Für manche gelten die „Fack ju Göhte“-Filme als Inbegriff des Niedergangs der deutschen Filmkultur, inszenatorisches und komödiantisches Talent aber kann man Regisseur Bora Dagtekin dennoch schwerlich absprechen. Nun kommt sein erster, „erwachsener“ Film in unsere Kinos, die Tragik-Komödie „Das perfekte Geheimnis“, mit Elias M’Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz und anderen Größen des deutschen Kinos erstklassig besetzt. Der Film bietet kurzweilige Unterhaltung und zeichnet sich durch ein gut konstruiertes Drehbuch und flotte Dialoge aus, schreckt aber auch vor ernsteren Tönen nicht zurück. Ab 31.10. im Kino.

von Christian Klosz

Eine Gruppe von End-30ern bis Mitt-40ern trifft sich zum gemeinsamen Abendessen. Alle Charaktere sind da vertreten: Der windige Hollodri Simon, der eine „große Business-Idee“ nach der anderen in den Sand setzt, der fürsorgliche Familienvater Leo, der sich ganz seiner feministischen Karriereehefrau unterordnet, die ihre Kinder nur noch am Wochenende zu Gesicht bekommt, obwohl sie sich eigentlich gerne selbst um sie kümmern würde, die kühle und distanzierte Psychotherapeutin Eva, die anderen bei deren emotionalen Problemen helfen soll, während sie selbst so etwas wie Emotion nicht zu kennen scheint, bis zum seltsamen Einzelgänger Pepe, der plötzlich seinen soliden Lehrerjob an den Nagel hängen will. Wie das so ist im Leben hat jeder von ihnen seine kleinen und großen Geheimnisse, die wohl gehütet werden; bis Eva folgende folgenreiche Idee hat: Jede/r Anwesende solle sein Smartphone auf den Tisch legen, jeder Anruf, jede SMS, jede Nachricht wird angenommen bzw. laut vorgelesen. Denn man hat doch nichts zu verbergen – oder?

Der Plotaufriss offenbart bereits das dramaturgische und komödiantische Potential, denn auch das perfekteste Geheimnis muss wohl gehütet werden, soll nicht dessen destruktives Potential entfesselt werden. Aufgrund des Gruppenzwangs lassen sich alle Anwesenden auf das Spiel ein, doch wie zu erwarten war, wird aus eitel Wonne bald bitterer Ernst: Da tauchen dubiose Nachrichten von Pepes Schüler auf, Anrufe einer Unbekannten auf Simons Handy und verdächtige Nachrichten von der Chefin bei Leos Frau Carlotta. Die Komödie steigert sich zum Drama, die Offenbarungen führen zu handfesten Konflikten, sich zerrüttenden Beziehungen und an der Kippe stehenden Ehen.

Dagtekin inszeniert „Das perfekte Geheimnis“ als temporeiches Kammerspiel, das sich durch durchwegs gute Schauspielleistungen, flotte Dialoge und gewitzten Humor auszeichnet. Die Charaktere bleiben trotz ihrer Schwächen und Verfehlungen stets sympathisch, weil menschlich, sowohl die Licht-, als auch die Schattenseiten moderner Phänomene werden ausgeleuchtet. Und am Ende gibt es stets die Mögichkeit der Versöhnung, die Überzeugung, dass Konflikte gelöst werden können, wenn man nur will, wenn Freundschaft und Liebe stark genug sind. So bleibt der Film trotz der angeschlagenen, ernsteren Töne stets positiv, und entlässt den Zuschauer mit einem guten Gefühl aus dem Kinosaal.

Fazit

Mit „Das perfekte Geheimnis“ ist Bora Dagtekin eine äußerst unterhaltsame und temporeiche Komödie gelungen, die qualitativ durchaus an „Fack ju Göhte“ anschließen kann. Der All-Star-Cast hat sichtlich Spaß bei der Arbeit, und auch die ernsteren Töne wirken nie deplaziert: Kurzweilige Kino-Unterhaltung für Jung und Alt, aber vor allem für all jene, die am Beginn ihres ernsthaften Erwachsenenlebens stehen – besonders sie werden sich in der einen oder anderen Szene wiederfinden können.

Bewertung

7 von 10 Punkten

Bilder: © 2019 Constantin Film Verleih GmbH bzw. Mathias Bothor (Titelbild)

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