Kürzlich wurde bekannt, dass der 89-jährige Ausnahmeregisseur bereits den nächsten Film abgedreht hat, der im Dezember in die US-Kinos kommen soll. Derweil scheinen sich die deutschsprachigen Free-TV-Sender Eastwood-Festspielen hinzuben, heute Abend ist nicht nur „Invictus“ auf ARTE zu sehen, sondern auch das inzwischen bereits 10 Jahre alte Meisterwerk „Gran Torino“ (20:15, SAT1)

von Christian Klosz

Der Film stellt den vorläufigen Höhepunkt von Eastwoods „liberaler“ Phase dar, in der er, der deklarierte Republikaner, „linke“ Themen und Stoffe be- und verarbeitete, was ihm nicht wenig Applaus von progressiver politischer Seite entgegenbrachte: Sterbehilfe („Million Dollar Baby“), Homosexualität („J. Edgar“) und Apartheit („Invictus“), um nur einige zu nennen.„Gran Torino“ nun widmet sich mit unglaublicher Sensibilität der „multikulturellen Gesellschaft“, ist zugleich Milieustudie einer asiatischen Einwanderer-Community in den USA wie Parabel über Mann-Werden und Männlichkeit, alles auf dem Gerüst eines klassischen Western-Plots.

Walt Kowalski (Clint Eastwood), mürrischer Einzelgänger in einem amerikanischen Vorort in Detroit, der zunehmend von asiatischen Einwanderern besiedelt wird, verliert seine geliebte Frau, wodurch er noch mürrischer und einsamer wird. Seine Söhne wollen ihn ins Altersheim abschieben, die einzigen, bleibenden Freuden am Ende eines von Kriegsdienst und harter Arbeit gezeichneten Lebens sind das tägliche Bier und Zigarette auf der Veranda des kleinen, vereinsamten Eigenheims.

Durch Zufall freundet sich Walt mit Sue (Ahney Her), der Tochter der asiatischen Nachbarn, und schließlich mit deren Bruder Tao (Bee Vang) an, dem er in der Folge als Vaterersatz dient. Die entstehenden Gefühle von gegenseitiger Sorge und Fürsorge, die Walt aus seiner eigenen Familie nahezu unbekannt sind, münden schließlich in ein rührendes wie tragisches Ende, in dem der geplagte Held aber seinen lang ersehnten Frieden zu finden scheint.

Eastwood erzählt, wie gewohnt, mit stoischer Ruhe die Geschichte eines Einzelgängers, der, geplagt von den Dämonen der Vergangenheit, durch die Wüste (der amerikanischen Vororte) zieht. Den Glauben an Erlösung längst aufgegeben, fristet er ein trostloses Dasein in einer ihm fremd gewordenen Welt. Erst eine Frau (die offene, hoffnungsfrohe Sue) erweckt seine Lebensgeister wieder, wodurch er am Ende seines Lebens noch einmal erfahren darf, was es bedeutet, gebraucht zu werden bzw. jemanden zu brauchen.

Sichtbar ist in „Gran Torino“ auch Eastwoods Prägung durch den amerikanischen und vor Allem den Italo-Western a la Sergio Leone: Langsames Erzähltempo, einsamer „Outlaw“, der die Welt zum Feind hat, und der schließlich einer Frau bedarf, um ein Quäntchen Glauben an das „Gute im Menschen“ zurückzuerlangen.

Am Ende steht ein wunderbarer, rührender Film, der über das Leben, den Tod, Liebe, Freundschaft und Männlichkeit erzählt. Über kleine erzählerische Schwächen am Ende kann man locker hinwegsehen. Eastwood hat hier, so scheint es, mit unglaublicher Beiläufigkeit ein kleines Kunstwerk geschaffen, das einen Großteil des Hollywood-Einheitsbreis mit Leichtigkeit in den Schatten stellt. Am SO, 25.8. um 20:15 auf SAT 1

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