Zum Kinostart des Udo Jürgens-Musicals „Ich war noch niemals in New York“ konnten wir nicht nur Uwe Ochsenknecht und Mat Schuh interviewen, sondern auch Michael Ostrowski und Pasquale Aleardi.

von Paul Kunz
und Daniel Krunz

Film plus Kritik: Könnt Ihr uns etwas darüber erzählen, wie Ihr zuerst in die Leinwandadaption von „Ich war noch niemals In New York“ involviert wurdet?

Michael Ostrowski: Ich habe vor einigen Jahren schon davon gehört, weil ich lustigerweise als Drehbuchautor angefragt wurde. Das war alles erst im Entstehen, man hat auch noch nach einem Regisseur gesucht. Zuerst wurde nichts daraus, was normal ist, aber drei oder vier Jahre später habe ich die Anfrage als Schauspieler gekriegt. Dann habe ich ein Casting gemacht. Naja, Casting-Couch… Ich habe mit allen geschlafen und dann hab ich’s gekriegt.

Pasquale Aleardi: Ich hab’s genauso gemacht. (lacht)

Michael Ostrowski: Ja, bei dir ist das klar. Da muss man’s ja nicht dazusagen.

Pasquale Aleardi: Also Philipp Stölzl (der Regisseur, Anm.) hat mich gefragt. Ich habe das Drehbuch bekommen, wobei sich die allererste Fassung bis zum Dreh extrem weiterentwickelt hat. Die Fassung damals war noch nicht so auf den Punkt. Aber ich habe mit dem Regisseur gequatscht und der meinte, ich soll doch zum Casting kommen. Als ich dafür „Merci Chérie“ vorbereitet habe, habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass Udo Jürgens so richtig was draufhat. Es ist wirklich sehr gut komponiert und wenn man das singt und es zulässt, dann muss man schon während dem Singen heulen. Also bin ich zum Casting und habe die Rolle gekriegt.

Film plus Kritik: Was hat sich denn noch am Drehbuch geändert?

Pasquale Aleardi: Was am Anfang noch nicht gestimmt hat, waren die Songs. Also wie man es hinkriegt, die Songs so in die Szene zu integrieren, dass sie dramaturgisch Sinn machen und stimmig sind. Das ist auch wahnsinnig schwer, aber es war einfach… nee. Aber das haben Sie dann richtig gut hinbekommen.

Michael Ostrowski: Das ist ein normaler Prozess beim Drehbuchschreiben. Erst am Schluss kriegt man es richtig hin. Auch für meine Figur, den Fred, war am Anfang die ganze Exposition bis wir am Schiff waren, nicht richtig. Der Fred war immer nur so dabei und hat erst am Schiff eine richtige Geschichte gekriegt. Aber als Schauspieler muss man in jeder Szene wissen, was man spielt. Man muss nicht alles verstehen, aber man muss eine Funktion haben. Sonst steht einer nur herum.

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Film plus Kritik: Und gab es während dem Dreh noch Modifikationen?

Michael Ostrowski: Nein, das war alles in den Monaten vor dem Dreh. Beim Dreh hat es eigentlich keine Zeit mehr gegeben, um viel zu ändern.

Film plus Kritik: Pasquale, du bist ja auch Sänger. Was ist denn der Unterschied, wenn man nicht als man selbst, sondern als seine Figur singt?

Pasquale Aleardi: Aus der Rolle heraus zu singen, das ist ein bisschen tricky. Was Uwe Ochsenknecht zum Beispiel machen muss, ist echt schwierig und das macht er hervorragend: eine Szene zu spielen und direkt zum Song überzugehen. Ich hatte Glück, was das betrifft. Immer wenn ich in einer Szene im Film einen Song singe, habe ich vorher noch nichts gesprochen.

Michael Ostrowski: Ich finde, wenn du ein Lied singst, dann hast du Haltung zu geben. Darum glaube ich, dass viele Sänger und Sängerinnen gute Schauspieler sind. Weil sie in dem Moment immer eine Person sind, die etwas verkörpert. Das ist nicht so weit weg.

Pasquale Aleardi: Und Musik transportiert direkt ein Gefühl. Das sind Vibrationen, die dein gesamtes System in Schwingung bringen. Das macht es fast noch einfacher, als wenn man nur so spielt und eine Emotion generieren muss. Auch weil es sonst dauert, bis man am Set die gemeinsame „Tonart“ gefunden hat.

Film plus Kritik: Michael, du hast dein Debüt als Regisseur für „Hotel Rock’n’Roll“ gegeben, wo Musik ja auch eine zentrale Rolle spielt. Würdest du dir auch die Regie für ein Filmmusical zutrauen?

Michael Ostrowski: Ja, natürlich. Ich habe mich immer schon zum Musical hingezogen gefühlt. Auch beim Kinofilm „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ gibt es ein Couplet am Schluss, wo alle singen. Wie ein Quodlibet von Nestroy. Ich mochte das sehr gern, also warum nicht? Nur weiß ich noch nicht, wie genau. „Hotel Rock’n’Roll“ war halt meine Art das zu machen und das trashiger zu gestalten. Aber ich finde das Genre Musical total spannend. Ich wollte auch mit Michi Glawogger immer eines machen.

Bilder: UPI