Steven Spielberg spaltet seit jeher die Geister: Die einen sahen in ihm schon in jungen Jahren ein Regie-Genie vom Kaliber eines Alfred Hitchcock, der es wie kaum ein anderer Filmemacher verstand, „intuitiv“ mit der Kamera umzugehen, Spannung zu erzeugen, und Geschichten zu erzählen. Andere wiederum hielten Spielberg stets vor, seine Stoffe nur nach dem Geschmack des „breiten Publikums“ zu richten, Vermarktungspotential über künstlerische Authentizität zu stellen oder gar das Kino zu „entweihen“.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte: Am besten drückte es ein Weggefährte Spielbergs in der sehenswerten HBO-Doku „Spielberg“ (2017) aus: „Steven does not want to make small, personal films, he wants to make big, personal films.“

Tatsächlich finden sich in vielen seiner Werke immer wiederkehrende Motive: Konfliktbeladene Familienkonstellationen, Themen wie Erwachsen-Werden, Einsamkeit, Außenseitertum – überhaupt oft: das Rücken kindlicher Perspektiven ins Zentrum seiner Filme. Natürlich funktioniert all das mal besser („E.T.“), mal schlechter („B.F.G“), auch eine mitunter zu starke Orientierung am Blockbuster-Mainstream, den er selbst mitbegründet hatte, ist nicht von der Hand zu weisen. Vor allem aber in den letzten Jahren zeigte Spielberg, dass aus ihm inzwischen ein „erwachsener“ Filmemacher geworden war, der es durchaus schafft, ernsthafte Stoffe auf die Leinwand zu bringen.

Trotz aller Vorbehalte ist Spielbergs Verdienst um das Kino nicht unüberschätzbar: Wie  wenige prägte er in den letzten Jahrzehnte das US-Kino, das immer noch große Strahlkraft besitzt, versorgte Filmfans auf aller Welt mit Geschichten mit teils mythischer Kraft, schuf in die Popkultur eingegangene Figuren wie Indiana Jones, E.T., oder den weißen Hai, und kreierte schlussendlich mehrere filmische Meisterwerke, die inzwischen zu den Klassikern des Kinos zählen.

Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und hebt sich mitunter von vergleichbaren Listen ab. Die Auswahl entspricht dem persönlichen Geschmack des Autors, und enthält deshalb nicht notwendigerweise alle „großen Klassiker“ Spielbergs, die mithin zum Filmkanon gezählt werden. Mitunter will sie auch weniger bekannte Filme von Steven Spielberg in den Fokus rücken, die bisher oft zu wenig beachtet wurden.

von Christian Klosz


10. „Minority Report“, 2002

Ein für Spielberg-Verhältnisse extrem pessimistischer Film, eine Dystopie nach Sci-Fi-Poet Philip K. Dick, dank der Kamera von Janusz Kaminski auch visuell und stilistisch höchst anspruchsvoll. Eine düstere Zukunfts-Vision über eine Gesellschaft, in der das Verbrechen durch permanente Überwachung der Bürger vorgeblich ausgerottet wurde, und zugleich eine Warnung, dass kein System – wie fortschrittlich auch immer – perfekt ist.

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9. „Schindlers Liste“, 1993

Der Film, nach dem Spielberg zum ersten mal als „ernsthafter Regisseur“ gesehen wurde. Sein Holocaust-Epos um Oskar Schindler, der hunderten Juden im zweiten Weltkrieg das Leben rettete, war zudem für Spielberg auch eine Auseinandersetzung mit seinen eignen, jüdischen Wurzeln.

8. „A.I“, 2001

Spielberg übernahmt das Projekt von Stanley Kubrick, der jahrelang daran gearbeitet hatte. In der ersten Hälfte behält er Kubricks sterile Ernsthaftigkeit bei, der zweite Teil rutscht etwas zu sehr ab Richtung Kitsch. Die Parabel um die Frage, ob künstliche Intelligenz jemals „menschlich“ sein kann, überzeugt nicht auf ganzer Linie, bietet aber dennoch gute Unterhaltung, und wirft wichtige Fragen auf.

7. „Terminal“, 2004

Leichte, unterhaltsame Komödie, in der Tom Hanks einen (osteuropäischen) Flugpassagier spielt, der an einem US-Flughafen festsitzt – und diesen nicht verlassen darf, weil inzwischen in seiner Heimat Krieg ausgebrochen war. Teils zwar etwas kitschig, aber dennoch höchst amüsant. Ideal für einen Filmabend zu Zweit.

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6. „Bridge of Spies“, 2015

Der beste von Spielbergs „erwachsenen“ Filmen der letzten paar Jahre (neben den ebenso überzeugenden „Lincoln“ und „Die Verlegerin“), in denen er sich an der amerikanischen Geschichte abarbeitet: Ein meisterhaft inszeniertes Plädoyer für mehr Menschlichkeit und gegenseitiges Verständnis vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

5. „Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“, 2011

Platz 5? Wirklich? Ja, weil: Die Verfilmung der legendären Comic-Charaktere Tim und Struppi ist höchst unterhaltsames, kurzweiliges Film-Entertainment, in gewisser Weise ein animierter „Indiana Jones“, und Trickfilm-Kino auf höchstem Niveau. Ein Film zugleich für die Jugend und junggebliebene Erwachsene.

4. „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, 1977

Spielberg nahm sich erstmals in großem Stil dem Thema „außerirdische Existenzen“ an: Ein Vorbote des modernen Blockbuster-Kinos, das er in den 80-ern entscheidend mitprägen sollte, verbindet der Film Spielbergs Lieblings-Sujet, die zerbrechende Familie, mit seinem Lieblings-Zugang, der Darstellung von Wundern und dem Glauben an die Macht der Fantasie. Der Film deutet bereits das große inszenatorische Talent an, und zeichnet den Weg der nächsten Jahre vor.

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3. „Catch me if you can“, 2002

Der nächste, starke Film Spielbergs vom Beginn der 00-er-Jahre: Eine meisterhaft erzählte Geschichte, höchst unterhaltsam, zudem bedeutete „Catch me if you can“ auch das erste Aufeinandertreffen zweier der größten Schauspieler ihrer jeweiligen Generation: Tom Hanks und Leonardo DiCaprio. Einer der unverzichtbaren Filme des neuen Jahrtausends.

2. „Das Reich der Sonne“, 1987

Ein oft vergessenes Werk in Spielbergs Filmographie, dabei eines seiner besten: Ein umheimliche berührendes Epos von monumentalen emotionalen Ausmaßen, das auf beeindruckende Weise das Überleben in Zeiten des Kriegs darstellt – aus der Sicht eines Jungen, der seine Familie verliert. In der Hauptrolle: Ein jugendlicher Christian Bale, der danach als Batman große Hollywood-Karriere machen sollte, aber schon hier eine unglaubliche Performance abliefert.

1. „E.T.“, 1982

Spielbergs Meisterwerk: Es gibt keinen zweiten Film wie „E.T.“. Die Geschichte eines auf der Erde gestrandeten Aliens wurde zum Popkultur-Phänomen, und das vollkommen zurecht. Erneut widmet sich Spielberg der „kindlichen Perspektive“, und realisiert auf der Leinwand das, was man sich jedes Kind in seiner Fantasie ausmalt. Zudem wahrlich meisterhaft inszeniert und gespickt mit Szenen, die Spielbergs Virtuosität am Regiestuhl beweisen. Ein Film-Klassiker, der eindrucksvoll die Macht des Kinos demonstriert, und zeigt, was dieses Medium im besten Fall bieten kann: Die Reise in eine andere Welt.

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