Wendy lebt mit ihren beiden Brüdern James und Douglas und deren Mutter, die ein Diner betreibt, in den US-Südstaaten. Eines Nachts verschwindet der Nachbarsjunge Thomas auf einem mysteriösen Zug, von dem er mitgenommen wird. Derselbe Zug taucht nächtens immer wieder auf, bis Wendy und ihre Brüder auch aufspringen und dem gerissenen Peter folgen. Die Reise endet auf einer naturbelassenen Insel „Neverland“), wo sich viele Kinder tummeln, die dort das Sagen haben. Auch der verschollene Thomas findet sich dort: Eine ganze Kolonie von Kindern, die nicht altern, nie erwachsen werden, die ihre Freiheit auf immer und ewig genießen möchten, die ein aufregendes Leben voller Abenteuer und ohne Verantwortung führen. Als schließlich Douglas verschwindet und James altert, halten Leid und Schmerz Einzug in Wendys so paradiesisches Leben. Und obwohl der Anführer Peter („Pan“) alles versucht, Wendy von der Vorzügen dieser ungezwungenen Existenz zu überzeugen, sie bittet, doch zu träumen und zu glauben, bekommt sie Heimweh und bereitet ihre Rückkehr in die reale Welt vor.

von Christian Klosz

„Wendy“ ist ein seltsamer Film. Das liegt weniger am Titel, der vorab eine weitere Pferdeverfilmung befürchten lässt, sondern an Benh Zeitlins („Beasts of the Southern Wild“) origineller Herangehensweise: Das Werk lebt von seiner distanzierten und doch intimen Kameraführung und Erzählweise, von den schönen Bilder und von einem großartigen Soundtrack von Dan Romer, der bereits in „Zoe“ (2018) sein Können unter Beweis stellen konnte. „Wendy“ ist durchströmt von mystischer Spiritualität und Sinnlichkeit, wirkt dabei aber stets natürlich und ist vergleichbar etwa mit Darren Aronofskys „mother!“, ohne Horror, oder dem filmischen Philosophie- und Metaphysikexkurs „The Fountain“, ebenfalls von Aronofsky, ohne dessen intellektueller Schärfe.

Warum es trotzdem nicht zu einem Meisterwerk reicht, liegt am Drehbuch bzw. an den zu losen Enden diverser Plotwendungen. Alles schwebt – und das sollte uns wohl auch so direkt wie möglich vermittelt werden, eben dieses Gefühl der Schwerelosigkeit, unendlicher Freiheit – gleichzeitig wird aber auch die Kehrseite der Medaille, eine gewisse Substanzlosigkeit, spürbar, die dunkle Schattenseite des Peter Pan-Syndroms und der ewigen Jugend, aber ohne, dass dies vom Regisseur intendiert wirkt: Die Form absorbiert den Inhalt, ohne kritische Distanz. Alles ist Traum, die Einstellungen atmen transzendentale Tiefe, aber gleichzeitig hat man das Gefühl, Zeitlin und seine Co-Autorin haben sich etwas zu sehr von ihrem eigens entworfenen „Neverland“ verzaubern lassen und sich selbst darin verloren.

Fazit:

Eine sinnliche Reise für Augen und Ohren: Wunderschön bebildert und ordentlich erzählt versucht Benh Zeitlin eine kreative Neuauflage des Peter Pan-Mythos. Man muss sich fallen lassen können und auf „Wendy“ einlassen, dann hat man schöne und schwerelose knappe 2 Stunden, das Hirn aber, das sollte man dabei eher ausschalten. „Wendy“ ist seit 20.8. in den deutschen Kinos zu sehen.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

(64/100)

Bilder: Walt Disney Pictures