlei andere Absonderlichkeiten geschehen im neuen Heim, die sich vernünftig nicht erklären lassen. Die beiden Profi-Dämonologen machen sich auf den Weg zu der heimgesuchten Familie, die unerklärlichen Geschehnisse zu erklären, und das Haus – im Fall der Fälle – von den bösen Geistern zu befreien.

Klingt an sich nicht sonderlich aufregend, doch genau darin liegt das Besondere an „The Conjuring“: Einfacher Plot, in seiner Reduziertheit der eingesetzten Mittel geniale Umsetzung. Dazu kommt, dass der „ideologische Unterbau“ (die „dämonologische“ Erklärung der Phänomene) ungewöhnlich einleuchtend präsentiert wird, „logisch“ und gut recherchiert ist. Das macht eine zusätzliche Faszination des Films aus.

Der zweite, außergewöhnliche Aspekt, der Horror-Fan vermutlich mehr begeistern (im wahrsten Sinne des Wortes) wird, sind die hervorragend orchestrierten Schock-Momente, die auch dem „coolsten“ Zuseher eine Gänsehaut abringen.
Dass Wan das kann, bewies er bereits in „Saw“ – hier stellt er sein außergewöhnliches Talent, Schock-Sequenzen wirksam zu inszenieren, erneut unter Beweis.
Das Ganze kommt in einer derart „relaxten“, unbemühten, unaufdringlichen und unprätentiösen Art und Weise daher, dass es schlichtweg beeindruckend ist.
War „Saw“ modern, laut, trashy, intensiv, dicht, ist „The Conjuring“ geradezu altmodisch, „retro“, ruhig und entspannt – soweit man das von einem Horror-Streifen behaupten kann.
Beeindruckend sind/waren beide Filme.

Fazit: Mit „The Conjuring“ ist James Wan nach „Saw“ erneut ein Überraschungserfolg, und das unerwartete Highlight des Film-Sommers 2013 gelungen, bei dem nicht nur Horror-Fans auf ihre Kosten kommen. Man kann gespannt sein, welche unerwarteten Film-Perlen dieser Regisseur in Zukunft noch aus dem Ärmel schütteln wird.

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