Der heutige Streaming-Tipp des Tages ist eine Entdeckung des Vorjahres: Während „Assissination Nation“ in Deutschland zumindest ein kurzer Kino-Run beschieden war, musste man hierzulande auf die DVD/BluRay-VÖ 2019 warten – bzw. auf die VOD-Veröffentlichung, die im Laufe des Jahres auch auf Amazon Prime erfolgte. Insofern ist der Film immer noch im Prime-Abo zu sehen, aber natürlich auch auf anderen Plattformen ab 2.99€ zu leihen.

von Christian Klosz

Worum geht es in „Assissination Nation“? Der Film, in der amerikanischen Kleinstadt im High-School-Umfeld angesiedelt, ist eine bitterböse Gesellschaftssatire, die sich einerseits an der Social Media-Obsession unserer Zeit abarbeitet, andererseits auch das vor Allem in den sozialen Medien wiederbelebte Schauspiel der „öffentlichen (virtuellen) Hinrichtung“ aufgrund von Vorverurteilungen kritisch hinterfragt; sprich: Der Film setzt sich mit der Realität der US-amerikansichen Gesellschaft auseinander.

Kollege Cliff Brockerhoff, dessen Kritik auch mich vor gut einem Jahr auf den Film stieß, meinte damals in seinem Text: „Was anfangs noch wie das typische Gefühlschaos pubertierender Heranwachsender wirkt, entwickelt sich mit Fortlauf zu einem mitreißenden Strudel, der, genährt von tagesaktuellen Thematiken und einer höchst attraktiven Inszenierung, zu einem Rausch der Sinne heranwächst, der neben einem pessimistischen Blick auf die Gesellschaft vor allem allerlei Anspielungen und Freiraum für Interpretation bereithält. Eines steht aber ohne Zweifel fest: Der Ort des Geschehens trägt mit „Salem“ ganz bewusst den Namen der Stadt, die 1692 durch ihre Hexenprozesse weltweite Bekanntheit erlangte. Denn auch in „Assassination Nation“ beginnt plötzlich eine Hexenjagd, nachdem die gezielte Veröffentlichung sensibler Daten die Kleinstadt in Aufruhr versetzt. Als Konsequenz beginnt der wütende Mob mit der rücksichtslosen Suche nach einem Schuldigen, gegen den er seine blinde Wut entrichten kann.“ (Die komplette Kritik kann man HIER nachlesen.)

Besonders unterhaltsam ist das Ganze deswegen, weil Regisseur Sam Levinson einerseits auf eine flotte, temporeiche und gewitzte Inszenierung setzt, der Film sich andererseits auf einen grandiosen Soundtrack verlassen kann, der auch ohne Film als akustisches Entertainment herrlich funktioniert.

Zu guter Letzt enthält „Assassination Nation“ auch eine feministische Message: Alle Protagonistinnen sind weiblich, und führen am Ende einen blutigen Rachefeldzug gegen die Bewohner ihrer amerikanischen Kleinstadt, der sich gewaschen hat. Fazit: Clever, witzig, bitterböse, unterhaltsam und blutig: „Assassination Nation“ ist eine der Entdeckungen des US-Kinos der letzten Jahre. Oder, um noch einmal Kollegen Brockerhoff zu zitieren: „Zwischen kurzen Röcken und kurzweiliger Satire feuert der Film pausenlos gegen Trump’sche Attitüden, verkommt aber nicht zu einem plakativen Attentat auf seine Betrachter. Und auch wenn „Assassination Nation“ die moderne Kultur mit all ihren Facetten anprangert; letztlich profitiert der Film von genau dieser Aktualität und beschwört vor allem eines herauf: Likes, Follower und Hater.“

„Assassination Nation“ ist derzeit bei Amazon Prime zu sehen, aber auch bei iTunes oder Maxdome als VOD zu erwerben.


Über die Streaming-Tipps:

Die Kinos sind wegen Corona geschlossen, Filmfans müssen also vorerst mit Home Cinema und Streaming Vorlieb nehmen. Doch wie soll man aus dem Wildwuchs der Streamingdienste und dem Meer verfügbarer Filme das Richtige auswählen? Unsere Streaming-Tipps des Tages sollen hier Abhilfe schaffen: Jeden Tag präsentiert Film plus Kritik-Gründer und Chefredakteur Christian Klosz einen Film, der derzeit bei diversen Anbietern online als VOD verfügbar ist. Dabei handelt es sich oft um eher unbekannte Werke, Geheimtipps, die zum Kinorelease nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdient hätten – oder überhaupt (noch) nie in den Kinos zu sehen waren -, und die gesammelt ein alternatives Filmprogramm für zuhause darstellen sollen. Die vorigen 13 Streaming-Tipps des Tages gibt es HIER nachzulesen.