Mit der „Die nackte Kanone“-Trilogie schrieb das Regie- und Autoren-Trio Zucker-Abrahams-Zucker Filmgeschichte: Auch 30 Jahre nach Erscheinen funktioniert der gehobene Klamauk der Reihe rund um den Polizisten Frank Drebin immer noch ausgezeichnet. Seit einigen Jahren ist es still geworden um die ehmaligen Komödien-Könige Hollywoods, David Zucker, ein Drittel von „ZAZ“, trat bis 2013 jedoch mehrfach als Autor, Regisseur und Produzent der „Scary Movie“-Reihe in Erscheinung. Nun feiert er ein kleines Comeback als „kreativer Berater“ der israelischen Agentenkomödie „Mossad“ von Alon Gur Arye, die seit kurzem in ausgewählten Kinos in Deutschland und Österreich zu sehen ist.

von Christian Klosz

Der Mossad-Agent Guy Moran muss den Dienst quittieren, weil er seine letzte Mission gründlich in den Sand gesetzt hat: Sein Partner starb im Einsatz gegen Terroristen. Nun arbeitet Guy als Wachmann bei einer Hüpfburg für Kinder und versucht es mit wenig erfolgreichen Tinder-Dates, aber eigentlich möchte er nichts mehr als zurück zum Geheimdienst. Die Chance bietet sich, als ein amerikanischer Tech-Milliardär auf einer Geschäftsreise in Israel entführt wird: Er wird an einem geheimen Ort festgehalten, wo Terroristen Zugang zur Software der von ihm produzierten Handys wollen, um die Weltherrschaft zu übernehmen.

Schon am Plotaufriss ist die Nähe zur „Naked Gun“-Reihe unübersehbar: Die Handlung wird aus L.A. nach Israel (etwa Jerusalem) verlegt, Agent Guy Moran ist ähnlich tollpatschig (wenn auch weit weniger charismatisch) wie Frank Drebin und der lakonische Humor, vor allem in den ersten 15, 20 Minuten, zeigt klar die Handschrift bzw. das Vorbild von ZAZ (im konkreten Fall von David Zucker). Absurde Gags, verzögerte Lacher, Slapstick funktionieren auch hier großteils und sorgen für Amusement beim Zuschauer.

Mossad Film 2020

Die Synchronisation der deutschen Kinofassung ist solide, man hat nicht den Eindruck, dass bei der Übertragung aus dem Hebräischen vieles an Gagzündstoff verloren gegangen ist, was durchaus bemerkenswert ist. Das Hauptproblem aber im Vergleich zum großen Vorbild aus den USA, und der Grund, warum „Mossad“ am Ende nicht mehr ist als eine halbwegs gelungene Hommage und selbst wenig originären Appeal entwickelt, ist die Besetzung: In den Nebenrollen läuft das ganz OK, aber Hauptdarsteller Tsahi Halevi hat einfach nicht das Format, das komödiantische Talent, auch nicht das Aussehen eines Leslie Nielsen, der stets ein zentraler Faktor des Erfolgs der „Nackte Kanone“-Reihe war.

In Israel war „Mossad“ dennoch ein großer Kinoerfolg, die Zuschauer stürmten die Säle, was wohl auch damit zu tun haben mag, dass der israelische Geheimdienst eines der be- und geliebtesten Hassobjekte der Israelis ist: Der Mossad wird hier genussvoll gezeichnet als dilettierende Trotteltruppe, die trotz geballter Inkompetenz die geliebte Heimat vor Feinden und Terroristen im In- und Ausland beschützen soll.

Fazit:

Man kann davon ausgehen, dass weitere „Mossad“-Teile folgen werden, denen in Israel wohl ähnlicher Erfolg wie Teil 1 beschienen sein wird. Für den internationalen Markt ist „Mossad“ aber doch zu klein und zu spezifisch, aber auch zu wenig originell. Trotzdem gelang Regisseur Alon Gur Arye eine kurzweilige und teils wirklich witzige Klamauk-Hommage, der man bei der derzeit tristen Gemengelage in den heimischen Kinos durchaus eine Chance geben kann.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

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Bilder: Busch Media Group