Exorzistenfilme gibt es wie kreisrundes Esspapier in der Kirche. Damals noch als neueste Genreentwicklung verehrt, dreht sich heutzutage gefühlt jeder dritte Horrorfilm um irgendeine Austreibung – das „Conjuring“-Franchise lässt grüßen. Dementsprechend schwer ist es dieser Kategorie etwas Neues einzuverleiben, oftmals enden die Versuche sogar im ziemlichen Desaster.

von Cliff Lina

Streamingriese Netflix hat kürzlich mit „Hellhole“ einen polnischen Vertreter in sein Angebot aufgenommen, der sich an diesem Unterfangen versucht. Inhaltlich dreht sich dabei alles um ein Kloster in Oberschlesien, das von den Mönchen liebevoll als Sanatorium betitelt wird, da das Hauptaugenmerk auf der Heilung Besessener liegt. Dementsprechend froh ist man dort als Pfarrer Marek zu Ihnen stößt. Was die Mönche nicht wissen: Marek ist aus einem völlig anderen Grund dort. Was Marek nicht weiß: Die Mönche haben lange Zeit auf ihn gewartet.

Rein optisch setzt „Hellhole“ direkt zu Beginn ein Statement: natürliches Licht gelangt nicht an diesen Ort, stattdessen sind sämtliche Szenen maximal durch Kerzenschein spärlich beleuchtet. Regisseur Bartosz M. Kowalski (unter anderem bekannt für „Playground“) beweist ein Auge für Details, setzt seine begrenzte Szenerie gleich mehrfach gekonnt in Szene und sorgt so vom Start weg für eine intime, unangenehme Atmosphäre. Auch erzählerisch gibt sich das Werk ungeniert, verzichtet auf große Exposition und nutzt seine geringe Laufzeit lieber um Charaktere zu etablieren. Zeit für Langeweile bleibt kaum, ständig schlägt die Story leichte Haken, überrascht mit grafischer Explizität und schafft es spielerisch, inmitten seiner mysteriösen Bilder, auch diverse Male an der Ekelschraube zu drehen. Zugegeben, einige Motive davon sind ohne Umschweife der Mottenschublade entsprungen, wo Klischees ihr Dasein fristen. Wenn ein Film diese aber so gekonnt einbaut, kann jedoch selbst das verziehen werden.

Weitere Pluspunkte verdient sich der Film durch die stoische Art, mit der er sich entfaltet. Wo andere Vertreter Gefahr laufen in comic-relief-Momente zu verfallen um die Stimmung aufzulockern, bleibt „Hellhole“ beharrlich und lässt, fast bis zum Schluss, keinerlei Sonnenschein in seine Räumlichkeiten – im wörtlichen und übertragenen Sinn. Kowalski richtet sich nicht nach Sehgewohnheiten, setzt konsequent auf seine Version und lässt nur ganz unterschwellig immer wieder Spitzen einfließen, die den Unterton des Films verstärken. Einzig das Ende kann dann qualitativ nicht mehr mit Vorangegangenem mithalten. Einerseits, weil der Film bereits anfangs aus den Vollen schöpft und andererseits, weil es im finalen Akt einen Bruch in der Grundstimmung gibt. Dieser passt, im Kontext gesehen, auch irgendwo zum Rest und ergänzt den Genrehybriden um eine weitere Komponente, wird dem Großteil der Betrachter aber womöglich so sauer aufstoßen wie der Messwein dem Pfarrer. Ganz am Ende verliert sich der Film somit in seiner Intention unbedingt noch die Kirsche auf die Kirche setzen zu wollen. Kann man so machen, war aber tatsächlich gar nicht notwendig – und wiederspricht blöderweise auch der bis dato vermittelten Botschaft.

Fazit

Ohne große Umschweife wirft „Hellhole“ seine Zuschauerschaft in ein gewöhnliches Szenario, entwickelt sich aber zeitnah in eine höllisch spannende Story, die vor allem optisch konsequent seine Verse runterbetet. Besonders interessant ist die bittersüße Kritik an religiösem Fanatismus und die Brücke zu heutigen Verschwörungen, wobei das Werk zwar inhaltlich erahnbar, erzählerisch aber durchgehend packend ist. Satan gefällt das.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

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Bilder: (c) Netflix