Während die Welt wegen der Corona-Krise den Atem anhält, lief in den letzten Tagen zumindest in den USA die Kinobranche wie gehabt weiter. So startete am Freitag der kontroverse Film „The Hunt“ in den US-Kinos. Die Veröffentlichung der Gesellschaftssatire aus dem Hause Blumhouse war an sich schon vor Monaten geplant, wurde aber dannn aufgrund eines Attentates in den USA abgesagt. Der Ruf eilt „The Hunt“ voraus: Kolportiert wurde, dass in dem Film links-liberale US-Bürger Jagd auf Angehörige der (konservativen) Arbeiterklasse machen würden, (vorauseilende) Kritik kam von beiden Enden des politischen Spektrums. Geworden ist „The Hunt“ eine durchaus unterhaltsame und kurzweilige Satire, die sich insbesondere mit der Selbstgefälligkeit und dem Überlegenheitsdenken selbstenannter liberaler Eliten anlegt, und so einen wunden Punkt der US-Gesellschaft trifft. Der Film hegt Sympathie für die „einfachen Leute“, während er sich für besonders aufgeklärt haltenden Eliten schonungslos einen Spiegel vorhält, aus dem boshafter Chauvinismus und „sozialer“ Rassismus zurückfunkeln.

von Christian Klosz

„The Hunt“ beginnt unvermittelt: Eine Gruppe US-Amerikaner findet sich plötzlich auf einer Waldlichtung wieder, den Mund geknebelt und nicht wissend, wo man überhaupt ist. Aus der Umgebung wird auf die Gruppe gefeuert, die zur Verfügung stehenden Waffen zur Selbstverteidigung können wenig gegen die Schüsse aus dem Hinterhalt ausrichten. Nach einer Weile erfahren wir, dass die Gruppe rund um Hauptfigur Crystal (Betty Gilpin) sich in einem osteuropäischen Land befindet, wohin sie offenbar von „Liberalen“ für ein perfides Spiel gebracht wurde. Den „Rednecks“ wird vorgegaukelt, sie seien in den USA, doch die Jagd auf sie ist echt: Die liberals machen sich einen Spaß daraus, das unwerte Leben der Rednecks auszulöschen, diese seien aus Sicht der liberals ohnehin nur pigs und im besten Fall dumme Idioten, während man sich selbst bei Unterhaltungen über gendergerechte Sprache oder die richtige Ernährung die eigene (moralische) Überlegenheit bestätigt.

Es mag Menschen geben, denen diese Satire zu weit geht, die sie übertrieben finden – genau dann aber hat sie bereits ihren Zweck erfüllt: Den Finger in Wunden zu legen. Insofern bestätigt gerade der Aufschrei, die Empörung einiger linker US-Kritiker die Notwendigkeit von Filmen wie „The Hunt“, der die Spaltung der US-Gesellschaft messerscharf analysiert und aufs Korn nimmt, und eine Mitschuld bei liberalen Eliten konstatiert. Gleichzeitig ist aber auch keine Sympathie zur Politikzugänge a la Trumpism erkennbar, sondern lediglich Sympathie für einfache Menschen, die sich nichts zuschulden kommen haben lassen, außer, nicht den Eliten anzugehören, die zu Unrecht diskreditiert werden, unter die Räder kommen und aus gesellschaftlichen Diskursen ausgeschlossen werden.

Bei aller Ernsthaftigkeit sollte man aber nie vergessen, dass „The Hunt“ eben eine Satire ist, kein Realismus, und man sollte das Ganze nicht allzu ernst nehmen.

Zuletzt muss die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Betty Gilpin hervorgehoben werden, die als klassische Anti-Heldin positioniert wird, und im grandiosen Shooutout-Finale der versnobten Endgegnerin (ebenfalls überzeugend: Hilary Swank) noch ein letztes Mal deren Maske vom Gesicht ziehen darf, um ihre Scheinheiligkeit zu entlarven. Alles in allem ist „The Hunt“ eine clevere, kurzweilige, unterhaltsame Thriller-Satire, die solide inszeniert ist und vor Allem ob seiner politischen Brisanz von Interesse ist. Es ist zu hoffen, dass nach Corona auch bei uns ein regulärer Kinostart möglich sein wird.

Bewertung:

7 von 10 Punkten

Bilder: Universal Pictures