Vor dem Kinostart der Neuverfilmung von Agatha Christies Klassiker von Kenneth Branagh kommt die Adaption von John Guillermin aus dem Jahr 1978 zur Neuaufführung. Studiocanal bringt seit November monatlich einen Kino-Klassiker zurück auf die große Leinwand, und zwar an jedem ersten Dienstag im Monat, diesmal fiel die Wahl auf „Tod auf dem Nil“ von John Guillermin.

von Christian Klosz

Gemeinsam mit einer Gruppe anderer, honoriger Persönlichkeiten begibt sich Hercule Poirot (Sir Peter Ustinov) in seinem Urlaub auf eine Schifffahrt auf dem Nil, nicht ahnend, dass er nicht viel zum Ausruhen kommen wird. Denn plötzlich wird ein Gast tot in seiner Kabine aufgefunden, vom Mörder fehlt jede Spur. Und jeder weiß: Der Schuldige muss sich noch am Schiff befinden. So beginnt Poirot seine Ermittlungen. Er fragt sich auf seine unverkennbare Weise durch die Reisenden, ist dem Täter immer einen Schritt voraus – und sorgt so wie immer für die verblüffende Auflösung eines Falls, den sonst keiner hätte aufklären können.

Mit Hercule Poirot schuf Agatha Christie eine der legendärsten Detektivfiguren der Literaturgeschichte, und natürlich wurden seine Abenteuer vielfach verfilmt. Als Klassiker unter den Christie-Adaptionen gilt heute „Tod auf dem Nil“ aus dem Jahre 1978 mit dem unvergleichlichen Peter Ustinov als Meisterdetektiv. Neben seiner grandiosen Performance kann sich auch der Rest des Casts sehen lassen (David Niven, Mia Farrow, Maggie Smith, Jane Birkin, Angela Lansbury). Die Nebencharktere fungieren als Stichwortgeber und Spiel-Partner eines groß aufspielenden Hauptdarstellers, der zeigt, dass er der wohl beste Poirot-Mime von allen ist.

„Tod auf dem Nil“ ist trotzdem nicht ganz frei von Schwächen: Vor allem zu Beginn braucht er etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen und es schleichen sich einige Längen ein. Doch spätestens zur Halbzeit, nach dem Mord, übernimmt Poirot, das heißt Peter Ustinov, das Zepter, der Film nimmt so richtig an Fahrt auf, und man muss nicht nur einmal über die mit feiner Ironie versehene Performance des großen britischen Akteurs schmunzeln.

Dem Film gelingt es zudem sehr gut, unterschiedliche Persönlichkeiten und Typen der „High Society“ auf unterhaltsame Art darzustellen, deren Schwächen genüsslich auszuschlachten, ohne je respektlos oder bösartig zu werden. Poirot ist unser Kompass in diesem Minenfeld aus verletzten Eitelkeiten und Intrigen, er leitet uns – selbst über allem stehend, und alles wissend – durch ein Dickicht verschrobener Charaktere zur Wahrheit.

Die Spannung steigert sich sukzessive – bis zur Poirot-typischen finalen Auflösung vor versammelter Mannschaft: „Tod auf dem Nil“ bietet großartige Unterhaltung ohne viel Pomp und Firlefanz, ist ein von durchwegs tollen Darstellern getragener Film, der die Spannung aus den Dialogen und durch die Reibung und Chemie der Figuren entstehen lässt.

Fazit:

Es gibt viele Christie-Verfilmungen, doch „Tod auf dem Nil“ ist eine der besten, vielleicht sogar die beste von allen. Nicht viele Filme sind derart unterhaltsam, spannend, amüsant und liebenswert.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

(84/100)

„Tod auf dem Nil“ ist am 4.1.2022 in ausgewählten Kinos in Deutschland zu sehen. Außerdem ist er noch bis 28.1. in der ARD-Mediathek GRATIS verfügbar.

Bild: (c) Studiocanal