„A Ghost Story“ ist ein Film mit Rooney Mara („The Girl with the Dragon Tattoo“, 2011) und Casey Affleck („Manchester by the Sea“, 2016), der erst Ende 2017 in die österreichischen Kinos kam (US-Premiere beim Sundance-Festival Anfang 2017). Leider ging dieses besondere filmische Werk wegen diverser Blockbuster und Feiertagsfilme in der allgemeinen Wahrnehmung etwas unter, war aber in Wien kürzlich zumindest im Gartenbaukino prominent und auf großer Leinwand zu bewundern.

Kritik von Valerian Happenhofer

Inszeniert von David Lowery, dessen Regiedebut „Pete‘s Dragon“ (2016) einen konventionelleren Film erwarten lässt, wird hier eine intime Geschichte über einen Geist auf besondere filmische Art erzählt. Der Film setzt weder auf Horror noch Spuk, vielmehr eröffnet sich dem Zuschauer, durch ruhige oft statische Einstellungen, eine intime Geschichte über Liebe, Tod und Zeit.

 

Der Film sticht in erster Linie durch sein Format heraus: Die Geschichte wird komplett in 4:3 gezeigt. Die noch dazu abgerundeten Ecken an den Bildrändern erzeugen einen speziellen Look, der Nostalgiker- und Polaroidliebhaberherzen höherschlagen lässt. Abgesehen davon erscheint die Kameraarbeit dezent und lässt dem Schauspiel viel Raum zur Entfaltung. Die wie Fotographien wirkenden Einstellungen sind einerseits oft nah an den Gesichtern der Schauspieler, andererseits aber auch so gewählt, um mit wenig Bewegung viel Raumgefühl zu erzeugen.

Die Geschichte beginnt mit Einblicken in das Leben von M (Mara) und C (Affleck), deren Leben in einem kleinen, idyllischen Haus, auf den Kopf gestellt wird, als einer der beiden tödlich verunglückt. Fortan beobachten wir, wie der titelgebende „Geist“, gebunden an jenes Haus, mit dem Wandel der Zeit und der damit einhergehenden Veränderung zurechtkommen muss.
Die Charaktere im Film sprechen wenig, werden kaum erklärt, und doch gelingt es David Lowery, durch seine langgedehnten Szenen und Einstellungen, und das feine Schauspiel von Rooney Mara, große Emotionen hervorzurufen. Selbst am „Geist“ (tatsächlich in bester ET-Manier: nur eine Person mit Leintuch über dem Kopf) kann man durch die starke inszenatorische Leistung eine Palette an Gefühlen ablesen.
Unterstrichen werden die Emotionen durch einen angenehm zurückhaltenden Score von Daniel Hart, der ruhig, melancholisch aber auch bedrückend sein kann.

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Fazit:
„A Ghost Story“ ist ein Film, bei dem man sich auf die Erzählweise einlassen wollen muss. Durch die wenigen Dialoge, die zurückhaltende Kamera, die langen Einstellungen und den minimalistischen, aber philosophischen Plot ist es verständlich, weshalb dieser Film kein breites Publikum anspricht. Wer aber Zeit und Lust auf eine besonders erzählte, melancholisch schöne Geschichte hat, und offen dafür ist, mit einem Geisterkostüm mitzuleiden, wird einen Film erleben, der noch lange im eigenen Geist nachhallen wird.

Bewertung: 9 von 10

 

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