Heute Sonntag geht die „Diagonale 2018“, das Festival des österreichischen Films in Graz, zu Ende. An sechs Tagen präsentierten die beiden Intendanten Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger in ihrer dritten Spielzeit ein durchwegs gelungenes und breites Programm. Inzwischen hat „ihr“ Festival auch ein Alleinstellungsmerkmal: Man versucht nicht, eine „Viennale 2“ zu sein, sondern beweist, dass es auch eine Unzahl guter österreichischer Produktionen gibt, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen.

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Die beiden Intendanten Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger / Foto: Alexi Pelekanos / Diagonale

Das Vorhaben, die Diagonale auch als offenen „Kommunikations-Raum“ zu etablieren, bei dem (durchaus auch unterschiedliche) Meinungen in Kontakt kommen (sollen), ging ebenso voll und ganz auf: Die Stimmung an allen Festivalstandorten war ausgezeichnet, viele Vorstellungen ausverkauft. Das diesjährige Leit-Thema „Provinz vs. Stadt“ erwies sich auch als gut gewählt: Gerade in Zeiten, wo verschiedene Lebensentwürfe immer weiter auseinander zu driften scheinen, erscheint ein bewusstes Zusammenführen von „Zentrum“ und „Peripherie“ als wohl durchdacht und zielführend.

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Sieger Dokumentarfilm: Nikolaus Geyrhalter / Foto: Miriam Raneburger / Diagonale

Die gestern verliehenen Preise spiegeln ebenso eine hohe gesellschaftliche Relevanz und politische Aktualität wider (wie das Programm überhaupt): Der Hauptpreis für „Murer – Anatomie eines Prozesses“ von Christian Frosch ist gerade im Gedenkjahr 2018 ein Signal, der (etwas überraschende) Siegerfilm „Die bauliche Maßnahme“ in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ beschäftigt sich mit einem Thema, das wie kein anderes (nicht nur) die österreichische Öffentlichkeit und den politischen Diskurs der letzten Jahre bestimmte.

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Die beiden Preisträger in den Hauptkategorien / Foto: Miriam Raneburger / Diagonale

Fazit: Ein extrem stark besetztes Festival, ausgezeichnet kuratiert und organisiert, versehen mit einer nicht unwichtigen (und nicht unpolitischen) Botschaft: Gerade in Zeiten immer geschlossenerer digitaler Räume ist das bewusste Eröffnen realer (Kommunikations-)Räume lobenswert und wichtig.

von Christian Klosz

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Foto: Paul Pibernig / Diagonale

 

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