Auch wenn der Hypetrain aufgrund geschlossener Kinos und nach wie vor wütender Pandemie ein wenig an Fahrt verloren hat, sind Superhelden nach wie vor gefragter denn je. Das muss sich auch Netflix gedacht haben, schicken sie mit „Thunder Force“, seit 9.4. auf dem Streamingdienst zu sehen, doch erneut ein Original ins Rennen, das in eben diesem Genre beheimatet ist. In dieser fiktiven Realität war die Erde vor einigen Jahren einer enormen Menge kosmischer Strahlung ausgesetzt, was dazu führte, dass ein Teil der Menschheit mutierte und Superkräfte entwickelte. Blöd nur, dass diese Mutationen nur bei solchen Individuen auftraten, welche eine genetische Prädisposition zu soziopathischem Verhalten hatten – anstelle einer Schar Superhelden bekam die Welt also ein paar richtig fiese Superschurken.

von Mara Hollenstein-Tirk

Auch die Eltern von Wunderkind Emily (Octavia Spencer) fielen einem solchen „Miscreant“, wie die Mutanten genannt werden, zum Opfer. Die schwört daraufhin, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um diese Miscreants aufzuhalten. Und tatsächlich, Emily wird erwachsen und entwickelt ein Serum, welches ganz normalen Menschen Superkräfte verleiht. Als dann zufällig ihre beste Freundin aus Kindertagen (Melissa McCarthy) durch die Tür stolpert und sich aus Versehen das Serum für übermenschliche Kräfte verabreicht, kann der Kampf Gut gegen Böse endlich beginnen.

Man liest es vielleicht schon aus der Inhaltsangabe heraus: Auch wenn sich der Plot ein wenig schwer zusammenfassen lässt, ist er doch geprägt von bekannten Elementen und zahlreichen Klischees. Der einzige vermeintliche Unterschied zum 0815-Superheldenfilm: Bei „Thunder Force“ soll es sich um eine waschechte Komödie handeln. Was also tun, um zu gewährleisten, dass auch wirklich jeder versteht, dass hier kräftiges Augenzwinkern angesagt ist? Genau, man castet einfach Melissa McCarthy in einer der Hauptrollen und weil es gerade so gut passt auch noch Jason Bateman in einer abgedrehten Nebenrolle. Um dem Ganzen dann aber doch auch ein wenig Gravitas zu verleihen, stellt man McCarthy einfach Kritikerliebling Octavia Spencer an die Seite, die schon mehrfach beweisen konnte, wie geschickt sie einen Funken Erheiterndes auch in der schlimmsten Tragödie zu Tage fördern kann. Sollte also eigentlich alles eine runde Sache ergeben, oder?

Leider muss man sagen, dass das Endergebnis einfach nicht zünden will. Die beiden Hauptdarstellerinnen harmonieren zwar sehr gut miteinander, ihre Figuren kriegen aber insgesamt einfach zu wenig Tiefe, als dass man ihre innige Beziehung zueinander so recht glauben könnte. Ganz allgemein wirken jegliche Konflikte viel zu oberflächlich, forciert und lösen sich in letzter Konsequenz auch viel zu schnell wieder in Wohlgefallen auf. Auch die Gags wollen nicht immer so recht landen und deren Wirkung reicht zwar durchaus von betretener Fremdscham zu herzhaften Lachern, pendelt sich aber über die meiste Zeit bei einem milden, zaghaften Schmunzeln ein. Wenigstens muss man den Autoren zu Gute halten, dass Witze auf Kosten des Gewichts der beiden Damen äußerst selten vorkommen – also zumindest ein potenzielles Fettnäpfchen, das gut umschifft wurde.

Fazit:

Das rettet den Film aber auch nicht über sein solides Mittelmaß hinaus. Und ja, tatsächlich handelt es sich hier, trotz angeblich frischem Ansatz, nicht bloß um mittelmäßigsten Durchschnitt, sondern auch um gleichförmige Stangenware. Es gibt die „Held bekommt seine Kräfte“-Sequenz, samt Trainingsmontage, die schlecht ausgearbeiteten und völlig unterentwickelten Bösewichte, die ernsten charakterbildenden Momente, in denen den Helden die volle Verantwortung bewusst wird, die ihre Superkräfte mit sich bringen, die eingestreuten Lacher, die für Erheiterung sorgen, und natürlich ein großes Finale: Wenn man als Genrefan einmal bedenkt, wie oft man diese Geschichte inzwischen zu sehen bekommen hat, und vor allem auch, wie oft man sie schon besser zu sehen bekommen hat, kann man nicht anders, als der Öffnung der Kinos noch mehr entgegenzufiebern, wo man dann hoffentlich endlich einmal wieder ein Superheldenspektakel bewundern kann, bei dem es einem so richtig die Schuhe auszieht.

Bewertung:

Bewertung: 5 von 10.

(48/100)

Bild: (c) Netflix