Im tiefsten Mittelalter, hunderte Jahre bevor der Begriff „Feminismus“ das erste Mal in der Geschichtsschreibung auftauchte und ein paar weitere Jahrhunderte bevor Lena Dunham die HBO-Serie „Girls“ kreierte, hatten Frauen kaum Einfluss auf ihr eigenes Schicksal. Selbstbestimmtheit? Ein Fremdwort. Die Welt sehen und Abenteuer erleben anstatt im Kindesalter zu heiraten? Undenkbar. Mit ihrer Serie „Girls“ demonstrierte Lena Dunham bereits von 2012 bis 2017, dass sie nicht davor zurückscheut, sich gegen die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen aufzulehnen. Mit „Catherine, Lady wider Willen“ hat Dunham nun ein Herzensprojekt umgesetzt, in dessen Zentrum ein junges Mädchen steht, das sich danach sehnt, aus dem mittelalterlichen Rollenbild der Frau auszubrechen.

von Lena Wasserburger

„Catherine, Lady wider Willen“ basiert auf dem Jugendbuch „Catherine Called Birdy“, geschrieben von Karen Cushman. Buch und Film erzählen die Geschichte von Catherine, auch Birdy genannt, die im England des Jahres 1290 eigentlich nur ihre Kindheit genießen, sich mit ihren Freunden im Schlamm wälzen und definitiv keine „Lady“ sein möchte. Doch dann macht ihr Vater ihr einen Strich durch die Rechnung. Die Familie ist nämlich so gut wie pleite und um rasch Geld herbeizuschaffen, soll Catherine mit einem möglichst reichen Mann verheiratet werden. Das will sich das Mädchen aber nicht gefallen lassen und lässt sich einen Streich nach dem anderen einfallen, um ihre Verehrer in die Flucht zu schlagen.

Catherine lebt zwar im 13. Jahrhundert, doch „Catherine, Lady wider Willen“ ist definitiv kein historisch akkurates Kostümdrama, sondern vielmehr eine moderne Coming of Age-Geschichte, die sich zufällig im Mittelalter zuträgt. Der Soundtrack besteht überwiegend aus Pop-Songs und die einzelnen Charaktere wirken, als wären sie einer RomCom aus den 90ern entsprungen. Da wären unter anderem die rebellische Catherine, gespielt von Bella Ramsey („Game of Thrones“), ihr oftmals angetrunkener Vater Rollo (Andrew Scott), der nervige große Bruder Robert (Dean-Charles Chapman) und Catherines liebevolle Mutter (Billie Piper), die versucht, den Frieden in der Familie zu bewahren. Historienfilme mit einem modernen Touch zu versehen, kann, wie Netflix zuletzt mit „Persuasion“ bewiesen hat, auch schiefgehen.

Lena Dunham beweist hier allerdings, dass es das nicht muss. In erster Linie ist „Catherine, Lady wider Willen“ ein Film, der vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen soll. Es wundert also nicht, dass einige Witze offensichtlich darauf abzielen, ebendieses Zielpublikum zum Lachen zu bringen und, es muss erwähnt werden, in vielerlei Hinsicht ist der Film tatsächlich ganz schön albern. Jedoch ist er sich dessen bewusst und genau das ist es, was ihn letztendlich irgendwie sympathisch macht. Denn neben diesen billigen Gags, die vor allem Kinder erheitern sollen, finden sich einige subtile Scherze, die eindeutig an Erwachsene adressiert sind.

Den Großteil seines Charmes hat das Werk allerdings seinem Cast zu verdanken. Lena Dunham hat ein Ensemble zusammengestellt, das seine Rollen mit einer Menge Herz verkörpert und einer eigentlich sehr simplen Handlung Leben einhaucht. Es handelt sich bei „Catherine, Lady wider Willen“ letztendlich um einen netten Wohlfühl-Familienfilm, der weder auf visueller, noch auf technischer Ebene besonders hervorsticht und sich doch eher wie eine Low-Budget-Produktion anfühlt. Es ging Dunham aber wohl kaum darum, einen Oscar zu gewinnen, sondern vielmehr darum, eine schlicht gestrickte Geschichte mit feministischem Hintergrund zu erzählen, die nicht zu aufdringlich ist, aber doch eine klare Message beinhält. Nämlich: Mädchen und Frauen sollten über das eigene Schicksal selbst bestimmen können.

Fazit

„Catherine, Lady wider Willen“ ist eine charmante Familienkomödie, deren Humor nicht alle Geschmäcker treffen wird. Die stellenweise doch sehr albernen Gags und der moderne Popsoundtrack könnten gerade ein jüngeres Publikum begeistern, Erwachsene allerdings eher dazu veranlassen, mit den Augen zu rollen. In jedem Fall aber ist man gut unterhalten, was vor allem der schauspielerischen Leistung des Casts geschuldet ist. Seit 7.10. auf Amazon Prime.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

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Bild: (c) Amazon Studios