Heute Abend steigt in Miami das größte Einzelsportereignis der Welt: In der NFL-Superbowl treffen die beiden besten Football-Teams der vergangenen Saison, die Kansas City Chiefs und die San Francisco 49ers, aufeinander und kämpfen um den Sieg. Für uns ist das Anlass genug, um auf den neben „Jerry Maguire“ und „The Blind Side“ wohl bekanntesten und neben „Draft Day“ vermutlich besten Football-Film überhaupt zu blicken, nämlich „An jedem verdammten Sonntag“ von Oliver Stone aus dem Jahr 1999.

von Christian Klosz

Stone erzählt hier eine epische Story (Laufzeit: Über 150 Minuten) von gewonnenen und verlorenen Schlachten im „Krieg“ auf und abseits des Football-Feldes, und macht das in rasantem, nahezu atemlosen Tempo und mit jeder Menge Drive und Nachdruck. Ins Zentrum seiner auf einer literarischen Vorlage beruhenden Geschichte stellt er das Team der (fiktiven) Miami Sharks, die eine Niederlagenserie hinter sich haben, und deren Star-Quaterback Jack Rooney (Dennis Quaid) nun auch noch verletzt ausfällt. Der bisher eher unbekannte zweite Ersatzmann Willie Beamen (Jamie Foxx) muss das Ruder übernehmen, und steigert sich zur Überraschung aller von Spiel zu Spiel. Da er allerdings zu Selbstüberschätzung und Überheblichkeit neigt, und sich nicht gerade als „Teamplayer“ hervortut, zweifelt Coach Tony D’Amato (Al Pacino) an seinen Fähigkeiten, die Sharks als Teamleader dauerhaft anzuführen. Er will weiterhin auf Rooney setzen, sobald der wieder fit ist. Im Nacken sitzt ihm allerdings die junge Team-Eigentümerin Christina Pagniacci (Cameron Diaz), die um jeden Preis Erfolge sehen will. Ein wahrer Kampf ums Überleben für Spieler und Betreuer in den letzten Saison-Spielen beginnt, und es stellt sich einzig die Frage, ob es den Sharks noch einmal gelingen kann, über sich hinauszuwachsen.

„An jedem verdammten Sonntag“ ist ein äußerst intensiver Film und nichts für zart besaitete Gemüter: Stone entwirft ein schonungsloses Porträt eines Mikrokosmos, der von Disziplin, Härte und unbedingtem Willen geprägt ist, der große Siege und ebenso große Niederlagen auf und abseits des Feldes für all jene bereit hält, die darin leben; ein Leben am Anschlag, das sportliche und private Opfer fordert und jeden wie eine heranrauschende Defense-Line überrollt, der nicht stark genug ist. Die Miami Sharks sind ein wahres Haifischbecken voller Testosteron und übermächtiger Egos, in dem sich auch große gesellschaftliche Themen der USA (die „Rassenfrage“, der „American Dream“ und seine Schattenseiten) spiegeln.

Stone wählt einen realistischen filmischen Zugang und würzt die Darstellungsform mit seinem aus stakkatoartigen Schnitt-Gewittern bestehenden „nervösen“ Inszenierungs-Stil, den man auch von seinen Meisterwerken wie „JFK“ kennt. Vor Allem in der ersten halben Stunde ist das durchaus gewöhnungsbedürftig, da Stone seinem Publikum kaum eine Atempause gönnt, mit der Zeit etabliert er aber auch einen dramaturgischen roten Faden, der den stets unruhigen Film zu tragen imstande ist. Beachtlich, und der Faktor, der „An jedem verdammten Sonntag“ von anderen, vergleichbaren Werken abhebt, ist, dass tatsächlich ein Gutteil der Handlung on the field stattfindet, also nicht nur oder nicht ausschließlich das Umfeld des NFL-Business dargestellt wird, sondern auch das „Leben“ auf dem Spielfeld, das seinen ganz eigenen Regeln folgt.

Fazit: Alles in allem ein gelungener, sehenswerter, aber auch fordender Film, der ein detailreiches Porträt des „Mikrokosmos NFL“ mit all seinen Licht- und Schattenseiten entwirft, das ebenso authentisch wirkt wie es die Zuschauer fesselt und unterhält. Pflichtfilm für alle NFL-Fans und jene, die es noch werden wollen – und darüber hinaus das ideale Programm, um sich auf die heutige Superbowl in Miami einzustimmen.