Am 8. Februar 2024 startet die Neuverfilmung des berühmten Romans „Die Farbe Lila“ der US – amerikanischen Schriftstellerin Alice Walker in den Kinos. Bereits Steven Spielberg hatte das Buch 1985 mit Whoopi Goldberg erfolgreich verfilmt.
Erst Buch, dann Film, dann Musical und nun ein Musical-Film. Alice Walkers wohl bekanntester Roman „Die Farbe Lila“ wird erneut einem kompletten Hollywood-Treatment unterzogen – und verliert dabei seine Essenz. Das extravagante Projekt ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man eine Geschichte eben nicht adaptieren sollte. Trotz eines interessanten Casts und eines offensichtlich beachtlichen Budgets fällt diese Version von Regisseur Blitz Bazawule leider flach.
Celie (Phylicia Pearl Mpasi, Fantasia Barrino) wird von ihrem Vater (Deon Cole) missbraucht und hat nur ihre geliebte Schwester Nettie (Halle Bailey, Ciara) als Trost. Nachdem sie gezwungen wird, ihre Kinder Adam (Terrence J. Smith) und Olivia (Tiffany Elle Burgess) wegzugeben, entschließt sich ihr Peiniger auch, sie loszuwerden und verheiratet sie mit Mister (Colman Domingo), der sie nicht viel besser behandelt. Doch nach und nach gewinnt Celie durch neue Freundschaften und ihre Liebe zu Shug Avery (Taraji P. Henson) das Selbstbewusstsein, sich ein besseres Leben aufzubauen…

Die Probleme dieser „Die Farbe Lila“-Aption beginnen bei der Entscheidung, die Geschichte nicht als Drama neu zu verfilmen, sondern sich am Musical zu orientieren. Dieses war bereits 2005 bei dessen Ersterscheinung kein kritischer Erfolg – zurecht, denn wer das Buch jemals in der Hand hatte, sollte schnell erkennen, dass es sich keineswegs als Musical-Stoff eignet. Ein Briefroman über die Schwierigkeiten des Lebens als arme, schwarze Frau im ländlichen Süden, der literarisch an den Naturalismus angelehnt ist und anhand fast beiläufiger Beschreibungen von Dingen wie Vergewaltigung, Inzest, häuslicher Gewalt und Rassismus erzählt, bietet eigentlich nicht viel Raum für den pathetischen, theatralischen Stil des Musicals, für den sich eher epische Werke, Historienromane und Melodramen eignen. Es liegt also von Anfang an ein fundamentales Missverständnis des Ausgangstoffes vor, was keine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Adaption ist.
Hinzu kommt, dass die Musik, welche Großteils von der Broadway-Produktion übernommen wurde, nur wenig zu bieten hat: Unoriginell, monoton und viel zu überdreht für den narrativen Inhalt bietet der Soundtrack kaum ein Lied, das im Gedächtnis bleiben würde. Die Darstellung von Szenen, in denen Frauen sexuell, verbal und körperlich misshandelt werden, gefolgt von kitschigen Solos und aufgedrehten Ensemble-Nummern sorgt für eine Dissonanz, aus der man als Zuschauer nur schwer herausfindet.
Doch auch als Film beeindruckt „Die Farbe Lila“ nicht: Die Kamera wird zwar schwungvoll über das Set manövriert, bedient sich dabei allerdings schon längst verbrauchten Tricks, die Celies ganz eigene Perspektive nicht visualisieren, sondern das Publikum lediglich durch spektakuläres Hin-und-Her-Schwenken ablenken soll, damit es hoffentlich vergisst, sich zu langweilen. Auch die Kulissen selbst werden behandelt wie Theaterbilder, statt sie ins gewählte Medium zu übertragen und wirken in ihrem mehrmaligen Umbau zwischen den musikalischen Einlagen eher hektisch und aufdringlich. Zwar beeindruckt der Film mit der Qualität der Sets, des Kostümdesigns und der akrobatischen Choreografie, doch was nützt das, wenn nichts davon der eigentlichen Geschichte auf effektive Weise dient?
Der Star-besetzte Cast von „Die Farbe Lila“ leidet trotz bekannter Ausnahmetalente unter dem Drehbuch, welches von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, da es nicht den Originalstoff selbst zur Hand nimmt, sondern den von Marsha Norman verfassten Text des Musicals als Vorlage verwendet. Jegliche Nuancen der komplexen Beziehungen zwischen den Figuren des Romans gehen hierbei endgültig verloren – was übrig bleibt ist eine mit Kitsch beladene, oberflächliche Farce, angeführt von zweidimensionalen Figuren, deren überspielte Charakteristika bis ins Lächerliche reichen. Nicht einmal Taraji P. Johnson kann daran etwas ändern und obwohl der Film sich mit der Liebesgeschichte zwischen Celie und Shug etwas mehr traut, als das Broadway-Musical, herrscht zwischen den beiden Frauen keinerlei Chemie oder engere Vertrautheit. Allein ein verstohlener Kuss, den man fast als prüde bezeichnen könnte, deutet die Affäre an.
Fazit
Ein wahrer Adaptionsalbtraum – „Die Farbe Lila“ jagt den Ursprungsstoff durch so viele Überarbeitungsprozesse, dass am Ende nichts übrigbleibt als ein inhaltsloses Gerüst mit teurem Hollywood-Anstrich. Bei dieser misslungenen Neuverfilmung wurden einige grundlegende Fehler begangen, die kein Budget und auch kein Star-Cast überdecken können.
Wertung
(39/100)
„Die Farbe Lila“
Besetzung: Taraji P. Henson, Danielle Brooks, Colman Domingo, Halle Bailey, H.E.R, u.v.a.
Regie: Blitz Bazawule
Produziert von: Oprah Winfrey, Steven Spielberg, Scott Sanders und Quincy Jones
Kinostart: 8. Februar 2024
Weitere anstehende Remakes/Reboots:
-> Cliffhanger 2 mit Sly Stallone
-> Sister Act 3 mit Whoopi Goldberg
Bild: 2023 Warner Bros. Entertainment Inc.

Genau, so ist es 🙂
Wenn ich dein Fazit lese, dann weiß ich wieder, warum ich lieber bei den Originalen bleibe. Gerade hier ist das Original kaum zu schlagen.
Ja, scheint eine sehr unnötige Neuadaption zu sein….
Wie alle Remakes. 😉
Das trifft tatsächlich auf so gut wie alle Fälle zu. Ausnahmen wie „Eine Handvoll Dollar“ von Sergio Leone bestätigen die Regel.
Stimmt. Das ist ja sozusagen das Western – Remake vom Samurai – Film Yojimbo.