„The quiet girl“ / „An Cailín Ciúin“

Ein ruhiges Familiendrama aus Irland um das junge Mädchen Cait, das die Ferien auf der Farm von Verwandten verbringt, da ihre materiell schlecht gestellten Eltern mit der Erziehung ihrer 4 Kinder überfordert sind. Bei dem älteren Ehepaar und deren großem Anwesen erfährt die schweigsame Cait erstmals Nähe, Liebe und Fürsorge und öffnet sich langsam – eine Erfahrung, die sie nachhaltig prägen wird. Doch Caits Aufenthalt wird auch ihre Gastfamilie verändern, da sie mit schmerzhaften Erfahrungen aus der eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Regisseur Colm Bairead erzählt im klaren, kühlen Bildern von emotionaler Vernachlässigung – und der Kraft bedingungsloser Liebe. „The quiet girl“ nimmt dabei zeitweise fast meditative Züge an, Kamera und Inszenierung schwanken zwischen stiller Distanz und wortloser Intimität. Ein Werk, an dem es wenig auszusetzen gibt, außer, dass die exzessive Ereignislosigkeit beizeiten in leichte Langeweile umschlägt.

Rating: 65/100

„Brother in every inch“ / „Brat vo vsyom“

Flop Gun. Die russischen Zwillingsbrüder Mitya und Andrey unterziehen sich auf einem russischen Militärstützpunkt einer Pilotenausbildung. Während der eine zu den besten Fliegern gehört, hat der andere zunehmend körperliche Probleme mit den Extrembelastungen, denen sie in der Luft ausgesetzt sind. Es ist der Beginn eines Abnabelungsprozesses, der die Beziehung der einander liebenden Brüder verändern wird. Zuerst muss man wissen, dass „Brother in every inch“ vom russischen Kulturministerium finanziert / gefördert wurde. Das mag beim Einordnen des hier zur Schau gestellten martialischen Militarismus helfen. Dieser Fetisch tritt nicht offen zutage, sondern zeigt sich im Faible des Regisseurs für kaltes Metall und schnelle Maschinen, die durch die Luft schneiden: Hier ist (männliche) Härte gefordert, und wird gelebt. Dass das alles nicht zusammenpasst, hat mehrere Gründe, vor allem aber diesen: Sowohl die Flugaufnahmen, als auch die Darstellung der Beziehungen wirken seltsam steril, in keinem Moment gelingt es, als Zuschauer eine emotionale Bindung zu den Protagonisten (oder dem Sujet des Films) aufzubauen. Positiv hervorheben lassen sich einzig die interessante Ästhetik und stilistische Experimente mit der Kamera bzw. die passend gewählte Filmmusik. Ansonsten ist dieser Film ein – Achtung, Wortspiel – cineastischer Totalabsturz.

Rating: 25/100

von Christian Klosz

Vielen Dank an die Verleihe für die Bereitstellung der Online-Screener!

Kommentar: Warum die Berlinale irrt

Titelbild: (c) Proline Film bzw. (c) Insceal