Über Donald Trump wurde bereits unendlich viel gesagt und geschrieben, und nichts davon machte seine Wahl und den seitdem im Weißen Haus regierenden Wahn vollständig nachvollziehbar. Was bisher auch fehlte, war ein Film, der sowohl die sozialen, politischen, historischen, gesellschaftlichen und psychologischen Hintergründe beleuchtet, als auch die Person und Persönlichkeit des US-Präsidenten in den Fokus rückt, um zu erklären, was hier eigentlich passiert. Dem Dokumentarfilm „#UNFIT“ gelingt genau das auf überraschend überzeugende Art, indem er sowohl Psychiater und Psychologen ausführlich zu Wort kommen lässt, als auch Professionalisten aus anderen Bereichen. Und Wegbegleiter, ehemalige Unterstützer und kritische Konservative, die diesmal offen zur Wahl Joe Bidens aufrufen. „#UNFIT“ ist ab 1.9. auf diversen Plattformen als VOD zu sehen.

von Christian Klosz

Hinter dem Film steht die Organisation „Duty to warn“, ein Zusammenschluss von US-Psychiatern, die es als ihre Pflicht sehen, auf die eklatanten psychischen Defizite von Donald Trump hinzuweisen, um Schaden von den USA und der Welt abzuwenden. Ihre Diagnose ist eindeutig wie fatal: Maligne narzisstische Persönlichkeitsstörung, ungefähr die gefährlichste aller psychischen Störungen.

Die befragten Psychiater verstoßen damit bewusst gegen die sogenannte „Goldwater-Rule“, eine in den USA gültige Übereinkunft unter mental health professionals, Politiker oder Kandidaten für Ämter nicht aus der Ferne zu „diagnostizieren“. Dr. John Gartner und seine Kollegen hinterfragen jedoch die Auslegung dieser Regel und die Praxis, dass damit Kritik an oder Warnungen vor Personen in Machtpositionen allzu leicht diskreditiert werden können. Er und sein „Duty to warn“-Team sieht es als Pflicht, die Öffentlichkeit über seine fatale Beurteilung des Donald Trump zu informieren, da dieser, so die Psychiater, eine Gefahr für sich, sein Umfeld und das ganze Land darstellt.

Ausgehend von der Diagnose „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“, die in vielerlei Hinsicht einleuchtend erscheint, erklären die interviewten Psychiater das Verhalten von Trump, rekurrieren auf typische Verhaltensmuster wie Soziopathie, Paranoia oder simples Freund-Feind-Denken. Und wenngleich diese psychologische Analyse des „Problems Trump“ der Ausgangspunkt und die Grundprämisse des Films ist, beschränkt man sich nicht darauf: Ebenso werden Historikerinnen und eine Faschismus-Forscherin befragt, die eine direkte Parallele zieht zwischen den Demagogen des 20. Jahrhunderts (Mussolini, Hitler) und Donald Trump. Die Muster der Machtergreifung sind immer gleich, das „Kapern“ des etablierten politischen Systems symptomatisch, ebenso die Emotionalisierung der Anhänger und die bewusste Spaltung einer Gesellschaft in Gruppen und das Schaffen von simplen Feindbildern.

Schließlich kommen auch (ehemalige) Weggefährten Trumps oder bekennende Konservative zu Wort, die sich vom Präsidenten abgewendet haben. Zum einen ist das Anthony Scaramucci, ganze 11 Tage als Kommunikationsexperte im weißen Haus angestellt, der eine durchaus einleuchtende Analyse liefert, warum im Jahr 2016 so viele weiße Amerikaner der Unter- und Mittelschicht für Trump gestimmt hatten – allerdings nicht, ohne auch Kritik zu üben, und Trump als „Arschloch“ zu titulieren. Zum anderen ist das George Conway, eine interessante und derzeit besonders im Fokus stehende Figur der US-Konservativen, sorgt er doch mit dem von ihm gegründetetn „Lincoln Project“ seit Wochen für Wirbel in den „sozialen“ Medien, wo diese Gruppe moderater Republikaner mit aller Kraft und teils beeindruckenden Videoclips gegen Trump agitiert und offen zur Wahl Joe Bidens aufruft.

Fazit:

Insgesamt ergibt sich ein äußerst vielfältiges, polyphones und überraschend gut recherchiertes Bild eines US-Präsidenten, der aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur im höchsten Maße „unfit“ ist, die Geschicke seines Landes zu leiten. Die fundierte historische Perspektive ergänzt diese bisher beste filmische Analyse des Zustands der Vereinigten Staaten, die am Schweideweg stehen: Demokratie oder Autokratie, liberale Gesellschaft oder Diktatur? Die Wahlen im November werden es zeigen, und bis dahin bietet „#UNFIT“ einen informativen und wirklich gut gemachten Innenblick auf das Trump-Trauma.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

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