Diese neue Reihe soll Filme vorstellen, die sich abseits aktuell populärer Pfade und außerhalb polarisierter Diskurse finden und den Blick auf das lenken, was wirklich wichtig ist: Film an sich und all das, was ein guter Film in der Lage ist, beim Zuschauer zu bewirken (weitere Gedanken dazu HIER). Dass es sich dabei um Wiederentdeckungen handeln kann, zeigen etwa Beitrag #1 („Absence of Malice“) und #3 („Quiz Show“), heute führt der Weg nicht zeitlich, sondern räumlich in die Ferne.

von Christian Klosz

„The Sleep Curse“ ist ein Film von Herman Yau aus dem Jahr 2017 aus Hong Kong, der bei uns so gut wie unbekannt ist. Dabei hat er alles, was einen guten Mainstream-Thriller ausmacht. Yau verquickt in seinem Werk, nach einem Drehbuch von Eric Lee und Erica Li, verschiedene Ebenen und Genres: Es ist eine stimmige Mischung aus Psychostudie, Historiendrama, übernatürlichem Horrorfilm und Thriller, die 5 Jahrzehnte umfasst.

Anthony Wong brilliert als ethisch fragwürdiger Neurowissenschaftler, der sich auf Insomnie spezialisiert hat. Doch will er seine Patienten nicht heilen, sondern arbeitet vielmehr an gefährlichen Experimenten mit dem Ziel, den „Schlaf“ überflüssig zu machen und so die Leistungsfähigkeit zu steigern. Sein Institut will seine Forschungen nicht weiter finanzieren, doch da bekommt Doktor Lam Besuch aus der Vergangenheit (und zwar in doppeltem Sinn): Seine Ex schneit herein und eröffnet ihm, dass Familienmitglieder von ihr an einer seltsamen Schlafstörung leiden, die niemand heilen kann und die auf einen Fluch zurückgeführt wird. Sie verspricht Lam finanzielle Mittel für seine Forschungen, sollte er sich des Falles annehmen.

Für Lam wird die Forschung aber auch eine schmerzvolle Reise in die eigene Vergangenheit (und die seiner Vorfahren): Sein Vater war Kollaborateur der japanischen Besatzer Hong Kongs in den 1940ern. Eine Prostituierte, von den Besatzern gewaltvoll versklavt und dazu gezwungen, verflucht Vater Lam mit einem „Sleep Curse“, weil er ihr nicht geholfen hat, der nun den Sohn bis in die Gegenwart verfolgt.

„The Sleep Curse“ handelt von (generationsübergreifender) kollektiver Schuld, die sich auch nach langer Zeit ihren Weg an die Oberfläche bahnt. Die Form des (gelungenen) Horror-Thrillers ist Mittel zum Zweck, um sich mit düsteren Kapiteln der Hong Konger Geschichte zu befassen und moralische und ethische Grenzen auszuloten. Anthony Wong ist die Idealbesetzung als skrupelloser, abstoßender Forscher, dessen unverarbeitete Obsessionen ihn schließlich in den Wahn treiben. Aber der Film funktioniert auch ohne diesen historischen bzw. psychologischen Unterbau als Thriller und schließlich als brutaler Horrorfilm, dessen Darstellungsformen auch Grenzen des guten Geschmacks überschreiten.

Alles in allem ist „The Sleep Curse“ ein intelligenter, spannender, kurzweiliger Film, der zeigt, dass Mainstreamkino auch komplex und anspruchsvoll sein kann, ohne seinen Unterhaltungswert zu verlieren. Sehenswert!

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

(81/100)

„The Sleep Curse“ ist derzeit leider nur auf DVD und BluRay verfügbar.