Es begann mit einer perfiden Spuckattacke und endete mit Drohungen, Beschimpfungen, Hetze, Intrigen und einem Fresko (un)menschlicher Abartigkeiten, die man so selbst im (deutschen) Trash-TV selten gesehen hat: Seit einigen Wochen erhitzt „Das Sommerhaus der Stars“ auf RTL die Corona-müden Gemüter der Zuschauer, führt zu heftigen (wie sinnlosen) Diskussionen und küchenpsychologischen Analysen in den (a)sozialen Medien.

von Christian Klosz

Das Glitzerpärchen Bachelor Andrej Mangold und seine Jenny sanken in der Gunst der Zuschauer blitzschnell von Spuckopfer zu (Mobbing-)Täter und wurde damit wiederum Opfer wüster social media-Attacken simpler Gemüter, die diese inszenierte Trash-Parade und deren Exponenten für voll nehmen. Dass es sich dabei Andrejs Erzfeindin Eva, bisher in diversen anderen Trash-Formaten ausschließlich negativ und durch Arroganz und Egomanie aufgefallen, samt männlichem Anhängsel, dessen IQ sich eher im zweistelligen Bereich befinden dürfte, in der Opferrolle bequem machen kann, wenngleich sie ihrem ehemals Angebeteten in Durchtriebenheit um nichts nachsteht, ist auf eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung zurückzuführen.

Abseits des kindischen Eva-Andrej-Dramas finden sich im Sommerhaus ein Bodybuilder-Ehepaar, bei dem man nicht ganz sicher sein kann, wer denn hier die Hosen anhat, „Team Eilfeld“ mit einer ehemaligen DSDS-Teilnehmerin, die sich allgemein ziemlich toll findet und ein völlig irres Eso-Pärchen, das bei jeder Gelegenheit um göttliche (oder kosmische) Hilfe bittet und betet (die Namen der Betreffenden werden wegen Irrelevanz ausgelassen).

Jetzt kann man sich natürlich die Frage stellen, welchen Wert, Sinn und Zweck solche stets erfolgreichen Formate haben, und warum sich Menschen solchen Müll mit Freude ansehen. Wert haben sie keinen, Sinn noch weniger – aber einen (zivilisatorischen) Zweck vielleicht doch: Voyeurismus, Sensationslust, anderen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig zerfleischen – es mögen ähnliche Motive sein, die die Menschen im alten Rom geifernd in die Gladiatorenarenen getrieben haben. Mitunter auch Sublimierung „tierischer Triebe“, des Animalischen, das fiktive Ausleben und Mitleben von niedersten Instinkten, die in unserer allzu korrekten, braven und rationalen Welt keinen Platz mehr haben. Wie nun auch immer, es ist am Ende einfach wie bei einem grauenhaften Autounfall: Man will eigentlich nicht hinschauen – aber wegschauen kann man auch nicht.

„Das Sommerhaus der Stars“, immer MI und SO um 20:15 auf RTL.

Bilder: Screenshots / RTL