Viel Wirbel gab es im Vorfeld um den Film „Hard Powder“, genauer gesagt um kontroverse Äußerungen des Hauptdarstellers Liam Neeson: dieser erzählte von rassistischen Gefühlen, die er nach der Vergewaltigung einer Freundin hatte – Gefühle, für die er sich selbst schämte. Die Konsequenz waren ein Shit-Storm und eine Absage der Premiere des Films. Doch nun kommt der Action-Thriller des norwegischen Regisseurs Hans Petter Moland, gleichsam ein Remake seines eigenen Films „Einer nach dem anderen“ aus dem Jahr 2014, am 1.3. in die österreichischen Kinos.

Liam Neeson mimt darin den wortkargen Schneepflugfahrer Nelson Coxman, der mit Ehefrau (Laura Dern) in einem Ski-Gebiet in Colorado lebt. Dort räumt er tagein, tagaus die meterhohen Schneemassen beiseite. Mit einer ganz anderen Art von Schnee bekommt er es zu tun, als sein Sohn von Handlangern des Drogenbosses Viking (Tom Bateman) wegen einer verschwundenen Kokainlieferung ermordet wird. Dies markiert den Beginn eines eisigen Rachefeldzugs durch Nelson, der prompt einen Bandenkrieg zwischen Vikings Gruppe und einer rivalisierenden indianischen Gang auslöst.

Woran es dem Action-Thriller jedoch merkbar fehlt, ist jegliche Art von Action oder Thrill. Mal um Mal macht Nelson einen Gangster ausfindig, entlockt ihm mit ein wenig Brachialgewalt den Namen seines nächsten Opfers, erschießt ihn. Und so walzt der Film Szene für Szene seine knappen zwei Stunden Spielzeit voran. Action sucht man vergeblich, doch auch die Dialoge sind ohne Sinn für Spannung geschrieben und wenn Nelson seine One-Liner raushaut, entlockt einem das bestenfalls ein müdes Augenrollen.

Es gibt humorvolle Momente, doch viele davon fallen dem fürchterlichen Timing zum Opfer. Die Stimmung, die aufkommt, wenn der Name eines weiteren Mordopfers auf der Leinwand das Ableben desselbigen verkündet, damit die Leiche dann zum heiter-verschmitzten Gitarrenscore entsorgt wird, wäre durchaus spaßig, wenn sie konsistent bliebe. Und auch schwarzer Humor ist keine Ausrede dafür, dass sich der Film nicht entscheiden kann, ob die Identifizierung der Leiche des Sohnes tragisch oder lustig sein soll. Diese Gratwanderung mag bei Tarantino und den Coens schonmal gelungen sein, nicht aber hier.

Neeson, der bereits vergleichbare Filme gestemmt hat, wird schauspielerisch nicht viel abverlangt, aber er erledigt seine Sache gewohnt gut. Sehr viel mehr Spaß machen die Szenen mit Tom Bateman, der den spießigen Drogenboss mit einem herrlichen Hang zur Übertreibung spielt. Laura Dern, hier als trauernde Mutter, ist wie immer großartig, verschwindet aber leider nach einem Drittel der Laufzeit spurlos aus dem Film.

Überraschend sind jene Augenblicke, in denen „Hard Powder“ soziale Probleme anzusprechen versucht. Neben dem Herauskehren absurder Vorstellungen von Männlichkeit betrifft dies in erster Linie das Leid der Native Americans, dem einiges an Raum gegeben wird. Es sind lobenswerte Bemühungen, die in einem Film, der ohnehin nicht recht weiß, welchen Grundton er anschlagen will, aber ungelenk daherkommen und letztlich nicht aufgehen.

Fazit:

„Hard Powder“ versucht sich durch seinen schwarzhumorigen Zugang von vergleichbaren Filmen abzuheben. Dies gelingt ihm kaum, stattdessen lassen ihn eine öde Handlung und eine Inkonsistenz im angeschlagenen Ton hinter Genre-Vertretern zurückfallen. Auch die gelungenen Aspekte, die sich finden, schaffen es nicht, den Film ins Mittelmaß und zum unterhaltsamen Popcorn-Film aufsteigen zu lassen.

Bewertung:

4 von 10 Punkten

von Paul Kunz

Bilder: © Studiocanal GmbH / Doane Gregory

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