Was haben „Es“, „Halloween“ und „Suspiria“ gemeinsam? Zum einen gelten sie alle als moderne Klassiker des Horrorfilms, zum anderen feierten ihre ikonischen Charaktere in den letzten zwei Jahren ihre Rückkehr auf die Kinoleinwand. Als jüngste Kultfigur wird nun ein kleiner Quälgeist namens Chucky wiederbelebt und von manchen Fans schon vorab kritisch beäugt.

von Daniel Krunz

Neuester Verkaufsschlager des Elektronik-Giganten „Kaslan“: Die Puppe „Buddi“, ein sprechendes Smart-Toy, das „Alexa“ nicht unähnlich, dazu designt ist, einem die Steuerung seiner technischen Geräte abzunehmen und den Wünschen seiner Besitzer nachzukommen. Ein fehlerhaftes Exemplar des Erfolgsprodukts landet im Kinderzimmer des 13-jährigen Andy, der die erfrischend unkonventionelle Puppe schnell ins Herz schließt. Doch statt sein Leben zu erleichtern, macht ihm der Spielkamerad selbiges schwer, denn um seinen besten Buddy glücklich zu stimmen, geht die Puppe über Leichen.

Kennern des „Chucky“-Franchises dürften bereits einige Freiheiten gegenüber der Quelle aufgefallen sein. Wie so oft entscheidet sich das Gelingen dieses Remakes beim ersten Schritt, der hier in die richtige Richtung getan wird. Von Anfang an spielt „Child’s Play“ keine Nacherzählung der Ursprungsgeschichte, sondern eine Neuinterpretation ihrer Grundidee durch. Das Team um Regisseur Lars Klevberg übersetzt das Prinzip einer diabolischen Puppe in einen zeitgenössischen Kontext und aktualisiert damit die gesellschaftlichen Ängste, die ihm zugrundeliegen. Bei Premiere des Originals befand sich der „Satanic Scare“, die (irrationale) Paranoia um einen angeblichen okkultistischen Untergrund auf seinem Höhepunkt, so kam als Erklärung der Prämisse ein Voodoo-Fluch, der den Geist eines Serienkillers auf ein Kinderspielzeug überträgt, wohl gelegen. 31 Jahre später beherrschen ganz andere Sorgen die aufgeklärte Gesellschaft und künstliche Intelligenzen, die unsere intimsten Informationen sammeln, sind die oft unbehagliche Realität.

Hier setzt Chuckys jüngste Inkarnation an und zeichnet das absolute Worst Case-Szenario einer verselbstständigten Denkmaschine. Glücklicherweise geschieht dies unter Beibehaltung des rotzfrechen Grundtons der Filmreihe, deren schwarzhumoriger Anstrich auch dem Remake seinen charakteristischen Glanz verleiht. Auf typisch bitterböse Art lässt der Mini-Terminator seine Opfer mit sadistischen Einfällen das Zeitliche segnen und rückt zusammen mit anderen aktuellen Erscheinungen grafisch expliziten Horror von der intellektuell aufgeladen Arthouse-Ecke wieder in den Mainstream. Ein gewitztes Drehbuch, gespickt mit unkorrekten Dialogen und imperfekten Charakteren, die vom Cast teils sympathisch, teils entschieden unsympathisch verkörpert werden, runden dieses Schauermärchen für die Generation Y ab.

Bei aller Selbstständigkeit verzichtet „Child’s Play“ aber nicht auf Referenzen an die Originalreihe und liefert nebenher auch intertextuelle Querverweise auf andere Klassiker des fantastischen Films der 1980er. Besonders ein ganz konkretes Werk um einen Jungen und seinen außergewöhnlichen Freund wird zitiert und satirisch verzerrt. Auch sonst herrschen die dramaturgischen Konventionen des Referenzjahrzehnts vor, was einem Teil des Publikums womöglich den Wermutstropfen serviert: Die generische Slasher-Formel und berechenbare Jumpscares müssen mit verdaut werden, um diese kleine Spezialität zu genießen. Als schwere Kost erweist sich aber auch das gewöhnungsbedürftige Design der Puppe, das der zynischen Kindlichkeit der klassischen Version nicht nahe kommt, mitunter aber über eigenen, unheimlichen Charme verfügt.

Wer darüber hinaus in den Genuss einer Originaltonfassung kommen kann, sollte diese Chance nützen, um Zeuge vom Voice-Actor Talent des „Luke Skywalker“-Darstellers Mark Hamill zu werden, der Chucky seine Stimme leiht. Doch auch die deutsche Sprachfassung weiß mit Verpflichtung von Hamills Stammsynchronsprecher zu punkten und tut dem Vergnügen keinen Abbruch.

Fazit

Chuckys Wiedergeburt meistert den Balanceakt zwischen Original und Originalität recht souverän und schafft es dabei, Seitenhiebe auf eine konsumgeile Gesellschaft und ausbeuterische Firmenmonopole auszuteilen. Dem ironischen Unterboden entwächst aber auch eine stimmig gezeichnete Beziehung, die mitunter sogar Sympathie für den Antagonisten entlockt. „Child’s Play“ kommt bewährt zynisch und blutig daher und lässt diese willkommene Abwechslung im Reigen belangloser Remakes wie ein Kinderspiel aussehen. Der Film ist ab 18.7. im Kino zu sehen.

Bewertung

7 von 10 Punkten

Bilder: Eric Milner

Ratings

C. KloszC. Brocker-
hoff
M. Hollen-
stein-T.
E. LeebD. KrunzP. KunzO
726970.5