„What you see, is what you get“, ein Ausspruch, der einem zu verdeutlichen sucht, dass man ein Buch manchmal eben doch nach seinem Einband beurteilen kann, was dadurch Segen und Fluch zugleich ist. Segen, weil man auf den ersten Blick sofort weiß, worauf man sich einlassen wird – gerade bei Medien aller Art ein Garant dafür, dass man eine relativ gute Zeit haben wird, wenn man in der richtigen Stimmung ist. Fluch, weil die Sache eben doch recht schnell vorhersehbar wird.

von Mara Hollenstein-Tirk

„Intrusion“, das neue Netflix-Original, ist, kaum verwunderlich nach dieser Einführung, genau so ein Fall. Als kleiner Home-Invasion-Thriller beginnend, bekommt man dank Inszenierung und Story schnell eine Ahnung davon, dass hier ein dunkles Geheimnis im verborgenen Keller einer eigentlich nach außen hin so perfekten Beziehung schlummert. Oder zumindest bekäme man diese, wenn einem der Trailer im Vorhinein nicht sowieso, wie so oft, wieder viel zu viel verraten hätte. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte – und zwar eine, die so ziemlich nach Schema F abläuft.

Zunächst das mulmige Gefühl, dann die klassische Finte, plötzlich alles wieder gut und schließlich das große Finale. Kennt man, hat man gefühlt schon hundert Mal gesehen. Aber hier kommt das Merkwürdige an der Sache, hier kommt der Segen, denn wenn man gerade genau auf so eine Art von Film Lust hat, dann bietet einem „Intrusion“ tatsächlich überraschend ansehnliche Kost. Die Bildästhetik bewegt sich durchwegs auf einem soliden, stellenweise sogar auf einem richtig guten Niveau. Vor allem einige der Landschaftsaufnahmen, manch gewählter Blickwinkel und der ein oder andere Szenenübergang lassen darauf schließen, dass Kameramann Eric Lin ein Name sein könnte, der interessierten Cinephilen in Zukunft vielleicht öfter begegnen wird. Sogar ein paar wenige Jump-Scares, leider bei weitem nicht alle, sitzen schön knackig und wissen so zu erschrecken. Und selbst wenn man die Geschichte sofort durchblickt hat, schaut man doch gerne dabei zu, wie auch der weiblichen Hauptfigur schlussendlich ein Licht aufgeht.

Dass dem so ist, liegt auch an den überdurchschnittlich gut aufspielenden Darstellern. Gerade Logan Marshall-Green beweist hier nach äußerst gelungenen Auftritten in „The Invitation“ und „Upgrade“ einmal mehr, dass er eigentlich zu Unrecht in Hollywood in die zweite Reihe verbannt wurde. Freida Pinto bekommt dagegen leider eher weniger zu tun, spielt die dauerschockierte Ehefrau aber dennoch souverän und darf zumindest beim finalen Showdown dann auch zeigen, wo der Hammer hängt.
So ist „Intrusion“ am Ende genau das, was einem der Trailer verspricht.

Fazit:

Wer also Lust auf ein bisschen typische Thriller-Pärchen-Kost hat, der könnte positiv überrascht sein, wie kurzweilig und unterhaltsam „Intrusion“ geworden ist. Wer hingegen allergisch auf vorhersehbare Plot- und Figurenentwicklungen reagiert, der sollte wohl doch eher einen Bogen um die ganze Sache machen.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

(59/ 100)

„Intrusion“ ist seit 22.9. auf Netflix zu sehen.

Bild: (c) Netflix