Seit Donnerstag lässt das /Slash-Festival in seiner 10. Ausgabe wieder blutige Messer, abgetrennte Körperteile und tödliche Kugeln über die Kinoleinwände Wiens flirren. Der Eröffnungsfilm „The Lodge“ wurde durchaus mit Wohlwollen aufgenommen, aber als bisheriger Publikumsfavorit, wenn man die direkten Reaktionen während und nach dem Screening als Maßstab nimmt, muss wohl „Why don’t you just die!“ von Kirill Sokolov gelten, der ein wunderbar unterhaltsames, kurzweiliges, witziges und blutiges Regie-Debüt hingelegt hat, das sich am besten als russischer Leone-Tarantino-Kammerspiel-Western bezeichnen lässt.

von Christian Klosz

Kurzer Plot-Abriss: Der junge Matvei taucht, mit einem Hammer bewaffnet, vor der Wohnungstür von Cop Andrei auf. Seine Absicht ist genau jene, die man vermuten mag, sein „Auftraggeberin“ ist Olya, seine Freundin und die Tochter Andreis, die behauptet, von ihrem Vater als 12-Jährige sexuell missbraucht worden zu sein. Der edle Ritter Matvei steht nun mit seinem Hammer in Andreis Wohnung rum und schaut böse drein, der clevere Cop riecht den Braten dann doch irgendwann, und kettet Matvei im Badezimmer an. Einige gebrochene Knochen und Bohrlöcher im Bein später nimmt eine blutige Revenge-Story ihren Lauf, die klassischen Western-Motiven folgt, und sich mehr oder weniger komplett in den 3 Zimmern von Andreis Wohnung abspielt.

Matvei will Andrei zeigen, wo der Hammer hängt.

Was macht nun „Why don’t you just die!“ so unterhaltsam? Es sind mehrere Punkte: 1. Ein geniales Drehbuch, das in seiner Struktur auch an Tarantino erinnert, und immer wieder mit überraschenden dramaturgischen Kniffs und Twists aufwarten kann. 2. Unglaublich witzige Dialoge, die beim Screening dazu führten, dass gefühlt zur Hälfte der Zeit schallendes Gelächter im Kinosaal herrschte. In Kombination mit dem tiefschwarzen, aber dennoch befreienden Humor führt das zu extremer Kurzweile. 3. Der Soundtrack: Hier werden moderne Dubstep-Einlagen mit kultigen 80s-Synthie-Sounds und Morricone-Motiven vermengt, der Schnitt und das Sounddesign führen dazu, dass die Musik eine ideale Verbindung mit den Bildern eingeht – ebenso wie von den Vorbildern Tarantino und Leone bekannt. 4. Die Inszenierung: Selten hat man in den letzten 2, 3 Jahren einen derart frischen, eigenständigen Zugang gesehen, eine klar sichtbare kinematografische Vision und Handschrift, die sich offensichtlich an (großen) Vorbildern orientiert, aber dennoch vollkommen unique und originär wirkt. Fazit: Ein mörderisch unterhaltsamer Filmspaß, vollgepackt mit kreativen Einfällen, witzigen Dialogen, atemberaubend inszenierten Gewaltszenen und einem geradezu meisterhalften Einsatz von Musik. Unbedingt ansehen! Die Möglichkeit dazu gibt es bei einem 2. Slash-Screening am kommenden Freitag, den 27.9. Weitere Programm-Details gibt es HIER.

Rating

93/100

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