Stieg Larssons mittlerweile international bekannte Bücherreihe über Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist wurde schon diverse Male verfilmt. Zuletzt erschien die US-Adaption „Verblendung“ („The Girl with the Dragon Tattoo“) im Jahr 2011 unter der Regie von David Fincher mit Daniel Craig und Rooney Mara in den Hauptrollen. Nun folgt der nächste Streich: Anstatt mit den beiden weiteren Teilen der Trilogie Larssons fortzusetzen, entschied man sich mit „Verschwörung“ – im Original „The Girl in the Spider’s Web“ – für die Verfilmung eines von David Lagercrantz verfassten Romans, der im Auftrag von Larssons Erben die Geschichte der sogenannten „Millennium“-Reihe fortsetzt.

Zwei kleine Mädchen Schach spielend in einem dunklen, kahlen Raum. Als der Vater sie zu sehen wünscht, erscheint das eine alarmiert, das andere unterwürfig. Gleich zu Beginn sowie den ganzen Film hindurch erfahren wir einiges aus der Vergangenheit der faszinierenden Frauenfigur Lisbeth Salander, diesmal von Claire Foy verkörpert. Abgesehen davon, dass Lisbeth diesmal von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, folgt die talentierte Hackerin ihrer gewohnten Agenda.

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Claire Foye als Lisbeth Salander in „Verschwörung“

Da Lisbeth Salander aufgrund einer Reportage zu ihrer Person mittlerweile allerorts bekannt ist, heuert sie der Ex-NSA-Mitarbeiter Frans Balder (Stephen Merchant) an, um ein von ihm eigens entwickeltes Programm zurück zu beschaffen, da er die Gefährlichkeit jenes Programms unterschätzt hatte. Mit diesem lassen sich nämlich diverse Nuklearraketen der Welt kontrollieren. Doch dabei bleibt es nicht: Auch innerhalb der NSA scheint es eine Verschwörung zu geben, die es aufzudecken gilt. So muss Lisbeth Salander es nicht nur mit dem Geheimdienst an sich sowie dem NSA-Spezialisten Alona Casales (Keith Stanfield) aufnehmen, sondern auch mit einer kriminellen Organisation namens „Spider Society“. Salander findet sich so – metaphorisch – in einer Art „Spider’s Web“ mitsamt korrupten Regierungsbeamten gefangen.

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Fede Alvarez, der unter anderem bereits bei Thrillern wie „Don’t Breathe“ oder dem Remake zu „Evil Dead“ Regie geführt hatte, lässt – ganz wie es in der Romanvorlage der Fall ist – die Figur der Lisbeth Salander im Mittelpunkt stehen. Allerdings inszeniert er sie ganz anders, als das in den bisherigen Filmen – die wohlgemerkt unter anderer Regie entstanden – der Fall war. Aus der ambivalenten Anti-Heldinnengfigur wird eine Art Action-Superheldin, deren Tiefgang kaum mehr zu erkennen ist. Auch wenn Claire Foy („Unsane“) gut spielt, gleicht die Figur ihren Vorgängerinnen lediglich nur mehr optisch. Die Figur wirkt wesentlich tougher beziehungsweise robuster, infolgedessen weniger „lasterhaft“. So fehlt ihr auch jede Spur von zerstörerischer Tendenz bezüglich ihres eigenen Lebens sowie der Leben anderer, die in gewisser Weise auch Teil der Besonderheit der Figur war.

Auch der Journalist Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason), der sowohl in Stieg Larssons Romanvorlagen, als auch in den Verfilmungen essentiell für die Narration war und der neben Lisbeth Salander eine der beiden Hauptfiguren darstellt, geht in „Verschwörung“ komplett unter. Er ist kaum noch zu sehen, nimmt so lediglich eine funktionelle Rolle ein und selbst die wenigen Hilfestellungen, die er Lisbeth liefert, findet sie zeitgleich genauso gut selbst heraus.

Von diesen Kritikpunkten abgesehen gibt es einige spannende Schlüsselszenen, die durchaus auch hinsichtlich ihrer Ästhetik sehenswert sind. Die düsteren, stets in kalten Farben gehaltenen Bilder tragen schön zur allgemeinen Stimmung des Films bei. Zudem wird „Verschwörung“ von einer ebenso düsteren beziehungsweise spannungsaufbauenden Soundkulisse begleitet.

Fazit:

Die nahezu vollständige Absenz der Figur Mikael Blomkvist sowie die Neuinterpretation der Figur Lisbeth Salander schaden dem Film um vieles mehr, als sie frischen Wind für die Geschichte bringen. Im Großen und Ganzen ist „Verschwörung“ aber ein Film geworden, der trotz alledem von einer gewissen Spannung und auch actionreichen Szenerie geprägt ist. An die bisherigen Verfilmungen kommt er aber nicht heran.

Bewertung:

6 von 10 Punkten

von Elli Leeb

 

Bilder: © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH