„Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978)

von Cliff Brockerhoff

Handlung:

„Ein Mensch würde das nicht tun. Er ist kein Mensch.“ Der kleine Michael Myers erweist sich schon früh als schwieriges Kind. Im zarten Alter von sechs Jahren ermordet er in der Halloweennacht seine ältere Schwester mit multiplen Messerstichen. Zur Belohnung folgt eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik, aus der Michael jedoch 15 Jahre später ausbrechen kann. Sein Weg führt ihn zurück in seine Heimatstadt Haddonfield, und er beschließt erneut auf die Jagd zu gehen.

Anders als bei vergleichbaren Emporkömmlingen derselben Generation ist die vom Protagonisten ausgehende Bedrohung von Beginn an spürbar. John Carpenter verzichtet in seinem Klassiker aus dem Jahre 1978 auf eine lange Einführung und konfrontiert den Betrachter ohne Umwege mit dem Geschehen in der fiktiven Kleinstadt in Illinois. Nahezu keine Sequenz vergeht ohne dass der wortkarge Küchenmesserfan irgendwo sein Unwesen treibt. Die so erzeugte Spannung und damit einhergehende Anspannung lässt keine Zeit zum Luftholen und gipfelt im legendären Showdown zwischen Myers und Jamie Lee Curtis, die schon im ersten Teil der Filmreihe als Gegenspielerin des Serienkillers agiert.

Halloween-Main

Atmosphäre:

In Sachen Stimmung macht „Halloween – Die Nacht des Grauens“ fast alles richtig. Etliche subtile oder auch direkte Schockmomente sorgen für einen durchgehend hohen Spannungsbogen, der von einem der besten Filmsoundtracks aller Zeiten untermalt wird. Die weltbekannte Titelmelodie sorgt immer wieder für Gänsehaut, und auch der Rest des Scores erweist sich als äußerst wirksam. Dazu passt auch die Darstellung des Killers, der zwar oft nur für kurze Zeit zu sehen oder zu hören ist, durch seine ständige Umtriebigkeit aber eine permanente Gefahr ausstrahlt. Dunkler Overall, weiße Gummimaske, blutverschmiertes Küchenmesser: Michael Myers ist das Aushängeschild des Slasherfilms und gilt noch heute als Vorreiter einer ganzen Reihe von Klassikern, die nach 1978 auf der großen Leinwand erschienen.

Effekte:

Angesichts seiner Entstehungszeit verwundert es auch nicht, dass der inflationäre Einsatz von Computereffekten ausbleibt. Alle Morde kommen ohne literweise Kunstblut aus und ereignen sich letztlich auch nicht in einer besonders hohen Schlagzahl, sondern sind intelligent platziert und so inszeniert, dass sie tatsächlich so stattfinden könnten. Natürlich sind dabei nicht sämtliche Handlungen der Charaktere zwingend nachvollziehbar, angesichts des Genres ist dies aber kein echter Kritikpunkt. Bestätigt wird dies vom Einspielergebnis, das das Budget um ein vielfaches übersteigt. Weltweit konnte der Film in etwa 70 Millionen Dollar einspielen während das Budget bei gerade einmal 325.000 Dollar lag.

Michael-Myers-Halloween-1978

Fazit:

Michael Myers ist unumstritten eine der Ikonen der Horrorfilmgeschichte. Carpenters erster Teil der Reihe ist ein nahezu perfekter Horrorfilm, der ohne viel Drumherum eine dichte Atmosphäre erzeugt und auch 40 Jahre nach seiner Entstehung überzeugen kann. Während Kritiker ihm eine frauenfeindliche und sadistische Einstellung attestieren, mordet der schweigsame Serientäter sich unbekümmert durch die Kleinstadt und ist dabei, damals wie heute, einfach unsterblich.


„Halloween“ (2018)

von Mara Hollenstein-Tirk

Handlung:

40 Jahre sind vergangen seit jener schicksalshaften Nacht, in der Michael Myers die Flucht gelang und er eine Spur aus Leichen hinterließ, bis er schließlich auf die Schülerin Laurie Strode traf. Während Myers die Zeit, nach wie vor wortlos, in einer geschlossenen Einrichtung verbrachte, war Laurie, schwer traumatisiert von jener Nacht, stetig damit beschäftigt, sich und ihre Familie auf eine weitere Begegnung mit dem „Boogeyman“ vorzubereiten. Obwohl sie sich aufgrund ihrer Paranoia einiges von den unterschiedlichsten Seiten anhören durfte, verstummen die Zweifler umso schneller, als Michael während der Verlegung in eine andere Einrichtung tatsächlich die Flucht gelingt und sich erneut die Leichen zu stapeln beginnen.

