Als die erste Staffel „Emily in Paris“ im Oktober 2020 auf Netflix veröffentlich wurde, schien die Serie zunächst wie eine willkommene, bunte Ablenkung von der Realität. Doch es dauerte nicht lange, bis erste negative Stimmen laut wurden. Und auch die kürzlich erschienene zweite Staffel der Serie steht bereits in der Kritik.

von Lena Wasserburger

„Emily in Paris“ erzählt die Geschichte einer jungen, motivierten US-Marketingexpertin, die eine Pariser Marketingagentur mit ihrer „amerikanischen Perspektive“ unterstützen soll. Die erste Staffel wurde zwar ein „Netflix-Hit“, erlebte jedoch einen „Shitstorm“, der gigantische Ausmaße annahm. Kritisiert wurden vor allem die klischeehafte Darstellung der Menschen in Frankreich und der Stadt Paris. Von der Qualität der Serie zeigten sich damals weder die Kritiken noch das Publikum überwiegend überzeugt. Umso größer waren der Aufschrei und die Überraschung also, als „Emily in Paris“ bei den „Golden Globes“ mehrere Nominierungen erhielt. Die amerikanische Zeitung „Los Angeles Times“ stellte Nachforschungen an.

Es stellte sich heraus, dass mehrere Mitglieder der Jury, des Verbands der Auslandspresse, an das Set der Netflix-Show nach Paris eingeladen worden waren, inklusive Aufhalten in Fünf-Sterne-Hotels und teurer Verpflegung. Solche „Special Goodies“ und die Umgarnung von Journalisten ist allerdings bei großen Produktionen nicht unüblich, gerade vor Award-Verleihungen. So erhielt die Serie letztendlich eine zweite Staffel, die seit 22. Dezember auf Netflix zu sehen ist.

Und schon wieder hagelt es Kritik. Dieses Mal geht es um die stereotype Darstellung einer ukrainischen Frau, die in der Serie als eindimensionale Ladendiebin auftritt, die sich vor der Deportation fürchtet. In den sozialen Medien wird „Emily in Paris“ demnach erneut stark kritisiert, vor allem von Ukrainerinnen, die sich durch die Serienfigur falsch repräsentiert fühlen. Sogar die ukrainische Regierung schaltete sich ein. Der ukrainische Kulturminister, Oleksandr Tkatschenko, beschwerte sich öffentlich über die Serie, nannte die Darstellung „beleidigend“ und „inakzeptabel“. Der BBC zufolge habe Tkatschenko bereits einen Beschwerdebrief an Netflix geschrieben.

Bild: (c) Netflix