Menschen machen Fehler, Menschen sind nicht perfekt, Menschen haben Schwächen und „dunkle Seiten“ – doch genau das macht sie zu Menschen, zu lebendigen, lernfähigen Wesen. Maschinen hingegen können so programmiert werden, dass sie fehlerfrei funktionieren, auftretende Probleme können mit wenigen Handgriffen ausgebügelt werden – und viele dieser Maschinen machen unser menschliches Leben einfacher. Roboter sind ebenfalls Maschinen, auch die mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten, die rein äußerlich aussehen wie ihre menschlichen Vorbilder: Das ist die Grundlage des romantischen SciFi-Thriller „Perfect Human“ (Originaltitel: „Life Like“), der seit kurzem auf Amazon Prime zu sehen ist.

von Christian Klosz

Das junge Paar Sophie und James (dargestellt von der hübschen Addison Timlin und dem ebenso gut aussehenden Drew van Acker) zieht nach dem Tod von James‘ reichem Vater in dessen riesige Villa, James übernimmt seine Firma. Diese an sich attraktive Lebenslage stellt jedoch vor allem für Sophie eine große Herausforderung da – sie fühlt sich in dem überdimensionierten Herrenhaus alleine und verlassen, trotz anwesender Belegschaft. Anstatt ihr junges Glück in vollen Zügen zu genießen, feuert sie die Angestellten – und ist, welch Überraschung!, anschließend noch einsamer. Auch ist sie überfordert mit der Instandhaltung des Anwesens, da James den ganzen Tag in der Firma verbringt. Als „Spielkamerad“ und Haushälter wird schließlich der Android Henry angeschafft, der von Julian, einem Bekannten James‘, fabriziert wurde: Von Menschen ist dieser perfect human eben nur durch seine Perfektion zu unterscheiden, durch seine völlige, beinahe sklavische Unterwerfung gegenüber seinen owners.

Zugleich spiegelt diese Perfektion aber auch – implizit und explizit – die Beziehungsprobleme und die Entfremdung zwischen James und Sophie: Er fühlt seine Liebe schwinden, sie fühlt sich zunehmend verlassen. Und der „perfekte Mensch“ Henry mit all seinen Aufmerksamkeiten, seiner bedingungslosen Fürsorge erscheint Sophie immer mehr als allzu attraktive Alternative zum abwesenden James. Wenig überraschend nimmt diese ungesunde menage a troi überraschende Wendungen, die nicht nur die Zukunft von James‘ und Sophies Liebe in Frage stellen.

„Perfect Human“ ist ein solider Science Fiction-Film mit einer interessanten Prämisse und durchaus vorhandener philosophischer Tiefe, bei dem vor allem die technischen Möglichkeiten um einiges hinter dem dramaturgischen Potential zurückbleiben. Der Film wirft relevante Fragen auf und kann mit ordentlichen Schauspielleistungen aufwarten, wobei vor allem Steven Strait als nahezu perfekter Android Henry aus dem Ensemble hervorsticht. Die Schwächen sind bei der Kameraarbeit, der Inszenierung und auch im Soundtrack zu finden, die allesamt nicht auf größte Routine hinweisen – kein Wunder, für Regisseur Josh Janowicz, früher als Schauspieler aktiv, ist es der erste Spielfilm hinter der Kamera.

Trotz dieser schwer übersehbaren Schwächen gelingt es „Perfect Human“ über den Großteil der Laufzeit, das Interesse der Zuschauer aufrecht zu erhalten und zu unterhalten. Der nicht unbedingt zu erwartende Twist gegen Ende gibt dem Film eine zusätzliche Dimension und einen würdigen Abschluss, sodass man sich dann auch mit den vorhanden Unzulänglichkeiten abfinden und anfreunden kann und zumindest nicht das Gefühl hat, die vergangenen 1.5 Stunden vergeudet zu haben.

Fazit:

Stylischer SciFi-Thriller mit dramatischen und romantischen Elementen, der am ehesten an seinen eigenen technischen Ansprüchen scheitert. Das solide Drehbuch und gute (und gutaussehende) Schauspieler gleichen diese Mankos etwas aus, sodass ein Film übrig bleibt, der sich qualitativ knapp oberhalb des Durchschnitts ansiedelt. Seit kurzem auf Amazon Prime zu sehen.

Rating:

Bewertung: 6 von 10.

(58/100)