Die Geschichte, welche Carpenter vor genau 40 Jahren erdacht hatte, ist zu Recht zum Kult avanciert, immerhin begründete er mit diesem Werk viele Stilmittel des Genres, die wir heute als Klischees wahrnehmen. Der neueste Vertreter des Franchise, der gut daran tut, die übrigen Teile einfach zu ignorieren, lässt dabei ganz eindeutig seine Bestrebung erkennen, dem Ursprung der Saga ebenso wie seinem Schöpfer ein Hommage zuteil werden zu lassen. Viele Szenen referenzieren das Original, ohne einen Hehl daraus zu machen, trotzdem schafft es der Film, eine eigene Identität zu entwickeln.

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Atmosphäre:

Der erstaunlich detailreich ausgearbeiteten Story, vor allem im Hinblick auf das Genre, ist es geschuldet, dass die ersten Minuten des Films den Zuschauer eher an einen Thriller als an einen Slasher denken lassen. Dies geht allerdings glücklicherweise nicht auf Kosten des Spannungsbogens, denn durch den gelungenen Soundtrack, der teilweise aus dem Original übernommen wurde, ebenso wie aufgrund einer unheilschwangeren Stimmung, die über dem Geschehen wabert, weiß der Film bereits in dieser frühen Phase des Präludiums den Zuschauer an den Kinositz zu fesseln. Sobald Myers dann auf freiem Fuß ist, macht der Streifen keine Gefangenen mehr und Michael arbeitet sich von Haus zu Haus weiter, immer im Schatten lauernd, als stumme Bedrohung im Hintergurnd, als unbesiegbare Präsenz in Erscheinung tretend. Die bei vielen Genrevertretern gerne allzu inflationär gesetzten Jump Scares begrenzen sich hier auf ein erfrischend überschaubares Maß und werden zudem auch noch effektiv eingesetzt, um die bereits aufgebaute Spannung noch zu steigern.

Effekte:

In einer Zeit, in der dank des Einsatzes von CGI den Filmemachern eigentlich kaum noch Grenzen gesetzt sind, wird hier dankenswerterweise tatsächlich großteils auf eben solches verzichtet; die Affinität für handgemachte Spezialeffekte stellt dabei nicht nur eine weitere Verneigung vor dem Ausgangsmaterial dar, sondern trägt auch maßgeblich zur Spannung bei. Aufgeschnittene Kehlen, zur Unkenntlichkeit verrenkte Gliedmaßen und ausgerissene Zähne wirken beim Zuschauer umso kraftvoller, wenn dabei das Gefühl entsteht, etwas real Existierendes auf der Leinwand zu Gesicht zu bekommen. Die Wirkung einer aufwendig und minutiös gearbeiteten Maske ist auch heute noch einfach unübertroffen.

Fazit:

Mit dem diesjährigen „Halloween“ haben es die Macher tatsächlich zu Stande gebracht einen Film zu erschaffen, der Hommage und eigenständiges Werk zugleich ist. Obwohl er sich dabei eindeutig an seinen Wurzeln orientiert, schafft er es vor allem in puncto Story mehr zu bieten, als die meisten anderen Vertreter seines Genres. Auch die Schauspieler haben sichtlich Spaß an der Wiederkehr in ihren Kultrollen und verleihen den Charakteren damit mehr Tiefe als erwartet; die Spannung wird dabei allerdings trotzdem auf einem konstant hohen Level gehalten. Hätte man noch auf die ein oder andere Unwahrscheinlichkeit verzichtet und wäre nicht jedem sich anbietenden Klischee hinterher gelaufen wie der Hund seinem Stock, hätte man tatsächlich ein weiteres Kultwerk schaffen können. So bleibt es „nur“ bei einem überdurchschnittlichen Genrevertreter und einer äußerst gelungenen Fortsetzung.

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