Von einem „österreichischen Filmwunder“ zu sprechen wäre vermessen, Tatsache ist aber, dass hierzulande in den letzten Jahren vermehrt kleinere, höchst interessante und meist qualitativ hochwertige Filme in der Vordergrund drängen, die auch auf heimischen und internationalen Festivals reüssieren können. „Cops“, einer dieser Filme, auch bei der Diagonale 18 mehrfach prämiert, feiert am 21.9. seinen regulären Kinostart, und überzeugt auf ganzer Linie: Nicht nur ein toller Soundtrack, sondern auch eine geradlinige Inszenierung und durchwegs gute Schauspielleistungen sorgen für ein besonderes Kinoerlebnis.

Christoph (Laurence Rupp) will schon seit der Kindheit zur WEGA, wie er sagt. Sein Vater (Roland Düringer) ist ebenfalls Polizist – inzwischen aber etwas altersmilde als „Fanbetreuer“ bei Fußballspielen. Christoph strotzt nur so vor Testosteron vor seinem ersten Einsatz: Sein Vorgesetzter Blago nimmt ihn zu einem Deeskalations-Einsatz zur Wohnung eines psychisch Kranken mit. Doch alles gerät außer Kontrolle, Christoph schießt auf den Mann, der Blago attackieren wollte – und der schließlich seinen Verletzungen erliegt. Für Christoph beginnt ein schmerzhafter Prozess, das Erlebte zu verarbeiten, und zu erkennen, dass machohafte Haudrauf-attitude auch ihre Schattenseiten birgt.

Anton

„Cops“ ist ein Film, den man im Englischen wohl mit dem Begriff „visceral“ beschreiben müsste: Ein unterhaltsamer Schlag in die Magengrube, dabei reflektiert und klug, herrschende Zustände beschreibend und hinterfragend – ohne mit dem Zeigefinger belehren oder einfache Antworten liefern zu wollen. Die Wiener Spezialeinheit der Polizei, die WEGA, wird als – einer der letzten? – Horte des gepflegten Machoismus gezeichnet, in dem gestählte Körper, überschießender Mut und Testosteron die Währungen im täglichen Kampf um Anerkennung und Akzeptanz der Kollegen sind. Doch wie immer ist übersteigerte Männlichkeit brüchig, liegen oft fragwürdige Motive hinter der rauen Fassage, ist der agile, aufgepumpte, stets einsatzbereite Körper das verkehrte Zerrbild zweifelnder, fragiler Psychen.

Wega

Christoph muss das schnell – vielleicht zu schnell – lernen, es dauert, bis er seine Wut nicht mehr gegen sich selbst und andere richtet. Der Film veranschaulicht diese inneren Konflikte plastisch und emotional, lässt einen als Zuseher mitfühlen und mitfiebern, und entwickelt Verständnis für den getriebenen Protagonisten. Regisseur Stefan A. Lukacs hütet sich vor klischeehaften Bildern, lässt genug Platz für Ambivalenzen, für (offene) Fragen und Reflexionen. Positiv herauszustreichen ist der treibende Soundtrack, der mit Synthie-Sounds und Dubstep-Einschüben die Innen- und Außenwelt der Charaktere ideal illustriert, und dem Film ordentlichen „Drive“ verleiht. Einzige kritische Anmerkung: Das Ende des Films wirkt etwas abgehackt und unrund, weitere 30 Minuten hätten durchaus nicht geschadet.

Fazit:

„Cops“ ist ein überzeugender Film, ein österreichischer Polizei-Thriller, der zugleich Milieu- und Charakterstudie ist, der einen vor Allem emotional mitnimmt und fordert und mit beeindruckenden Bildern und Sounds den Zuschauer in den Kinosessel drückt. Pflichttermin!

Wertung:

9 von 10 Punkten

ab 21.9. im Kino

von Christian Klosz

Bilder: © Filmladen Verleih

Advertisements