Es ist nicht einfach, Streamingdaten nachzuverfolgen: Während sich Kinoticket- oder DVD-Verkäufe einfach anhand der Unternehmensdaten nachvollziehen und TV-Zahlen anhand altbekannter Messmethoden ermitteln lassen, ist es auf dem immer unübersichtlicher werdenden Streamingmarkt um einiges schwieriger, der Überblick zu behalten. Seit erst einem Jahr veröffentlicht Netflix seine TOP 10, allerdings sind diese Daten nicht objektiv überprüfbar. Man muss dem Konzern also vertrauen, dass da nicht geschwindelt wird. Die Daten sind vermutlich halbwegs akkurat, allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass diese Listen für Netflix selbst in erster Linie der Werbung und Selbstvermarktung dienen, da besonders „vielgestreamte“ Filme und Serien das Interesse neuer Kunden und Seher wecken sollen.

von Christian Klosz

Einen Versuch der „Objektifizierung“ versucht die hier bereits mehrfach erwähnte Seite Flixpatrol, die die von den Streamingdiensten veröffentlichten Daten sammelt und gewichtet und so eine Schätzung unternimmt, welche Filme und Serien in einem bestimmten Zeitraum am meisten gestreamt wurden (die laut der Seite erfolgreichsten Filme & Serien 2020 lassen sich HIER nachvollziehen).

Einen anderen Weg geht das altbekannte Nielsen-Rating, das seit Jahrzehnten die TV-Zuschauerzahlen in den USA ermittelt. Die Messung erfolgt so: Von rund 100.000 US-Bürgern werden regelmäßig die Nutzerdaten gesammelt und dann auf die Gesamtpopulation hochgerechnet.

Seit September 2020 hat Nielsen auch die gängigsten Streamingdienste Netflix, Prime und Co. (und einige, rein US-amerikanische Anbieter) in ihre Messungen inkludiert. Seither werden wöchentliche Streaming-Charts veröffentlicht, die die in diesem Zeitraum meistgestreamten Serien und Filme sammeln. Die Messmethode orientiert sich an der TV-Messung, sprich: Die Daten werden von den bereits vorhandenen „Partnern“ (den Bürgern, von denen Daten gemessen werden) gesammelt. Allerdings erfolgt die Zählung in „geschauten Minuten“, was die Vergleichbarkeit in Frage stellt. Handelt es sich etwa um eine Serie mit 5 Staffeln (wo es mehr „zu sehen“ gibt) wird gleich abgerechnet wie bei einem Film mit 90 Minuten, was folglich natürlich unterschiedlich zu bewerten ist.

Nichtsdestotrotz ist es nicht uninteressant, einen Blick auf die Liste der 2020 in den USA meistgestreamten Serien zu werfen, die nun kürzlich bei der Consumer Electronic Show von Nielsen präsentiert wurde: Denn sie offenbart doch einige Überraschungen. Nicht die erwartbaren Netflix- oder Prime-Originals finden sich an der Spitze, sondern „zugekaufte“ Serienklassiker wie „The Office“, „Grey’s Anatomy“, „Criminals Minds“ oder „Shameless“. Dennoch schafften es auch Originals wie auch „Ozark“, „Tiger King“ oder „The Mandalorian“ unter die Top 15. Hier also die gesamte Liste (in Klammer die gestreamten Mrd. Minuten):

  1. The Office (57,1 Milliarden Minuten)
  2. Grey’s Anatomy (39,4)
  3. Criminal Minds (35,4)
  4. Ozark (30,5)
  5. NCIS (28,1)
  6. Schitt’s Creek (23,8)
  7. Supernatural (20,3)
  8. Lucifer (19)
  9. Shameless (18,2)
  10. The Crown (16,3)
  11. Tiger King (15,6)
  12. New Girl (14,5)
  13. The Mandalorian (14,5)
  14. The Blacklist (14,5)
  15. Vampire Diaries (14,1)